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Das undatierte Archivbild zeigt Karl Valentin, einen der berühmtesten Komiker Deutschlands

Rechtsstreit um Zitate von Karl Valentin

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München - Wer seine Internet-Seite mit einem Spruch von Karl Valentin schmückt, kann sich die Finger verbrennen. Seit Jahren mahnt der Nachlassverwalter des Münchner Humoristen Homepage-Betreiber ab. Das Landgericht gab ihm jetzt einmal mehr Recht.

„Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen“, sagt Karl Valentin. Wahre und prägnante Sprüche wie dieser sorgen natürlich dafür, dass viele „es mit Valentin“ sagen wollen. Was aber wenige wissen: Der Zitierlust sind enge Grenzen gesetzt – und gerade im Internet werden diese Grenzen regelmäßig überschritten. „Wir sind immer wieder entsetzt über das mangelnde Unrechtsbewusstsein vieler Homepage-Betreiber“, sagt Gunter Fette, der seit 1970 Karl Valentins Nachlass verwaltet.

70 Jahre lang währt in Deutschland der Urheberrechtsschutz. Da Karl Valentin im Jahr 1948 gestorben ist, liegen die Rechte an seinem Werk also noch bis zum Jahr 2018 bei seiner Enkelin Anneliese Kühn. Und Anwalt Fette nimmt es genau: Nach Angaben eines Sprechers des Landgerichts München I befassen sich die drei Kammern „etwa ein dutzend Mal“ im Jahr mit dem Thema Valentin. Zuletzt prozessierte Fette gegen das Internet-Portal „1000.zitate.de“ – und bekam am 8. September Recht. Das Portal hatte den Klassiker „Mögen hätte ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut“ zitiert, ohne die Rechte abzuklären. Jetzt muss die Betreiberin gut 4000 Euro Gerichts- und Anwaltskosten zahlen.

Fette betont: „Wir verbieten nicht alles und jeden.“ Es gehe schlicht um die Frage, ob das Zitat in einem „werblichen Zusammenhang“ stehe. „Wenn Sie als Privatmann auf Ihrer Homepage Valentin zitieren, ist das okay. Wenn aber ein Malermeister ohne jeden Bezug auf seiner Seite das Zitat ,Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit‘ verwendet, gehen wir gegen ihn vor.“ Im Falle von „1000.zitate.de“ seien es Werbebanner, mit denen Geld verdient wird – das geistige Eigentum anderer sei nur ein Mittel, um an die nötigen Klick-Zahlen zu kommen.

Fette gibt zu, dass Urheberrechtsverletzungen oft Gedankenlosigkeit seien – bedingt durch die schnelle Verfügbarkeit von Texten im Internet. „In den 90ern hatten wir vielleicht drei Fälle pro Jahr – heute ein Vielfaches.“ Am häufigsten vergriffen sich Seiteninhaber an dem „Mögen hätte ich schon wollen“-Spruch. Aber auch der „Semmelnknödeln“- Dialog zwischen Valentin und Liesl Karlstadt ist beliebt, oder „Sie san net auf uns angwiesen, aber mir auf Eahna, des müassens Eahna merka!“ Fette: „Es kam auch schon vor, dass einer 80 Tondokumente auf seiner Seite veröffentlichte.“

Zunächst schickt Fette eine Unterlassungserklärung. Die unterschreiben die meisten und kommen so – bis auf die Anwaltskosten – glimpflich davon. Vor Gericht geht die Sache, wenn die Abgemahnten sich weigern. Doch das Landgericht stellte im September klar: Das Urheberrecht gilt auch, wenn die Zitate von Dritten auf der Seite eingestellt sind – solange man sich die Zitate „zueigen“ macht. Und: Bei Valentin komme es auch nicht auf die geringe Länge des „Sprachwerks“ an – zu charakteristisch sei seine Wortakrobatik.

Im Internet regt man sich über den „Abmahnwahnsinn“ auf – Valentins Zitate seien geflügelte Worte. Doch Fette entgegnet: „Wir können nicht auf der einen Seite Lizenzen für Bücher, CDs und Filme verkaufen – und obskure Portale nehmen sich das Recht kostenlos.“ Valentin sei ein Jahrhundertkünstler. „Man muss seine Rechte mit Klauen und Zähnen verteidigen – sonst ist bald nichts mehr von ihnen übrig.

Von Johannes Löhr

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