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Tür auf, tür zu: S-Bahn-Chef Bernhard Weisser (re.) und BEG-Geschäftsführer Thomas Prechtl.

Zwischen Pasing und Ostbahnhof

S-Bahn-Türen öffnen künftig automatisch

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München - Achtung, Tür geht auf: Ab Sonntag führt die S-Bahn das „zentrale Öffnen“ ein. Das bedeutet: Zwischen Pasing und Ostbahnhof öffnen sich alle Türen künftig automatisch – ohne dass der Fahrgast einen Knopf drücken muss.

Kleine Maßnahmen, große Vorlaufzeit: Zwei Jahre lang rang S-Bahn-Chef Bernhard Weisser mit Verantwortlichen des Eisenbahnbundesamtes, des Freistaats und des Zugherstellers Bombardier um grünes Licht für das „zentrale Öffnen“. Zum Fahrplanwechsel am Sonntag ist es soweit: Die S-Bahn stellt um. An jeder Station zwischen Pasing und Ostbahnhof werden die Türen zwischen 6 und 22 Uhr zentral vom Lokführer geöffnet.

Der Fahrgast muss in München künftig also nicht mehr den Türtaster drücken. Die S-Bahn hofft, dass das neue Verfahren Zeit spart – wertvolle Zeit, denn auf der mit 30 Zügen je Stunde und Richtung dicht belegten Stammstrecke zählt jede Sekunde. „Wir suchen ja schon seit Jahren nach Sekunden, um die Pünktlichkeit zu steigern“, sagt Weisser, der am Montag am Ostbahnhof das neue Verfahren demonstriert.

Mit diesen Piktogrammen ...

Auf dem Führerstand jeder S-Bahn sind für das zentrale Öffnen zwei neue Drucktasten installiert worden: „ZL“ heißt „zentral links“, „ZR“ steht für „zentral rechts“. Die Lokführer drückt also zunächst einen Knopf für die generelle Türfreigabe und anschließend „ZR“ oder „ZL“. Das soll schneller gehen als die bisherige manuelle Türöffnung durch die Fahrgäste. Diese würden etwa durch mehrmaliges hektisches Drücken der sensiblen Tasten den Öffnungsvorgang oft eher verzögern als beschleunigen. „Wir gehen davon aus, dass mindestens eine Sekunde je Haltevorgang gewonnen wird“, sagt Weisser. Manchmal könnten auch zwei bis drei Sekunden drin sein. Das summiert sich: 15 bis 20 Minuten je Tag sollen im S-Bahn-Betrieb gewonnen werden, wenn das zentrale Öffnen reibungslos klappt. Das ist ein wertvoller Zeitgewinn für einen stabilen S-Bahn-Betrieb. 96 Prozent der S-Bahnen waren in diesem Jahr pünktlich – das heißt, sie waren weniger als sechs Minuten verspätet (ersatzlos ausgefallene Bahnen zählen allerdings nicht). Weisser hofft, dass der Pünktlichkeits-Wert nun weiter steigt. Die Aktion Münchner Fahrgäste begrüßte das neue Verfahren.

An den Außenästen kann der Lokführer zentral öffnen, muss aber nicht. Es sei an kleinen Bahnhöfen zum Beispiel energetisch problematisch, bei kalten Temperaturen und laufenden Klimaanlagen pauschal alle Türen zu öffnen, wenn nur zwei, drei Fahrgäste einsteigen.

... macht die S-Bahn auf die Türschließung aufmerksam.

Ganz banal war die Umstellung übrigens nicht. Jede S-Bahn hat an jeder Seite zwölf Türen, die 238 S-Bahnen in München zusammen also 5712. Für jede einzelne musste eine neue Software installiert werden. Das dauerte je Fahrzeug sechs bis acht Stunden. Das Eisenbahnbundesamt gab seine Zustimmung nur widerwillig, denn zentrales Öffnen ist bisher nur an wenigen S-Bahnen in Deutschland, in Frankfurt und Stuttgart etwa, eingeführt worden. Mehr Begeisterung zeigte die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die staatliche Aufsichtsbehörde, die 50 Prozent der Umstellungskosten in Höhe von beinahe einer Million Euro übernahm. Das Geld stammt aus sogenannten Pönalemitteln – Strafzahlungen, die die S-Bahn wegen Unpünktlichkeit an den Freistaat abführen musste.

BEG-Geschäftsführer Thomas Prechtl erhofft sich „Riesenvorteile“ für den Betrieb. Weniger begeistert war er über die sehr unauffälligen, nur einige Zentimeter großen Piktogramme an den Türen, mit denen die S-Bahn die Umstellung bekannt machen möchte. Da sollte doch noch mehr passieren, meinte er. Nun soll es auch noch Durchsagen geben.

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