Regensburger Uni wird von Grund auf saniert

Regensburg - Jahrelang wurde über die dringend notwendige Sanierung der Regensburger Universität diskutiert. Nun haben die Bauarbeiten endlich begonnen.

An Bauzäune haben sich die Studenten und Professoren der Regensburger Universität bereits gewöhnt. Die stehen seit Jahren auf dem Campus der Hochschule - Bauarbeiter waren allerdings Fehlanzeige. Denn die Zäune sollten die Fußgänger nur davor schützen, dass ihnen abgebrochene Betonbrocken auf den Kopf fallen. Nachdem jahrelang über die dringend notwendige Sanierung der Hochschule debattiert wurde, wird nun seit einigen Monaten tatsächlich gebaut. Bis Ende des kommenden Jahrzehnts will der Freistaat mehr als 400 Millionen Euro aufwenden, um die Häuser der Uni instand zu setzen.

Die Regensburger Universität gilt unter den bayerischen Hochschulbauten als besonders marode. Etwa ein Zehntel der in den kommenden Jahren eingeplanten Modernisierungskosten für alle Hochschulen im Freistaat gegen daher auf das Konto der Oberpfälzer Universität. Die Uni wurde 1962 gegründet und nahm fünf Jahre später den Studienbetrieb auf. Büros, Seminarräume und Laboratorien wurden damals am Stadtrand auf der grünen Wiese aus dem Boden gestampft - mit viel Beton, wie das zu dieser Zeit landauf landab üblich war. Heute sind viele dieser Betonburgen aus den 50er bis 70er Jahren Fälle für eine Generalsanierung.

"Man hat früher gesagt, dass Beton keine Imprägnierung braucht, das wird jetzt geändert", beschreibt Unikanzler Christian Blomeyer eine der wesentlichen Aufgaben der Modernisierung. Auch die Neigung der bislang teils undichten Dächer soll geändert werden. "Wir haben zur Zeit 75 Millionen Euro genehmigte Maßnahmen", sagt Blomeyer. Er rechnet damit, dass dann bis spätestens 2020 die wesentlichen Arbeiten abgeschlossen sein werden.

Der Verwaltungschef hält ein Sanierungsprogramm in dieser Dimension bei einem so großen Gebäudekomplex 40 Jahre nach der Errichtung nicht für ungewöhnlich. Blomeyer verweist darauf, dass trotz der Mängel der Hochschulbetrieb in den vergangenen Jahren weitgehend störungsfrei aufrechterhalten werden konnte. "Wir haben keine Räume sperren müssen", sagt er.

Die Studierenden können allerdings davon berichten, dass häufig ganz erheblich improvisiert werden musste. "Manchmal tropfte das Wasser vom Dach quer durch alle Stockwerke bis in den Keller und musste von Eimern aufgefangen werden", erzählt der Medizinstudent David Ogrodnik vom studentischen Sprecherrat. Die Kommilitonen und Mitarbeiter hätten dann die Pylonen umkurven müssen, die an den betroffenen Stellen zur Warnung in den Gängen standen. "Die Sanierung kommt sehr spät", kritisiert er.

Laut Ogrodnik sind insbesondere die Bauarbeiten an der Mensa von den Studenten positiv aufgenommen worden, obwohl die Essensausgabe nun in mehreren Ersatzmensen erfolgt. "Da waren alle überrascht, wie gut das funktioniert." Bei anderen Arbeiten hätten hingegen plötzliche Straßen- und Wegesperrungen für Unmut gesorgt. "Viele haben sich geärgert, dass niemand wusste, wie man fahren oder laufen soll", erklärt der Studentenvertreter.

Die Hochschulleitung hat auf solche Kritik mittlerweile reagiert. Im Internet wurde eine eigene Baustellen-Plattform (www.baustelle.uni-regensburg.de) geschaltet, damit sich die mehr als 20 000 Uniangehörigen über die aktuellen Arbeiten und die Folgen schnell und umfassend informieren können. Die Internetseite verstehe sich dabei als ein Forum auch für konstruktive Kommentare und rege Diskussionen, teilte die Pressestelle der Universität mit. Sogar "stilvolles Jammern und multimediales Meckern" sei erlaubt.

dpa

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