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Dominik Koller (46) will das Geld für seine Jahreskarte zurück.

„Dafür zahl‘ ich doch nicht!“

Fahrgast erbost: Sein drastisches Verspätungs-Protokoll

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Wer zu spät kommt, den bestraft ja bekanntlich das Leben. Aber wer bestraft eigentlich die Bahn, wenn wieder mal der Zug unpünktlich im Bahnhof einrollt?

München - Wer zu spät kommt, den bestraft ja bekanntlich das Leben. Aber wer bestraft eigentlich die Bahn, wenn wieder mal der Zug unpünktlich im Bahnhof einrollt? „Niemand“, schimpft Dominik Koller. „Dabei stiehlt die mir so gut wie jeden Tag Lebenszeit!“ Um das zu beweisen, unternahm der Neuaubinger etwas Ungewöhnliches: Er führte über Monate ein detailliertes Verspätungs-Tagebuch – fast genau 100 S-Bahn-Fahrten dokumentierte er. Ergebnis: Neun Stunden und 55 Minuten musste er warten. „Und dafür zahle ich 726 Euro im Jahr für meine IsarCard! Das geht gar nicht!“

Fast täglich fährt der Marketing-Experte von Neuaubing zu seinem Arbeitsplatz am Stachus – und am Feierabend wieder nach Hause. Manchmal geht’s tagsüber auch zu Arbeits­terminen. „Als ich merkte, dass die Verspätungen zunahmen, begann ich, sie zu notieren.“

Ende Mai 2016 war das. Gleich am ersten Tag sollte sein Zug um 7.46 Uhr am Stachus ankommen, es war aber 7.55 Uhr (siehe Tabellenbild unten). Neun Minuten verloren. Bei der Heimfahrt am Abend ist es gleich eine satte Stunde – die Stammstrecke ist wieder mal gesperrt. Aber auch Verspätungen von nur ein paar Minuten schreibt der 46-Jährige auf. „Diese kleinen Zeitspannen sind mir am wichtigsten, denn keiner macht der Bahn einen Vorwurf, wenn es wegen eines Notarzteinsatzes nicht weitergeht“, erklärt der Neuaubinger. „Aber dieses ständige Zuspätkommen um vier oder fünf Minuten – das ist deren Fehler.“

Daher will Koller nun Geld zurück. „Ich habe vergangenes Jahr 726 Euro für das Ticket bezahlt. Das war die Karte aber nicht wert!“ Er hat der MVV schon einen Brief geschrieben, seine Notizen beigelegt. Die Antwort: Man müsse den Fall erstmal prüfen. Aber für kleine Verspätungen gebe es generell keinen Schadenersatz. Eine Aussage, die Koller so richtig in Fahrt bringt. „Für eine derartig miserable Dienstleistung so viel Geld zu verlangen und dabei auch noch jedes Jahr den Preis zu erhöhen, ist absolut schamlos.“

Heuer muss Dominik Koller 741 Euro für seine Jahreskarte zahlen. Also 15 Euro mehr. 

Das sagt die Bahn

Wenn es um Verspätungen geht, hat die Bahn klare Regeln: „Herr Koller hat Anspruch auf Entschädigung, wenn eine Einzelfahrt mehr als 60 Minuten verspätet war“, erklärt S-Bahn-Sprecher Bernd Honerkamp – und fügt an: „Aufgrund des dichten Taktes der S-Bahn München dürfte das nur in den seltenen Fällen einer Großstörung vorgekommen sein, bei der vorübergehend keine Züge fahren konnten.“ Ab 60 Minuten Verspätung erhalten Fahrgäste eine Entschädigung von 25 Prozent des Fahrpreises für die einfache Fahrt, ab 120 Minuten dann 50 Prozent.

Debatte um neues Tarifsystem

Der MVV tüftelt derzeit an einem neuen Tarifsystem. Ziel: Nachvollziehbar, ausgewogen und flexibel soll es sein. Von Ende 2018 an soll die Reform greifen – sofern die Gesellschafter die Pläne bewilligen. Der Stadtrat sieht aber noch Nachbesserungsbedarf. Das wurde in der gestrigen Sitzung des Wirtschaftsausschusses deutlich. Die Details der Umstrukturierung sind nach Meinung der meisten Stadträte bisher nicht klar genug. OB Reiter: „Eine klare Berechnung über die Auswirkungen des Tarifmodells für die Fahrgäste fehlt.“ Am Ende der Reform müsse es mehr Gewinner als Verlierer geben. Vor allem dürften günstigere Einzeltarife nicht dazu führen, dass die vielen Münchner Abo-Kunden über Gebühr belastet würden. Zeitkarten-Inhaber dürften nicht die Verlierer der Reform sein. Auch eine faire Tarifgestaltung im Bereich der Senioren- und Jugendtickets war den Stadträten wichtig. Diese Fragen seien unzureichend gelöst, hieß es. Der MVV plant, dass anstelle der bisher 16 Ringe und vier Zonen acht Tarifkreise gelten sollen. Bei Einzel- und Streifenkarten wird der Preis derzeit nach Zonen abgerechnet, bei Zeitkarten nach Ringen. Im Stadtrat wurde bezweifelt, dass die Neuerung mit acht einheitlichen Tarifkreisen eine Vereinfachung darstellen soll. 

S-Bahn-Chef erklärt: So bringen wir die Münchner S-Bahn aus der Krise

Ihre S-Bahn fällt aus? Das können Sie jetzt tun

Die S-Bahn fällt aus. Wie kommen Sie jetzt zur Arbeit, zur Uni, zum Arzt? Schnelle Hilfe gibt es auf Facebook. Wir haben für jede S-Bahn-Linie eine Facebook-Gruppe gegründet, in der sich Fahrgäste selbst organisieren können: Bilden Sie Fahrgemeinschaften, wenn Ihre S-Bahn ausfällt. Organisieren Sie ein Taxi und teilen Sie sich mit mehreren die Kosten. Oder bitten Sie andere Betroffene schlicht um Hilfe - oder bieten Sie einen Platz in Ihrem Auto an. Zusammen mit anderen Pendlern sind Sie im S-Bahn-Chaos weniger allein.

Unsere wichtigsten Geschichten aus Neuaubing posten wir auch auf der Facebookseite „Mein Aubing/Lochhausen/Langwied“

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