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In Notaufnahmen wird es immer voller – das kritisiert BRK-Chef Leonhard Staerk.

Notstand in den Notaufnahmen

Retter schlagen Alarm: Münchner Kliniken haben zu wenig Kapazität 

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München - In den Münchner Krankenhäusern kommt es immer öfter zu Engpässen in der Notaufnahme. Sanitäter und Notärzte müssen derzeit länger warten müssen, bis die Übergabe stattfinden kann.

Ein Rettungssanitäter macht sich in einem anonymen Brief an die tz Luft. „Die Versorgung der Patienten ist nur noch mittels Zwangsbelegung der Krankenhäuser möglich“, schreibt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Es gebe keine Betten mehr. „Patienten liegen auf den Gängen und das über Stunden.“ Notstand in den Notaufnahmen!

Leonhard Stärk, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), spricht von „offenbar nicht mehr ausreichenden Kapazitäten“ in den Münchner Notaufnahmen. Seine Rettungsdienst-Mitarbeiter berichteten aktuell von einer „sehr angespannten“ Situation. Diese führe dazu, dass die Sanitäter und Notärzte länger vor Ort in der Klinik warten müssen, bis die Übergabe stattfinden kann. „Im Endeffekt heißt das eine größere Arbeitsbelastung und kürzere Pausen für unsere Leute“, betont Stärk. Die Überlastung zeige sich auch daran, dass Patienten immer öfter in weiter entfernte Kliniken gefahren werden müssten.

In dieser Woche gibt es Beispiele. Mittwochvormittag, 10 Uhr. Das vom Rettungszweckverband München betriebene Portal Ivena E-Health, das die Integrierte Leistelle für den Einsatz aller Rettungswagen nutzt, zeigt: 15 der aufgelisteten 19 Münchner Kliniken haben keine Kapazitäten für die Notfallversorgung mehr. Dienstagabend um 19 Uhr ein noch drastischeres Bild: Da gibt es in keiner Münchner Klinik Aufnahmemöglichkeiten.

Akute Notfallpatienten, also etwa Schwerstverletzte, würden natürlich trotzdem in der nächstgelegenen Klinik versorgt, sagt Roland Dollmeier, Geschäftsleiter des Rettungszweckverbands. „Die Notfallversorgung“, sagt er, „ist gewährleistet“. Dass Patienten auf dem Flur liegen, habe es immer gegeben, schränkt Dollmeier ein. „Das sind aber Menschen, die bereits eine Notfallversorgung bekommen haben, für die es aber kein Bett im Haus gibt.“ Diese Patienten müssten auf den Transport in ein anderes Krankenhaus warten. Derzeit gehe es saisonbedingt eng zu. „Im Januar ist immer mehr los, und jetzt haben wir auch noch Glatteisunfälle.“ Ein großes Problem will Dollmeier nicht sehen.

Caroline Wörmann

Die Ursachen für die Überlastung

Höchste Eile! Der Patient ist instabil, muss beatmet werden. Aber Notarzt Alfred Schallerer vom Chirurgischen Klinikum München Süd muss warten, bevor er mit dem Rettungswagen losfahren kann. „Es dauert oft eine Viertelstunde, bis uns ein Klinikum zugeteilt werden kann, das noch freie Intensivbetten hat“, sagt er. Auch die Ärzte und Kliniken leiden unter dem Notstand.

Prof. Karl-Georg Kanz, Klinikum Rechts der Isar.

Aber woran liegt’s? „Es gibt viele Gründe“, sagt Schallerer. „Einmal den chronischen Pflegepersonalmangel. Dazu kommen die Einsparungen bei den Kliniken.“ Ein weiteres Problem: die Überalterung der Gesellschaft. „Die Menschen werden älter – und können durch bessere medizinische Versorgung immer länger am Leben gehalten werden. Die Angehörigen wollen das auch: Kaum ein älterer Mensch stirbt noch zu Hause.“ Das LMU-Klinikum in Großhadern und der Innenstadt nennt „Krankheitswellen sowie witter-ungsbedingt gehäufte Unfälle“ als Ursachen für vorübergehende Überlastungen. Zudem kämen „seit längerem verstärkt“ Patienten, die eigentlich von niedergelassenen Ärzten versorgt werden könnten. Die kommen nicht immer selbst dorthin: Laut Rettungsdienstbericht Bayern 2015 ist die Zahl der Krankentransporte in München von 2005 bis 2014 um 26 Prozent gestiegen.

Im Klinikum Rechts der Isar habe es 2016 über 130.000 Patienten gegeben, die mit dem Rettungswagen kamen. Davon seien 16.000 Patienten mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder schweren Verletzungen in die Notfallversorgung gekommen, erklärt Prof. Karl-Georg Kanz, Bereichsleiter Chirurgische Notaufnahme. „Wir haben ein zunehmendes Problem mit Patienten, die einen Rettungsdienst in Anspruch nehmen, obwohl das nicht nötig wäre.“ Ein weiteres Phänomen seien zudem immer öfter ausländische Patienten, die von daheim nur Krankenhäuser als Anlaufstationen kennen würden.

Nina Bautz

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