Im Sommer einer der schönsten Plätze der Stadt: Das Spatenhaus gegenüber der Oper. Foto: Klaus Haag

Residenzstraße: Kampf um den knappen Platz

München - Ein AfD-Antrag heizt die Diskussion um den Rad- und Fußgängerverkehr an der Residenzstraße wieder an. Die Partei will die Freischankflächen von Spatenhaus und Franziskaner verkleinern - und den roten Radl-Streifen zurück, den OB Reiter hatte entfernen lassen.

Die Alternative für Deutschland (AfD) ist aufgewacht. So könnte man es zynisch ausdrücken, denn die beiden Neu-Stadträte haben Monate nach der Wahl ihren ersten Antrag gestellt. Man habe erst noch die Büros einrichten und lernen müssen, wie man Anträge überhaupt stellt, heißt es von der AfD. Jetzt aber der erste Antrag - und der richtet sich gleich gegen den Oberbürgermeister.

Die AfD würde nämlich gerne den roten Radl-Streifen, den OB Dieter Reiter vor einigen Wochen an der Residenzstraße hatte entfernen lassen, wieder einführen. „Mein Weg von der Bundesbank zum Rathaus führt mich immer an dieser Stelle vorbei“, sagt AfD-Stadtrat André Wächter. Und seit der Streifen nicht mehr da ist, habe sich der Bereich dort in eine „Chaoszone“ verwandelt.

Neben dem Radl-Streifen fordert die AfD außerdem, die Freischankflächen von Franziskaner und Spatenhaus „flächenmäßig deutlich einzuschränken“. „Man sollte der Wurzel des Übels auf den Grund gehen“, so Wächter. Da habe sich noch niemand drangetraut.

Unterstützung in der Sache bekommt die AfD von den Grünen. „Man muss an dieser Stelle die Freischankflächen verkleinern“, sagt Grüne-Stadträtin Sabine Nallinger. Die Durchfahrt durch die Innenstadt auf direktem Weg müsse für Radler erhalten bleiben. Den roten Streifen allerdings sieht Nallinger kritisch: „Der hat dazu geführt, dass Radler dachten, sie hätten Vorfahrt“, so Nallinger.

Im Spatenhaus wollte man sich gestern zu dem Antrag nicht äußern. Franziskaner-Wirt Eduard Reinbold hält den Vorstoß der AfD-Stadträte für überflüssig: „Seit die rote Radweg-Markierung weg ist, sind Radler und Fußgänger ganz friedlich“, erzählt er. „Vorher, auf dem roten Streifen, sind die Radler oft dahingedonnert.“ An den Freischankflächen gebe es zur Zeit keine Probleme. Eher schon vor Geschäften wie Louis Vuitton: „Da rollen die Radl direkt vor der Tür vorbei.“

Es müsse eine Lösung gefunden werden, sagt Reinbold. Er favorisiert den Vorschlag, den Radverkehr ganz aus der Residenzstraße herauszuhalten und die Nord-Süd-Querung über Sparkassenstraße und Rindermarkt zu verwirklichen. Mitte September, so Reinbold, solle es ein Gespräch mit allen Beteiligten geben.

Diese Lösung favorisiert auch die CSU. Am besten sei es, wenn Radler über Sparkassen- und Maximilianstraße fahren - womit auch die Ecke am Spatenhaus wegfalle. „Eine Verkleinerung der Freischankflächen braucht es nicht“, sagt CSU-Fraktionsvize Michael Kuffer.

Franziskaner-Wirt Reinbold lässt keinen Zweifel daran, dass er notfalls um seine Freischankfläche kämpfen wird: „Ich lebe im Sommer fast ausschließlich von diesem Garten. Wenn der verkleinert wird, muss ich Leute entlassen“, sagt er. Ohnehin sei die Fläche in den vergangenen Jahren beschnitten worden. „Die war früher doppelt so groß.“ Mehrfach sei der kleine Biergarten schon ins Visier der Politik geraten: „Früher war die Fläche in der Straßenmitte“, berichtet Reinbold. „Dann kam Ude und hat gesagt, die muss zum Haus hin. Jetzt soll sie vielleicht wieder in die Mitte“.

Egal ob mitten auf der Straße oder an der Hausfassade: Die Freischankflächen vor Franziskaner und Spatenhaus seien ein Gewinn für München, gibt Reinbold zu bedenken. „Die Leute wollen das. Es ist ja auch wunderschön, da zu sitzen und auf die Oper zu schauen.“

Ganz kann sich der Wiesnwirt des Eindrucks nicht erwehren, den auch der stellvertretende Bezirksausschusschef Wolfgang Püschel (SPD) hegt: „Ja mei, da muss sich halt jemand profilieren“, sagte der erfahrene Stadtteilpolitiker, als er gestern vom AfD-Antrag hörte. „Das ist nur ein Detailbereich in der ganzen Nord-Süd-Querung“, sagt auch SPD-Stadtrat Ingo Mittermaier.

Am 25. September ist laut Bezirksausschuss-Mann Püschel eine große Infoveranstaltung zur Nord-Süd-Querung im Stadtmuseum geplant. „Da sollten sich auch die AfD-Leute informieren“, empfiehlt Püschel. Die Freischankflächen seien in der seit Jahren währenden Diskussion um die Radl-Querung gewiss nicht das wichtigste Thema.

Moritz Homann und Peter T. Schmidt

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