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Auf der Rosenheimer Straße haben Radler derzeit keine eigene Spur. Ein Radlweg ist in Planung – sorgt aber weiterhin für Diskussionen.

Experten: Fahrspuren viel zu eng

Rosenheimer Straße: "Dieser Radweg ist extrem gefährlich"

  • Moritz Homann
    VonMoritz Homann
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München - Neuer Streit um die Rosenheimer Straße: Namhafte Umwelt- und Verkehrsverbände sehen die Radweg-Lösung von CSU und SPD als „extrem gefährlich“ an. Radstreifen und Autospuren seien viel zu eng. Schwarz-Rot will sich davon aber nicht beirren lassen.

Wohl kein anderer Radweg Münchens hat solche Berühmtheit erlangt: Ob im Wahlkampf, bei den Verhandlungen über eine neue Koalition oder im Polit-Alltag – die Radl-Spur an der Rosenheimer Straße war immer dabei. Nach der jüngsten Einigung von SPD und CSU dachte man nun eigentlich, das Thema sei erledigt.

Doch jetzt gibt es neuen Wirbel. Die großen Münchner Umwelt- und Verkehrsverbände haben sich zusammengeschlossen, um vor dem „extrem gefährlichen“ Plan von Schwarz-Rot zu warnen. „Wir können dem Stadtrat nur empfehlen, dem Antrag von CSU und SPD nicht zuzustimmen“, sagt Martin Hänsel, Vize-Chef des Bundes Naturschutz. Green City, der Radl-Club ADFC, der Verkehrsclub Deutschland und der Fachverband Fußverkehr FUSS sehen das genauso.

CSU und SPD hatten sich darauf geeinigt, die bestehenden Autospuren an der Rosenheimer Straße zu verschmälern und Parkplätze zu streichen, um auf jeder Seite einen größeren Gehweg und einen 1,50 Meter breiten Radweg zu ermöglichen. Die Autospuren wären noch 2,85 Meter breit.

Alles viel zu eng, finden die Verbände. Sie fordern einen Radlweg mit mindestens 1,85 Metern Breite. Auch die schmaleren Fahrspuren finden sie zu knapp bemessen. So seien Laster mit Spiegeln bereits 2,85 Meter breit, was jeglichen Puffer raube. „Diese sogenannte Lösung ist rechtswidrig und gefährlich für Radfahrer”, schimpft Carl Pickerill vom ADFC. Bis eine andere Lösung umgesetzt sei, müsse außerdem Tempo 30 für den Abschnitt gelten.

Auch die Opposition ist mit von der Partie. Die Grünen würden gerne auf jeweils eine Autospur verzichten, damit Radler und Fußgänger mehr Platz haben. „Man braucht dort keine vier Spuren, nur an den Kreuzungen“, sagt Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher. Mit dem Vorschlag von Schwarz-Rot hingegen leide der ganze Straßenraum. „Wir werden für die ursprüngliche Lösung kämpfen“, kündigt Bickelbacher an.

Die Kooperationspartner im Rathaus nehmen die Kritik gelassen auf. „Wir haben uns lange Gedanken zu dem Thema gemacht, das wird jetzt nichts ändern“, sagt SPD-Fraktionschef Alexander Reissl. Auf der Straße seien überwiegend Pkw unterwegs, man könne also problemlos nebeneinander herfahren. „Dort fahren täglich 28 000 Autos und 1800 Radfahrer“, sagt Reissl und plädiert dafür, keine Fahrspur für einen breiteren Radweg zu opfern.

Das sieht die CSU genau so. Die Christsozialen hatten immer dafür gekämpft, dass alle vier Autospuren erhalten bleiben – so steht es schließlich auch im Kooperationspapier von CSU und SPD. „Wir hätten eigentlich eher Lob erwartet, dass wir den Radweg einrichten“, zeigt sich CSU-Fraktionschef Hans Podiuk erstaunt. Die geplanten Spuren hielten überall die gesetzliche Mindestbreite ein.

Unterstützung kommt aus dem Bezirksausschuss (BA) Haidhausen: „Zwei Autospuren an der Rosenheimer Straße sind nicht möglich“, sagt BA-Chefin Adelheid Dietz-Will (SPD). Auf den Gehwegen seien kaum Fußgänger unterwegs, die 1,50 Meter Breite für die Radler seien völlig ausreichend. Und das Problem mit den fehlenden Parkplätzen könne man vielleicht lösen, indem die Taxis künftig an der Steinstraße stehen.

Entschieden ist noch nichts. Die Verwaltung arbeitet einen Vorschlag aus, über den der Stadtrat dann abstimmt. Ob damit auch die Diskussion um den Radweg verebbt, ist eine andere Frage.

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