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Reichenhalls Eishalle: Baugenehmigung ohne geprüfte Statik

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Traunstein - Die Baugenehmigung für die 2006 eingestürzte Eissporthalle von Bad Reichenhall ist ohne Vorlage einer geprüften Statik erteilt worden.

Dies sei im Rathaus ein durchaus üblicher Vorgang gewesen, sagte ein in den 70er Jahren als Verwaltungsdirektor bei der Stadt beschäftigter Beamter am Donnerstag vor dem Landgericht Traunstein aus. Die Baugenehmigung sei mit der Auflage erteilt worden, dass mit dem Bau nur begonnen werden darf, wenn die Prüfstatik auch tatsächlich vorliegt. Das Fehlen dieses Dokuments spielt in dem Prozess um die Schuldfrage der Katastrophe eine zentrale Rolle.

Am 2. Januar 2006 waren nach tagelangem Schneefall beim Einsturz der Halle 15 überwiegend junge Menschen ums Leben gekommen. Wegen fahrlässiger Tötung müssen sich seit Ende Januar drei Ingenieure und Architekten im Alter von 55 bis 68 Jahren vor Gericht verantworten. Gegen einen 71 Jahre alten städtischen Mitarbeiter wurde das Verfahren abgetrennt.

Die Zeugenvernehmung des 75 Jahre alten pensionierten Beamten brachte keine Klarheit darüber, wer vor Baubeginn Anfang der 70er Jahre das Vorliegen der Statik hätte prüfen müssen. Der Verwaltungschef sagte, dafür sei das Bauamt zuständig gewesen. Frühere Zeugenvernehmungen städtischer Mitarbeiter ergaben, dass die Beamten die Verantwortung in den Abteilungen im Bauamt hin- und herschoben. "Ich habe mich auf meine Mitarbeiter verlassen", hieß es mehrmals übereinstimmend im Gerichtssaal. Wie die meisten anderen Zeugen aus dem Rathaus brachte auch der 75-Jährige einen Rechtsbeistand zu seiner Vernehmung mit. Auf Befragen der Verteidiger räumte er ein, mit seinen Ex-Kollegen trotz seiner Pensionierung weiterhin in Kontakt zu stehen, was den Prozessverlauf betrifft.

Der Prozess wird am 5. Mai fortgesetzt. Mit einem Urteil der Großen Strafkammer am Landgericht Traunstein ist frühestens Ende Juli zu rechnen.

dpa

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