Große Nachfrage in München

Die Regeln in der Welt der Kleingärten

München - Salatpflänzchen ziehen, Gartenzwerge aufstellen. Spießig? Von wegen! Schrebergärten erleben eine Renaissance. Allein in München warten 1000 Kleingärtner auf eine Parzelle. Dabei gelten in den Anlagen strenge Regeln.

8686 Kleingärtner, verteilt auf 85 Anlagen – und das alleine in München. In ganz Bayern jäten, pflanzen und gießen mehr als 48 000 Hobbygärtner in ihren Schrebergärten. Ein eigenes Stück Grün mitten in der Stadt – das liegt im Trend. „Es gibt mehr Bewerber als freie Gärten“, sagt Martin Rist, Geschäftsführer des Landesverbandes Bayerischer Kleingärten. Dabei sei der Andrang im Süden Bayerns besonders groß. Die Konsequenz: Wartelisten. „In München warten 1000 Kleingärtner auf eine Parzelle“, sagt Fritz Kapp, Vorstandsmitglied im Kleingartenverband München. Je nach Anlage kann die Wartezeit bis zu zehn Jahren dauern.

Generationswechsel

Früher waren in Schrebergärten Rentner klar in der Überzahl. Mittlerweile pachten immer mehr Familien mit Kindern eine Parzelle. Martin Rist spricht von einem „Generationswechsel“. Kapp bestätigt den Trend für München. „Die jungen Pächter nehmen es nicht ganz so genau mit den Regeln“, sagt er. „Früher war das besser.“ Kapp und seine Kollegen sind dafür zuständig, dass in den Münchner Anlagen die Regeln eingehalten werden. Und davon gibt es eine Menge.

Rechtlicher Rahmen

In Deutschland regelt das Bundeskleingartengesetz (BKleingG), was Kleingärtner in ihren Schrebergärten dürfen und was nicht. Details werden in den Regelwerken der einzelnen Verbände festgelegt. Für Münchner Kleingärtner gelten die „Allgemeine Pachtbestimmungen und Gartenordnung des Kleingartenverbands München“ – ausgearbeitet von der Stadt München, Eigentümerin der Anlagen, und dem Münchner Kleingartenverein. 18 Seiten mit Rechten und Pflichten, wobei den Pflichten ungleich mehr Platz eingeräumt wird.

Vergabe

Um Pächter eines Münchner Kleingartens zu werden, muss man grundsätzlich nur eine Voraussetzunge erfüllen: Der Hauptwohnsitz muss im Einzugsbereich der jeweiligen Anlage liegen. Der Grund: möglichst kurze Anfahrtswege. „30 Minuten Fahrtzeit, um im Garten zu gießen, macht wenig Sinn“, erklärt Kapp. Ansonsten gilt das Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Ob Rentner, Familie mit Kindern oder Single: Sobald eine Parzelle frei wird, wird sie entsprechend der Warteliste vergeben.

Bund fürs Leben

Der Pachtvertrag wird grundsätzlich auf Lebenszeit geschlossen. Er endet mit dem Ablauf des Kalendermonats, der auf den Tod des Kleingärtners folgt. Nach Ende des Pachtvertrags muss die Parzelle in ordentlichem Zustand an den Eigentümer übergeben werden. Gerümpel, unzulässige Bepflanzungen und Bebauungen müssen entfernt werden. Für Arbeit und Geld, die der Pächter in den Schrebergarten gesteckt hat, wird er entschädigt. Der Kleingartenverband München beschäftigt zwei Sachverständige, die den Wert der Investitionen schätzen.

