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S-Bahn-Tunnel: Baubeginn erst 2012

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Die Münchner S-Bahn: Bekommt sie einen zweiten Tunnel? Foto: Klaus Haag
Die Münchner S-Bahn: Bekommt sie einen zweiten Tunnel? Foto: Klaus Haag

München - Der Bau des zweiten S-Bahn-Stammstreckentunnels verschiebt sich erneut. Nicht 2011, sondern erst 2012 sollen nun die Bagger anrollen. Eine Fertigstellung bis zu Olympia 2018 wird damit fast unmöglich. Kann das Vorhaben daran scheitern?

Von Matthias Kristlbauer

Im bayerischen Verkehrsministerium gibt man sich gerne optimistisch - und das schon seit Jahren. Am 18. April 2003 zum Beispiel ließ der damalige Minister Otto Wiesheu (CSU) eine Pressemitteilung versenden, die vor Zuversicht nur so strotzte. Die Finanzierung des 900 Millionen Euro teuren zweiten S-Bahn-Tunnels sei „einen wichtigen Schritt vorangekommen“, hieß es darin. Ein paar Zeilen weiter folgte der Blick in die Zukunft. „Bis zum Jahr 2010“ solle das Projekt fertiggestellt sein.

Die Realität ist eine andere. Die Kosten des neuen 7,3 Kilometer langen S-Bahn-Tunnels werden mittlerweile auf rund das Doppelte geschätzt - und noch rollen keine Züge. Sie werden das auch nicht so schnell tun. Denn abermals verschiebt sich der anvisierte Baubeginn. Während das Verkehrsministerium noch Mitte Oktober mitteilte, die Bahn sehe die ersten Bauarbeiten für 2011 vor, heißt es mittlerweile: Mit der Hauptbaumaßnahme soll 2012, also ein Jahr später, begonnen werden. Dann erst würden die Stationen am Hauptbahnhof und am Marienhof gebaut. 2011 sollten nur die Ausschreibungen hierfür beginnen und vorbereitende Maßnahmen erfolgen, etwa archäologische Grabungen am Marienhof.

Was zunächst nur wie eine weitere Verschiebung der Fertigstellung um ein Jahr anmutet, könnte das Tunnelprojekt jedoch grundsätzlich in Frage stellen, weil es unter Umständen nicht mehr zu finanzieren ist. Derzeit nämlich stützen sich die Hoffnungen von Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) darauf, dass München den Zuschlag für die Winterspiele 2018 erhält. Über ein „Sonderbudget Olympia“, so sein Ziel, solle der Bund die Millionen locker machen, die im Programm zur Regionalverkehrsförderung fehlen.

Die Frage ist aber, ob es auch dann Olympiazuschüsse gibt, wenn absehbar ist, dass der Tunnel nicht bis 2018 fertig wird. Laut Bahn soll der Bau sechseinhalb Jahre dauern. Bei einem Beginn irgendwann 2012 hieße dies, die ersten Züge könnten 2019 rollen. „Es bestätigt sich immer mehr meine Skepsis, dass eine Fertigstellung bis zu den Olympischen Spielen nicht möglich ist“, sagt der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Landtag, Erwin Huber (CSU). Der Bundestagsabgeordnete Toni Hofreiter (Grüne) geht noch einen Schritt weiter. „Der zweite Tunnel ist nicht finanzierbar“, meint er. „Es kann nicht sein, dass wir sehenden Auges in das Desaster rennen und am Ende gar nichts haben.“ Eine verantwortungsvolle Politik sehe anders aus: Man müsse nach realistischen Alternativen suchen, fordert Hofreiter.

1,65 Milliarden Euro soll der zweite S-Bahn-Tunnel kosten. Und obwohl im Kabinett schon von zwei Milliarden die Rede war, gibt man sich im Verkehrsministerium wieder einmal zuversichtlich. Eine Inbetriebnahme des S-Bahn-Tunnels bis Olympia 2018 „ist weiterhin möglich“, heißt es. Ein Bau- und Finanzierungsvertrag mit Bund und Bahn werde „noch vor Ende des Jahres“ unterzeichnet. Noch im April hieß es, man schaffe dies bis zum Sommer.

Doch die Skepsis wächst. „Wir müssen endlich beginnen, über das kurzfristig Machbare zu reden“, fordert auch der CSU-Landtagsabgeordnete Markus Blume. Dazu zähle vor allem ein Flughafen-Express und die Ertüchtigung der S-Bahn-Außenäste.

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