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Zwei neue Wege durch die Stadt: Ob ein zweiter S-Bahn-Tunnel oder der Ausbau des Südrings die richtige Lösung ist, sollte ein Gutachten klären. Das Ergebnis lautet: Der Tunnel ist die bessere Alternative.

S-Bahn: Eklat nach Aus für den Südring

München - Im Streit um den Ausbau der S-Bahn hat sich in einer Untersuchung offenbar der zweite Tunnel gegen den Südring durchgesetzt. Der Protest der Tunnel-Gegner ist groß. Sie nennen das Gutachten bereits vor der Veröffentlichung unseriös.

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Seit Jahren wird in München über die Zukunft des S-Bahn-Netzes diskutiert. Es gilt, den Stammstreckentunnel zwischen Haupt- und Ostbahnhof zu entlasten. Die Frage ist nur: Wie? Mit einem zweiten Tunnel, der neben der alten Röhre verläuft und zwei Haltestellen am Hauptbahnhof und am Marienhof vorsieht? Oder wäre der Ausbau des Bahn-Südrings zwischen Laim und dem Ostbahnhof doch besser?

Weil sich zuletzt die Zweifel am Sinn des Tunnels mehrten – insbesondere bei CSU, FDP und Grünen im Rathaus – hatten Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) und OB Christian Ude (SPD) im Mai eine vergleichende Untersuchung in Auftrag gegeben. Die Kosten von 200 000 Euro wollten sich Stadt und Freistaat teilen. Sowohl Ude als auch Zeil befürworten den Tunnel.

Vorgestellt werden soll das Gutachten erst Mitte November. Vorab aber wurde nun bekannt, dass der Südring bei der Untersuchung wohl durchgefallen ist. Dessen Nutzen-Kosten-Faktor sei nur halb so hoch wie jener des zweiten Stammstreckentunnels, berichtet die SZ und beruft sich dabei auf einen Insider. Die wirtschaftliche Mindestanforderung fehle. Der Ausbau der oberirdischen Trasse dürfe deshalb nicht öffentlich gefördert werden.

Ursache für die Bewertung soll die dezentrale Lage der geplanten Südring-Haltestellen am Heimeranplatz, an der Poccistraße und am Kolumbusplatz sein. Zu wenige Fahrgäste wollten hierhin, heißt es.

Der Ärger im Landtag ist nun groß. „Wenn es stimmt, dass der Nutzen-Kosten-Faktor des Südrings nur halb so groß sein soll, dann muss das Gutachten getürkt sein“, sagte der CSU-Landtagsabgeordnete Markus Blume. Denn bei einer Anhörung im Stadtrat war davon die Rede, dass der Südring rund 70 Prozent des Nutzens des zweiten Tunnels stiften würde. Bei einer vergleichenden Untersuchung im Jahr 2001 war sogar von 87 Prozent die Rede. „Dabei verursacht der Ausbau des Südrings nur einen Bruchteil der Kosten“, sagte der Verkehrsplaner Martin Vieregg, der Pläne zum Südring ausgearbeitet hat. Demnach soll der Ausbaudes Südrings rund 400 Millionen Euro kosten. Die zweite Röhre war zuletzt auf 1,6 Milliarden Euro taxiert worden.

CSU kritisiert „Stimmungmache“

CSU-Politiker Blume sah auch einen methodischen Fehler in dem Gutachten. Die Bedeutung des Südrings für den Fernverkehr sei außer Acht gelassen worden, bemängelte er. Die Strecke müsse ohnehin ertüchtigt werden. Es sei, so Blume, außerdem „ein Skandal, dass das Wirtschaftsministerium versucht, durch gezielte Indiskretionen Stimmung für die zweite Stammstrecke zu machen, bevor sich der Landtag mit den Plänen auseinandersetzen kann“.

Man werde sich die Pläne sehr genau anschauen, kündigte der Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Runge an. Er wies zudem darauf hin, dass zwei der Unternehmen, die das Gutachten erstellten, auch an den Planungen für den zweiten Tunnel beteiligt waren. „Es ist klar, dass das dann dabei rauskommt. Die müssen ihre Planungen verteidigen.“

Die Rathaus-SPD forderte indes die Tunnelgegner auf, das Ergebnis zu akzeptieren. „Weitere Verzögerungen beim wichtigsten Nahverkehrsprojekt für die Stadt München und die Region wären jetzt unentschuldbar“, erklärte Fraktionschef Alexander Reissl.

Das Verkehrsministerium nahm gestern zu den Untersuchungsergebnissen nicht Stellung. „Bevor die Studie nicht endgültig abgeschlossen ist und alle belastbaren Fakten vorliegen, sind Aussagen über Ergebnisse verfrüht“, ließ Verkehrsminister Martin Zeil mitteilen. Allerdings hieß es, die Deutsche Bahn plane parallel eine Verbesserung des Lärmschutzes am Südring.

Am 16. November will das Ministerium das Gutachten nun offiziell präsentieren. Eine Woche später soll eine zweite Untersuchung veröffentlicht werden – die über eine schnellere Flughafen-Anbindung. Hier zeichnet sich ab, dass das Ministerium die Strecke der S 8 für eine Express-S-Bahn favorisiert. Eine Fernverkehrsanbindung könnte gegebenenfalls später auf der Trasse der S 1 erfolgen.

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