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S-Bahn-Chef: „Störungen werden uns begleiten“

München - Nur eine bessere Infrastruktur und die zweite Stammstrecke können den Verkehrsinfarkt in München verhindern - davon ist S-Bahn-Chef Bernhard Weiser überzeugt. Und erklärt, warum:

„Ohne massiven Ausbau des S-Bahn-Systems wird es im Großraum München zur Stagnation kommen.“ Das sagte S-Bahn-Chef Bernhard Weisser gestern in einer Pressekonferenz zum 40-jährigen Bestehen des Nahverkehrssystems. Das Wachstum der Region sei eng mit dem Wachstum der S-Bahn verknüpft.

Zählte die S-Bahn im Startjahr 1972 noch 220 000 Fahrgäste am Tag, waren es 2011 schon 820 000. Im Jahr 2020, so Weissers Prognose, werde die Millionengrenze erreicht – ein Erfolg, an dem die S-Bahn zu ersticken droht. Das Ringen um Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit bezeichnet Weisser als „Hase-und-Igel-Spiel“: „Immer, wenn wir einen Schritt nach vorn machen, geht in der Regel die Fahrgast-Nachfrage mit. Das heißt: Wir wachsen.“ Mit den Fahrgastzahlen wüchsen aber auch Störfaktoren, etwa die Ein- und Ausstiegszeiten oder Notarzteinsätze (s. Kasten).

Vor allem auf der Stammstrecke fährt die S-Bahn am Limit: 30 Züge pro Stunde und Richtung seien in der Eisenbahnwelt unübertroffen, so Weisser. Erneut appellierte er, die zweite Stammstrecke möglichst schnell zu verwirklichen. „Wenn ich einen Infarkt erleide, brauche ich einen Bypass, oder noch besser zwei Herzen.“ Weitere Wünsche – auf die die S-Bahn als Betriebsunternehmen keinen direkten Einfluss hat – sind der zweigleisige Ausbau auf allen Strecken und ein Ende des Mischbetriebs, bei dem sich die S-Bahn die Gleise mit Fern-und Güterverkehr teilen muss.

Das dauert. „Störungen werden uns in den nächsten zehn Jahren begleiten“, prophezeite Weisser. Doch zumindest wolle die S-Bahn damit besser umgehen.

Einige Beispiele aus einem Bündel von Maßnahmen:

Bis Ende 2014 soll ein neues Zug-Ortungssystem fertig ein, das auch bei Störfällen zuverlässige und genaue Fahrgastinformationen erlaubt.

Derzeit wird eine neue Software eingespielt, die die Zeit vom Lösen der Bremse bis zum Anfahren von drei auf 1,5 Sekunden senkt. Bei elf Stopps auf der Stammstrecke und 30 Zügen pro Stunde spart das rund acht Minuten.

Früchte trägt bereits die „örtliche Abfertigung“ durch Aufsichtspersonal in Laim, Hackerbrücke und Donnersbergerbrücke. Zeitgewinn laut Weisser: „Zehn, manchmal 15 Sekunden, das ist in der Stammstrecke eine halbe Welt.“

Ihren 40. Geburtstag feiert die S-Bahn im Sommer und Herbst 2012. Bei einer Auftaktveranstaltung am 2. Juni solle es im Hauptbahnhof einen 40-Meter-Kuchen geben, zudem wird Münchens erster S-Bahn-Zug wieder zu sehen sein. Im Herbst sollen die Fahrgäste Fotos und Geschichten aus 40 Jahren S-Bahn liefern, und zu Silvester wird es eine Sonderfahrt geben.

Peter T. Schmidt

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