Fristlose Kündigung

Kündigungen des Pachtvertrags sind nur in Ausnahmefällen zulässig – zum Beispiel, wenn der Pächter mit der Pacht über drei Monate in Verzug ist oder wenn er laut BKleingG „den Frieden in der Kleingärtnergemeinschaft nachhaltig stört“. Gemeint sind damit Ruhestörungen oder andere Regelverstöße. Ist das Gartenhäuschen zu hoch oder ein Pächter mäht den Rasen mit einem Benzinrasenmäher, bekommt er Post vom Kleingärtnerverband, erläutert Kapp. Weigert sich der Pächter, das Häuschen zu stutzen oder den lauten Rasenmäher aus dem Schrebergarten zu verbannen, droht die fristlose Kündigung. „Notfalls gehen wir auch vor Gericht“, macht Kapp deutlich. Bei Regelverstößen versteht der Kleingartenverband keinen Spaß.

Größe und Kosten

Die Größe von Kleingartenanlagen gehen weit auseinander. Die kleinste Münchner Anlage hat 15 Parzellen, die größte 537. Die einzelnen Gärten sind dagegen meistens gleich groß. Laut BKleingG darf ein Kleingarten nicht größer als 400 Quadratmeter sein. In München hat eine Parzelle durchschnittlich 250 Quadratmeter. Zur Höhe der Pacht heißt es im BKleingG: „Als Pacht darf höchstens der vierfache Betrag der ortsüblichen Pacht im erwerbsmäßigen Obst- und Gemüseanbau verlangt werden.“ Das heißt: Münchner Kleingärtner bezahlen rund 1,50 Euro pro Quadratmeter. Für eine 250-Quadratmeter-Parzelle macht das 375 Euro im Jahr. Dazu kommt der Mitgliedsbeitrag für den Kleingartenverein – in München zwischen 25 und 100 Euro jährlich. Für jede Münchner Anlage ist ein eigener Verein zuständig. Die Mitgliedschaft ist für Pächter Pflicht.

Gartenlaube und Co.

Die Größe des Gartenhauses, die Höhe des Gewächshauses und die Breite der Terrasse – in Schrebergärten wird nichts dem Zufall überlassen. Laut BKleingG darf eine Gartenlaube höchstens 24 Quadratmeter Grundfläche haben – einschließlich überdachtem Freisitz. Auch für Ausstattung und Einrichtung gelten Regeln: Die Laube darf nicht zum Wohnen geeignet sein. Grundsätzlich gilt: Ab und zu übernachten ist erlaubt, dauerhaft wohnen verboten. Die Alternative zum Gartenhäuschen ist ein Gerätehaus. Pächter müssen sich entscheiden – zulässig ist nur eins von beidem. Zusätzlich dürfen die Kleingärtner allerdings ein kleines Gewächshaus und ein Tomatenhaus aufstellen. Zäune und Mauern an den Grenzen sind wiederum verboten.

Bepflanzung

Wildwuchs im Kleingarten? Keine Chance. Auch die Bepflanzung ist genau geregelt. Mindestens die Hälfte der Fläche, die nicht von der Gartenlaube belegt ist, muss kleingärtnerisch genutzt werden. Das heißt: Hier müssen Obst und Gemüse angepflanzt werden. Die übrige Fläche kann als Erholungsfläche mit Zierpflanzen und Gras bepflanzt werden. Bäume, die in ausgewachsenem Zustand höher als vier Meter werden, haben in den Kleingärten nichts zu suchen – außer Obstbäume. Waldbäume sind grundsätzlich verboten. „Da kann man schließlich nicht davon abbeißen“, erklärt Kapp. Für alle anderen Gehölze gilt: maximal drei Meter Höhe.

Ruhezeiten

„Ruhestörender Lärm ist zu vermeiden“, heißt es in den Richtlinien des Münchner Kleingartenverbandes. Laute Haus- und Gartenarbeit darf an Werktagen nur zwischen 8 und 12 Uhr sowie zwischen 15 und 18 Uhr verrichtet werden.

Tierhaltung

Das Halten von Tieren ist in Münchner Kleingartenanlagen verboten. Kleine Haustiere dürfen allerdings mitgebracht werden, wenn sich die Nachbarn dadurch nicht gestört fühlen. Hunde müssen an der Leine geführt werden.

von Manuela Dollinger

Rubriklistenbild: © Schlaf

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