„Land unter“ - Gewitterfront rollt über Deutschland - Autofahrerin muss aus Geröllmassen gerettet werden

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Ohne fremde Hilfe in den Zug: Mit der Rampe am Scheidplatz gelingt Oswald Utz, was bisher unmöglich schien.

Pilotprojekt baut Barrieren ab

MVG testet Rolli-Rampen auf U-Bahnsteigen

München - Leuchtend gelbe Rampen auf den Bahnsteigen sollen Rollstuhlfahrern den Weg in die U-Bahn erleichtern. An zunächst drei Bahnhöfen will die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) die Rampen ein Jahr lang testen.

Am Scheidplatz sind sie schon montiert, am Hauptbahnhof und am Sendlinger Tor sollen Arbeiter sie in den nächsten Nächten anschrauben: Sechs Zentimeter hohe Kunststofframpen, die den Höhenunterschied zwischen Bahnsteig und Fahrzeugboden verringern. Diese Schwelle nämlich stelle für Rollstuhlfahrer in den älteren U-Bahnhöfen ein Problem dar, erläutert MVG-Sprecher Matthias Korte. Jeder zweite Bahnhof in der Stadt stammt noch aus einer Zeit, in der Bahnsteige 100 Zentimeter über der Schienenoberkante angelegt wurden – zehn Zentimeter unter dem Niveau der Wagenböden. Das hätten die damaligen Vorschriften verlangt, erläutert Korte. Es sollte sichergestellt werden, dass der Wagenboden unter keinen Umständen tiefer liegt als der Bahnsteig. Neuere Bahnhöfe wurden mit einer Bahnsteighöhe von 105 Zentimetern angelegt, nachdem sich herausgestellt hatte, dass auch das ausreicht.

Bei jeder Bahnhof-Sanierung erhöhe man den Bahnsteig auf 105 Zentimeter, sagt Korte. Doch auf diese Weise wird die letzte Zehn-Zentimeter-Schwelle erst in Jahrzehnten verschwinden. So lange wollte der Münchner Behindertenbeauftragte Oswald Utz nicht warten. Er ist eine der treibenden Kräfte hinter dem Pilotversuch. In Kooperation mit den Behindertenverbänden entstand ein System, das stabil und leicht zu montieren ist: Die rutschfesten Rampen werden zwischen Blindenleitstreifen und Bahnsteigkante auf dem Sicherheitsstreifen festgeschraubt. Sie sind fünf Meter lang, an der höchsten Stelle sechs Zentimeter hoch und seitlich abgeschrägt. Dass Fußgänger darüber stolpern könnten, glaubt Korte nicht: Gäbe es diese Gefahr, dann hätte die Regierung von Oberbayern den Testlauf nicht genehmigt.

Die Rampen sitzen jeweils an der Stelle, an der der erste Wagen zum Stehen kommt. Nur dort ist die Position der Tür bei allen drei Zugtypen, die derzeit im Einsatz sind, sowie beim künftigen Modell C 2 gleich.

Der Scheidplatz wurde zum Test ausgewählt, weil hier wegen der nahen Pfennigparade viele Rollstuhlfahrer unterwegs sind. An Hauptbahnhof und Sendlinger Tor sind im Berufsverkehr Verkehrsmeister der MVG im Einsatz, die beobachten können, wie sich die Rampen bewähren.

Ein Jahr lang sollen die „partiellen Bahnsteigerhöhungen“, so die Amtsbezeichnung, nun getestet werden. Im Sommer 2015 will die MVG entscheiden, ob die Elemente in allen alten Bahnhöfen montiert werden.

Oswald Utz hofft, dass sich das Material im Dauereinsatz bewährt. Er hat den Prototyp am Scheidplatz mit seinem Elektrorollstuhl getestet und war begeistert: „Damit komme ich allein in die U-Bahn rein“, sagt er. „Vorher hatte ich ohne fremde Hilfe keine Chance.“ Selbst jene Behinderten, die auch mit Rampe noch auf fremde Hilfe angewiesen sind, hätten einen Vorteil: „Der Rollstuhl steht schon schräg. Helfer können ihn dann leichter aufkippen“, sagt Utz.

Dass die Rampe nur am Zuganfang montiert ist, werde sich „in der Community der Rollstuhlfahrer“ schnell herumsprechen, sagt der Behindertenbeauftragte. Er appelliert an alle Fahrgäste, in Zukunft auch bei vollen Zügen im ersten Abteil genug Platz für Rollstuhlfahrer zu lassen.

Von Peter T. Schmidt

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