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S-Bahn-Tunnel setzt sich durch

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München - Der zweite S-Bahn-Tunnel hat sich nach 2001 abermals in einer vergleichenden Untersuchung gegen den Bahn-Südring durchgesetzt. Doch ist die Röhre tatsächlich die bessere Lösung? Die Gegner haben weiter Zweifel.

Von Matthias Kristlbauer

Tunnel oder Südring? Die Diskussion über die wichtigste Frage des Münchner Nahverkehrs dauert nun schon Jahre. Zwar hatten sich Stadt, Freistaat und Bahn bereits 2001 für den Bau einer zweiten unterirdischen Stammstrecke zwischen Haupt- und Ostbahnhof ausgesprochen, von einem ersten Spatenstich sind die Verantwortlichen aber weit entfernt. Mal legten sich die Bürger in Haidhausen quer, dann bremste der Bundesrechnungshof das Vorhaben, das zwischenzeitlich auf 1,85 Milliarden Euro geschätzt wurde.

Damit nicht genug. Zuletzt äußerten auch Grüne, FDP und sogar die CSU im Rathaus immer deutlicher ihre Kritik. Am Ende wurde auch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) skeptisch. Um die Zweifel an dem 7,3 Kilometer langen Tunnel in 40 Metern Tiefe zu beseitigen, sprachen sich Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) und OB Christian Ude (SPD) im Mai für eine vergleichende Untersuchung mit dem Südring aus. An dieser wirkten auch Firmen mit, die bereits an den Tunnelplanungen beteiligt waren.

Dass die zweite Stammstrecke in der Studie besser abgeschnitten hatte als der Südring, war bereits vor vier Wochen bekannt geworden (wir berichteten). Gestern legten die Tunnel-Freunde nach. „Die Untersuchung zeigt, dass der zweite S-Bahn-Tunnel alternativlos ist“, sagte Zeil. Der Südring sei keinesfalls gleichwertig. Das Gutachten habe diesem lediglich einen Nutzen-Kosten-Faktor von 0,8 attestiert. Der Südring könne damit gar nicht mit öffentlichen Mitteln gefördert werden.

Die Untersuchung hatte sich vor allem dem Südring gewidmet. Das Münchner Verkehrsplanungsbüro Vieregg-Rößler war bisher von Baukosten in Höhe von 446 Millionen Euro ausgegangen. Die Gutachter machten eine andere Rechnung auf: Sie kalkulierten, dass der viergleisige Ausbau des Südrings mit Haltestellen am Heimeranplatz, an der Poccistraße und am Kolumbusplatz 1,36 Milliarden Euro kosten würde – also mehr als das Dreifache. „Der Südring-Ausbau ist kein Schnäppchen“, betonte Zeil. Der zweite Tunnel hingegen wurde in dem Gutachten abermals günstiger. Statt der zuletzt geschätzten 1,64 Milliarden Euro ist nun nur noch von 1,52 Milliarden die Rede. „Wir dürfen nun keine Zeit vertrödeln“, sagte Ude. Der Tunnel solle bis 2018, dem Jahr der möglichen Olympischen Winterspiele, fertig sein.

Der Protest der Gegner aber hält an. „Stimmen die Berechnungen für den Südring, wäre er die teuerste Bahnstrecke der Welt“, spottete der Landtagsabgeordnete Martin Runge (Grüne). „Der Verdacht, dass der Südring mit Tricks künstlich teuer gerechnet wurde, steht im Raum“, wetterte Grünen-Stadträtin Sabine Nallinger und ging damit auf Konfrontationskurs zur SPD. Denn der Koalitionspartner steht weiter fest zum Tunnel. „Nun sollte auch den hartgesottensten Tunnelgegnern klar geworden sein, dass der zweite Stammstreckentunnel alternativlos ist“, sagte SPD-Fraktionschef Alexander Reissl. Die CSU solle jetzt ein weiteres „Kasperltheater“ unterlassen.

Eine Entscheidung über die Zukunft des Nahverkehrs ist mit dem Gutachten jedoch keineswegs gefallen. Sowohl Stadtrat und Landtag werden noch darüber entscheiden. „Da sind noch viele kritische Fragen zu stellen“, betonte der Chef der Rathaus-FDP, Michael Mattar. Er glaube nicht, dass das Thema – wie von Ude gewünscht – schon am 16. Dezember im Stadtrat behandelt werden könne.

Auch die CSU bleibt skeptisch. Man wolle genau wissen, welche Kosten beim Südring mit eingerechnet wurden und was dort ohnehin saniert werden müsste, erklärte der Münchner CSU-Vorsitzende Otmar Bernhard. Im Landtag sei dazu im Januar eine Anhörung geplant, bei der man auch andere Gutachter zu Wort kommen lassen wolle.

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