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Seehofer sucht passenden Ort für Gedenkstätte

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In Jesu Geburtskirche in Bethlehem entzündete Ministerpräsident Horst Seehofer gestern eine Kerze. © dpa

München - Horst Seehofer verspricht auf seiner Israel-Reise einen würdigen Ort für die Opfer des Olympia-Attentats.

Unter dem Eindruck der bewegenden Gedenkveranstaltungen zum 40. Jahrestag des Olympia-Attentats machen jetzt Spitzenpolitiker eine Idee zur Chefsache, die Stadträte der CSU bereits im Juli und der Bezirksausschuss Milbertshofen schon vor langer Zeit angeregt hatten: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) verkündete auf der Gedenkfeier in Fürstenfeldbruck sowie auf seiner Israel-Reise, in München einen würdigen Ort des Gedenkens an die Opfer des Anschlags im Jahr 1972 zu bauen.

Olympia '72: Gedenken an die Opfer

„Die Stadt wird selbstverständlich konstruktiv daran mitwirken“, erklärte Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) und entsandte das Kulturreferat in die Projektgruppe. Allerdings erstaunte ihn Seehofers Vorpreschen in Israel: „Ich bin ein Freund seriöser Arbeitsweisen und fand es deshalb überraschend, dass die Staatsregierung mit einer internationalen Ankündigung hervortritt, ohne vorherige Gespräche, ohne Standortentscheidung, Finanzierung und ohne ein Konzept für die Gedenkstätte.“

Darum soll sich nun Kultusminister Ludwig Spaenle kümmern - ihn hat Seehofer mit der Koordinierung des Projekts beauftragt. Laut Spaenle wurden schon Einladungen zu einem Runden Tisch an mögliche Partner des Projekts geschickt - an die Stadt München, den Deutschen Olympischen Sportbund sowie an die Israelitische Kultusgemeinde. Auch den Bund habe er um eine Unterstützung des Vorhabens gebeten. Innerhalb der Staatsregierung wurde eine interministerielle Arbeitsgruppe unter Spaenles Federführung eingerichtet. Der Kultusminister möchte zudem einen Expertenrat aus Historikern, Politikwissenschaftlern und israelischen Repräsentanten in das Projekt miteinbeziehen.

Aufgabe der Beteiligten ist es, einen Ort für die Gedenkstätte zu finden, der möglichst nahe an der Connollystraße 31 liegt. In dem Haus, das heute der Fraunhofer-Gesellschaft gehört, befand sich die Unterkunft der israelischen Athleten, die 1972 von palästinensischen Terroristen als Geiseln genommen wurden. Hier ermordeten die Palästinenser den Gewichtheber Josef Romano und den Ringer Mosche Weinberger. Die übrigen neun Geiseln töteten sie am Luftwaffenstützpunkt Fürstenfeldbruck.

Zudem sollen die Projektpartner ein Konzept erarbeiten. Spaenle schwebt eine Gedenkstätte vor, die den Opfern „ein Gesicht gibt und ihre Lebensgeschichten erzählt“. Außerdem sollen die historischen Hintergründe des Anschlags dargestellt werden, der als „Geburtsstunde des internationalen Terrorismus“ gelte.

Einen Zeitplan zur Umsetzung des Vorhabens gibt es noch nicht: „Wir werden so schnell wie möglich und so gründlich wie nötig vorgehen“, sagte Spaenle. „Aber wenn man sich anschaut, wie lange das NS-Dokumentationszentrum dauert, soll das nicht der Orientierungsmaßstab sein.“

Wie berichtet hatte die CSU im Stadtrat bereits im Juli einen sehr konkreten Antrag gestellt, demzufolge im leer stehenden Olympiabahnhof Oberwiesenfeld eine Dauerausstellung zum Olympia-Attentat von 1972 samt Cafeteria eingerichtet werden soll. „Wir wollten damit einen Anstoß geben, über das Thema zu sprechen“, erklärte Stadtrat Marian Offman, der auch im Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde ist. München sei nach Berlin die zweitwichtigste Stadt für die zahlreichen israelischen Touristen. „Die suchen einen Gedenkort, gehen zur Connollystraße und finden dann nur die kleine Tafel.“ CSU-Fraktionschef Josef Schmid erklärte: „Der Bahnhof Oberwiesenfeld wäre eine gute Idee, aber wenn die Arbeitsgruppe von Minister Spaenle zu einem anderen Ergebnis kommt, sind wir auch zufrieden.“ Tatsächlich hofft Spaenle, einen Ort zu finden, „der näher an der Connollystraße dran ist“.

Auch die Stadtrats-Grünen machen sich in einem Antrag für eine Gedenkstätte stark: „Vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte und dem Ausmaß des Attentats brauchen wir eine angemessene Form des Gedenkens“, sagte Florian Roth.

Seehofer beendete seine Nahostreise mit einem Besuch der Geburtskirche in Bethlehem. Auf seiner Fahrt durch Ramallah warfen palästinensische Jugendliche Steine auf seine Wagenkolonne und zeigten den Stinkefinger. In Ramallah traf Seehofer den palästinensischen Regierungschef Salam Fajad, dem er Unterstützung bei der Wiederaufnahme direkter Friedensverhandlungen mit Israel zusicherte.

Bettina Stuhlweissenburg

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