S-Bahn-Tunnel: Grüne und CSU kritisieren Planungen

München - Das Bayerische Verkehrsministerium wehrt sich gegen Vorwürfe von den Grünen und der CSU: Angeblich wurden bei der Zweiten Stammstrecke Vorgaben vom Stadtrat und Landtag nicht eingehalten.

In der Debatte um den Bau des zweiten S-Bahn-Stammstreckentunnels haben Grüne und CSU der Bahn Planungsdefizite vorgeworfen. Insbesondere soll der von Stadtrat und Landtag geforderte Ausbau der Sendlinger Spange, über die S-Bahnen auf den Bahn-Südring geleitet werden könnten, nicht in die Planungen aufgenommen worden sein. Zudem fürchten die Grünen, der neue Tunnel könne wegen eines schmaleren Querschnitts für Regionalzüge ungeeignet sein.

Wie berichtet, hatten Landtag und Stadtrat den Tunnel-planern der Bahn im Frühjahr dieses Jahres mit auf den Weg gegeben, auch eine Reihe von Zusatzmaßnahmen zu realisieren. Neben der Sendlinger Spange ist dies etwa der Ausbau weiterer S-Bahn-Außen-äste. Die Grünen im Stadtrat monierten nun, dass die genannten Ideen nicht umgesetzt würden - so auch nicht der Bau eines Regionalzughalts an der Poccistraße und ein weiteres Gleis für die S-Bahn am Ostbahnhof. Die DB ignoriere die Parlamente, kritisierte Grünen-Stadträtin Sabine Nallinger. „Die jetzt bekannt gewordenen Planungsdefizite müssen schleunigst behoben werden.“ Die CSU forderte OB Christian Ude (SPD) auf, er solle bei Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) die Einhaltung der Parlamentsbeschlüsse einfordern.

Offenbar hat die Bahn mittlerweile auch schmalere Tunnelquerschnitte vorgesehen als zunächst geplant. „Diese Planungsänderung wird die Nutzung für den Regionalverkehr erschweren, da keine keine Doppelstockwaggons eingesetzt werden könnten“, kritisierten die Grünen. Die Partei hatte ihre Zustimmung zur zweiten Röhre maßgeblich davon abhängig gemacht, dass der zweite S-Bahn-Tunnel auch Regionalzüge aufnehmen kann, um seine Auslastung zu steigern. Denn das geplante Betriebssystem für die alte und die neue Röhre beinhaltet nur unwesentlich mehr Verkehr: Rollen bisher 30 Züge pro Stunde und Richtung durch den alten Tunnel, sollen es künftig insgesamt 33 Züge in beiden Röhren sein. Bei geschätzten Kosten von heute 1,6 Milliarden Euro sei dies nur „ein geringer verkehrlicher Mehrwert“, so die Grünen.

Das Verkehrsministerium warf den Grünen vor, ihre Vorwürfe zu angeblich erkannten Planungsdefiziten entbehrten jeder Grundlage. Es dränge sich der Eindruck auf, „dass die Stadtratsfraktion der Grünen das von der Staatsregierung und der Landeshauptstadt München beschlossene Bahnknoten-Konzept nicht verstanden hat“. Doppelstockfahrzeuge könnten kein Bewertungsmaßstab sein, da sie „für einen schnellen Fahrgastwechsel ungeeignet sind“. Für die Sendlinger Spange gebe es separate Planungen, ein weiteres Gleis am Ostbahnhof sei nicht erforderlich. Der Ausbau der Außenäste sei zudem Teil des Bahnknoten-Konzepts.

Matthias Kristlbauer

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