+
Die Filmemacherin wollte ihre Altersangabe aus dem Online-Lexikon Wikipedia löschen lassen.

Löschung der Altersangabe

Münchner Regisseurin verliert gegen Wikipedia

München - Die Dokumentarfilmerin wollte die Altersangabe in ihrem Internet-Eintrag löschen lassen, doch das Gericht weist die Klage ab.

Das Amtsgericht München hat die Klage einer Münchner Drehbuchautorin und Regisseurin gegen Wikipedia abgewiesen. Die Dokumentarfilmerin hatte von dem Online-Lexikon verlangt, ihr Geburtsdatum aus einem Eintrag über sie zu entfernen. Weil Wikipedia sich weigerte, klagte die Regisseurin. Mit ihrem Schritt wollte sie erreichen, dass der Artikel über sie entfernt würde.

Die Regisseurin argumentierte, dass ihr durch die Veröffentlichung ihres Alters Nachteile entstünden, weil die Medienbranche von deutlich jüngeren Menschen geprägt werde. Gerade im Hinblick auf Fernsehsender sei die Angabe problematisch, weil Intendanten es bevorzugten, junge Regisseure zu engagieren, um ein junges Publikum zu gewinnen. Zudem sei sie keine prominente Person. Auch wenn sie an Arbeiten mitgewirkt habe, die öffentliche Aufmerksamkeit erfahren hätten, mache sie das nicht zu einer Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, so die Regisseurin.

Das Gericht musste also das Persönlichkeitsrecht gegenüber dem öffentlichen Interesse abwägen: Das Persönlichkeitsrecht „verleiht dem Einzelnen die Befugnis, grundsätzlich selbst darüber zu bestimmen, wann und innerhalb welcher Grenzen persönliche Lebenssachverhalte offenbart werden. Hierunter fällt auch das Recht, grundsätzlich selbst darüber zu bestimmen, ob und welche Informationen über seine Person auf der streitigen Internetseite der Beklagten veröffentlicht werden“, zitiert das Urteil eine Entscheidung des Landgerichts Tübingen. Das Geburtsjahr, so der Richter, gehöre zur Privatsphäre eines Menschen. Andererseits seien personenbezogene Daten aber auch Teil der sozialen Realität einer Person. Deshalb müssten Persönlichkeitsrechte regelmäßig hinter der Meinungsfreiheit zurückstehen – wenn die betreffenden Tatsachen richtig seien, an der Veröffentlichung ein öffentliches Interesse bestehe und die Folgen der Veröffentlichung für den Betroffenen nicht schwerwiegend seien.

Aus diesen Gründen wies der Richter die Klage ab. „Die Klägerin ist eine renommierte, in der Öffentlichkeit stehende und bekannte Dokumentarfilm-Produzentin. Insoweit ist es für die Öffentlichkeit von Interesse, in welchem Alter sie welchen Film produziert hat“, so das Gericht. Zudem sei „nicht nachvollziehbar, inwieweit [...] der [...] Eintrag eine Rolle bei der Produktionsvergabe spielen kann“. Darüber hinaus sei das Geburtsdatum im Zusammenhang mit früheren Filmen mehrfach veröffentlicht worden. Wikipedia hatte sich in dem Eintrag auf die Dissertation der Regisseurin bezogen, in der das Geburtsdatum genannt wird.

Katharina Mutz

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Starkbier-Wahnsinn: Mehr Gäste und Gaudi – Anwohner genervt
München - Party, Tracht und viel Promille: Der Starkbier-Wahnsinn in München neigt sich langsam aber sich dem Ende zu. Ein Zwischenfazit aus vier verschiedenen …
Starkbier-Wahnsinn: Mehr Gäste und Gaudi – Anwohner genervt
In Münchner Wohnung erdrosselt: Mann gesteht Mord an Schwester
München - Aus Wut auf ihr Luxus-Leben soll ein 37-Jähriger seine Schwester in München erdrosselt haben. Robert B. räumte die Tat nun vor Gericht ein.  
In Münchner Wohnung erdrosselt: Mann gesteht Mord an Schwester
Auf Streife: Alle Münchner Polizeiinspektionen im Portrait
Das Polizeipräsidium München ist in 25 Inspektionsgebiete in der Stadt und im Landkreis München unterteilt – deren Nummern noch aus der Zeit vor der Neuordnung des …
Auf Streife: Alle Münchner Polizeiinspektionen im Portrait
Darum ist das Aufklären der Trickbetrüger-Anrufe so schwierig
Das Kommissariat 77, das für Betrugsdelikte zuständig ist, berichtet jetzt von einem unglaublichen Fall aus dem Jahr 2015 und erklört, warum das Verfogen der …
Darum ist das Aufklären der Trickbetrüger-Anrufe so schwierig

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare