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Zogen eine leblose Frau aus der Isar: die beiden Kajakfahrer Florian Czeschka (li.) und Ulrich Lankes.

Rollstuhlfahrerin rutscht ins Wasser

Die Lebensretter von der Isar

München - Drei Männer haben einer 37-Jährigen in Thalkirchen das Leben gerettet. Die querschnittsgelähmte Rollstuhlfahrerin war in die Isar gerutscht und lag hilflos im eiskalten Wasser.

Sein erster Gedanke war: „Oh Gott, ist das eine Leiche?“ Anfang Januar war der Geschäftsführer Roland S., der jetzt in Baden-Württemberg lebt, zu Besuch in seiner alten Heimat München. Am frühen Nachmittag führte er zwei Terrier, die Hunde eines Freundes, in Thalkirchen Gassi. Beim Spazieren über die Marienklausenbrücke schaute der Mann in die Isar. „Da habe ich einen Hinterkopf aus dem Wasser ragen sehen.“

Der 49-Jährige reagierte sofort und verständigte von der Fußgängerbrücke aus zwei Männer, die nur wenige Meter entfernt im Wasser in ihrem Kajak fuhren. S. machte die beiden Männer auf den leblosen Körper aufmerksam. Dann griff er sofort zum Handy und alarmierte Polizei und Rettungsdienst.

Florian Czeschka (32) und Ulrich Lankes (31), beide Mitglieder im in der Nähe ansässigen „Club Münchener Kajakfahrer“, trainierten gerade in der Isar. Das ganze Jahr über paddeln die beiden sportlichen jungen Männer in der Gegend, so auch an diesem Dienstag. Als sie Roland S. winken sahen, lenkten sie ihre Boote zur Marienklausenbrücke. „Wir sahen Fersen samt Schuhen aus dem Wasser ragen“, erzählt Czeschka. Sofort sprangen die beiden Männer – in kurzen Neoprenanzügen, mit nackten Beinen – in die Isar. „Wir haben festgestellt, dass da wirklich ein Mensch ist“, sagt Czeschka. „Die Frau war eiskalt und wir konnten keinen Puls mehr fühlen.“ Die Kajakfahrer zogen den leblosen Körper ein kleines Stück flussabwärts ans Ufer. Zusammen mit Roland S. brachten die beiden Ingenieure die Frau die Böschung hinauf. Ulrich Lankes rannte dann an die Straße, um dem Rettungsdienst den Weg zu der schwer zu findenden Stelle zu weisen. Ein Notarzt begann sofort, die Frau zu reanimieren. Noch an der Isar begann das Herz der 37-Jährigen wieder zu schlagen. Sie wurde in ein Krankenhaus eingeliefert.

Etwa 100 Meter flussaufwärts fanden die Einsatzkräfte einen elektrischen Rollstuhl, an dem ein Zettel klebte. Auf diesem stand der Name der Besitzerin. Nach Auskunft der Polizei ist die Verunglückte eine 37-jährige Münchnerin, die querschnittsgelähmt ist und im Rollstuhl sitzt.

Ereignet hat sich der Vorfall bereits am 5. Januar, erst jetzt hat ihn die Polizei bekannt gegeben. Die Frau muss an diesem Tag gegen 14.30 Uhr irgendwie in den Isarkanal gerutscht sein. Fremdeinwirkung schließt die Polizei aus. Da die 37-Jährige sich nicht mehr an das Geschehene erinnern kann – sie hat durch den Sturz ins Wasser wohl eine Amnesie erlitten –, ist unklar, wie lange die Frau hilflos im Wasser lag, bevor ihre Retter sie fanden.

„Die Rollstuhlfahrerin war uns schon vorher aufgefallen, als wir mit den Kajaks die Isar auf und ab gefahren sind“, erzählt Florian Czeschka. Bereits zuvor war die 37-Jährige in ihrem Rollstuhl vom Weg abgekommen. Passanten hatten ihr zurückgeholfen. Auch daran kann sich die Münchnerin allerdings nicht mehr erinnern.

Mittlerweile hat sich die 37-Jährige bei ihren Lebensrettern bedankt. Czeschka: „Wir haben telefoniert. Sie war uns sehr dankbar für unseren Einsatz.“

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