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Erleichtert, dass der Staatsstreich misslungen ist: Agbas Yusuf.

"Es gibt keine Gewinner"

Das sagen Münchner Türken zum gescheiterten Putschversuch

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    Stefanie Wegele
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München - Wie beurteilen die Münchner Türken den vereitelten Staatsstreich in der Türkei? Wir haben uns im Bahnhofsviertel umgehört. 

Sonntagmittag im Bahnhofsviertel. Agbas Yusuf (51) steht im Pascha-Imbiss an der Goethestraße und bereitet gerade einen Döner zu. Ob er kurz Zeit zu reden hat? „Natürlich.“ Yusuf ist im Osten der Türkei geboren, vor 18 Jahren kam er nach München. Bis zum frühen Samstagmorgen saß er vor dem Fernseher und verfolgte die Nachrichten aus der Türkei. 

Yusuf ist erleichtert, dass der Staatsstreich misslungen ist. Dies, obwohl er Kurde ist und die Regierung ablehnt. Präsident Erdogan hält Yusuf für einen „Diktator“ vom Schlage Saddam Husseins, der die Kurden unterdrücke. Trotzdem hat er sich nicht gefreut über den Versuch des Militärs, die Regierung abzusetzen. „Wir wollen Freiheit für die Kurden. Aber auf demokratischem Weg, nicht militärisch“, sagt Yusuf. 

Vor 18 Jahren kam er nach Deutschland, viele seiner Verwandten leben noch in der alten Heimat. Über Politik spricht Yusuf lieber daheim, nicht mit den Gästen im Imbiss. „Im Bahnhofsviertel sollte man das als Kurde vermeiden.“ Damit hat er vermutlich recht, denn Kritik an Erdogan hört man am Sonntag im Bahnhofsviertel keine. Im Gegenteil sind die meisten Türken und Deutsch-Türken Anhänger des AKP-Politikers. So auch Blumenhändler Ahmet Elbasi und seine Mitarbeiterin Mariana Aneliera Asenova.

Sonntag ist Putztag. Elbasi bindet einen Strauß, Asenova schwingt den Wischmob. Die beiden haben wenig geschlafen in der Nacht auf Samstag, „bis 2 Uhr saß ich vor dem Fernseher und habe Nachrichten gesehen“, erzählt Elbasi. Die Bilder haben ihn auch wegen der Verwandten und Freunde daheim schockiert. „Wenn das Militär kommt, ist es immer scheiße“, sagt Elbasi. 

Der Putsch sei für ihn völlig überraschend gewesen, nichts habe darauf hingedeutet, dass sich die Generäle erheben könnten. Der muntere Blumenhändler und seine Kollegin sind überzeugt, dass die Gülen-Bewegung hinter dem Staatsstreich steht. Dies ist auch die offizielle türkische Regierungslinie. „Der Terror ist von Gülen eingefädelt“, ist Elbasi überzeugt. Mariana Aneliera Asenova und ihr Chef sind froh, dass Präsident Erdogan wieder die Kontrolle über die Türkei zurückerlangt hat. „Er arbeitet sehr hart für das Land und hat schon viel erreicht“, schwärmt Elbasi.

Kam mit seiner Familie nach dem Militärputsch 1980 zurück nach Deutschland: Zafer Akdere.

Zafer Akdere, in München geboren und aufgewachsen, verfolgte den Putschversuch mit Sorge. Seine Familie und er lebten während des Militärputsches im Jahr 1980 in der Türkei. Kurz danach ist sie aufgrund dessen wieder zurück nach Deutschland gekommen. „Gewinner gibt es nicht bei so einem Putschversuch“, sagt er. „Meine Mutter lebt in Istanbul. Sie hat zu dem Zeitpunkt geschlafen“, erzählt der 46-jährige Qualitätsmanager bei MAN. Auch seine Geschwister waren am Freitag mit ihren Kindern in der Türkei. Er habe sofort mit seinen Angehörigen telefoniert, ihnen geraten, nicht nach draußen zu gehen. Dann habe er stundenlang die Nachrichten im deutschen und türkischen Fernsehen verfolgt.

Akdere beurteilt das, was in der Nacht auf Samstag passiert ist, als „auch für den Westen vorzeigbare Demokratie“. Die Menschen, die Erdogan gewählt haben, hatte er hinter sich. Der Putschversuch konnte im Keim erstickt werden. „Die Menschen haben sich sogar vor Panzer gestellt.“ Der 46-Jährige ist sich sicher, dass nun das ganze türkische Volk unter den Folgen des Putschversuchs zu leiden hat.

Die aktuellen Entwicklungen aus der Türkei gibt es hier im Live-Ticker

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