Große Buddelei: 40 sieben bis zehn Jahre alte Schüler der Grandlschule halfen mit, den Damm zum neuen Nebenarm der Würm einzureißen. foto: k. haag

Renaturierung beendet: Die Würm hat einen neuen Nebenarm

München - Die Würm hat einen neuen Nebenarm. Auf einer Länge von 300 Metern schlängelt er sich entlang der Mergenthalerstraße in Obermenzing. Am Mittwoch wurde er geflutet.

In Reih und Glied stehen die Kinder der Grandlschule auf dem schlammigen Damm. Entschlossen rammen sie den Spaten in den Morast. Die Schüler dürfen am Mittwoch dem neuen Ableger sein Wasser geben. Ein Bagger hilft, den Damm zu durchbrechen. Mit roher Gewalt reißt er eine Baumwurzel heraus. Kreischend laufen die Kinder auseinander – und Wasser sprudelt in das neue Flussbett.

Mitte September hatten die Baumaßnahmen begonnen (wir berichteten). Jetzt ergänzt der 300 Meter lange Nebenarm die durch Uferbefestigungen und Betonbett eingeengte und begradigte Mutter. „Durch den neuen Arm wird alles das, was dem Fluss durch die Begradigung genommen worden ist, zurückgegeben“, sagt Stephan Kirner vom Wasserwirtschaftsamt.

Heimische Arten wie Barben und Forellen, verschiedene Pflanzen und Insekten sollen sich ansiedeln. Der Flussarm ist Laichplatz und Kinderstube für seltene Fische. „Die Würm hat eine gute Wasserqualität. Die Vielfalt der Lebewesen, die schon in der Würm leben, zeigen die guten ökologischen Voraussetzungen“, sagt Matthias Junge, Sprecher des Wasserwirtschaftsamts. Es gehe darum, ökologische Nischen zu schaffen, zu erhalten und zu vertiefen.

Unter den Augen der Schaulustigen und mit Hilfe der Mitarbeiter der Flussmeisterstelle und des Gartenbaureferats haben die Grandlschüler tatkräftig Inseln bepflanzt, Dreck geschaufelt und Kieselsteine im neuen Flussbett verteilt. Während die einen noch die ersten einströmenden Wellen beobachten, laufen andere vor dem Wasser her. Der neue Flussarm soll ein Qualitätsgewinn für die Anwohner sein. Spätestens in zehn Jahren soll man nicht mehr sehen können, dass der Flussarm künstlich angelegt worden ist. „Die Renaturierung ist dann erfolgreich abgeschlossen, wenn der erste Besucher an der Würm entlanggeht und glaubt, sie habe hier an dieser Stelle schon immer so ausgesehen,“ sagt Kirner.

„Sieht doch jetzt schon ganz nett aus“, sagt Sigrid Bender, eine Anwohnerin. „Aber ein paar Bänke könnte man noch brauchen.“ Im Vorfeld freilich waren die Pläne auf Kritik gestoßen. Viele Anwohner hatten Angst, man würde eine Mückenbrutstelle schaffen. „Doch dazu ist selbst die Strömung im Neuen Arm zu stark“, sagt Matthias Junge. Eine Anwohnerin hatte sogar Klage vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht eingereicht. „Wenn Sie mich fragen“, mein ein kritischer Besucher, „dann haben die zu viel Geld für den Flussbau übrig. Und das müssen die dieses Jahr noch irgendwo ausgeben“. Aber die Kosten für die Renaturierung fielen geringer aus als veranschlagt. Von 220 000 Euro habe man insgesamt nur 130 000 Euro gebraucht, sagt Kirner. Die Hälfte trägt die Stadt, die andere Hälfte das Wasserwirtschaftsamt, also der Freistaat Bayern.

Der Renaturierung zum Opfer gefallen ist der Bolzplatz. Das Baureferat hat ihn auf die andere Flussseite verlagert. „Zusätzlich gibt es jetzt dort einen Streetballplatz“, erklärt Andreas Herrmann vom Baureferat der Stadt.

Für die Kinder der Grandlschule ist das Fluten ein großes Abenteuer. Mit ihren Gummistiefeln springen sie ins Wasser, hüpfen auf und ab. Schon fliegen die ersten Kieselsteine der Uferbefestigung und landen platschend im Wasser. Am anderen Ende des neuen Flussarms sitzt Dorian alleine auf dem Uferstück, dass den Nebenarm vom Hauptarm der Würm trennt. „Gleich begrüße ich das Wasser“, sagt der Achtjährige. „Hier muss der Bagger auch noch aufgraben. Hallo Bagger, wo bleibst du?“

Von Claudia Haus

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