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Deutsches Museum: 300-Millionen-Euro-Loch bei Sanierung

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Von: Christian Deutschländer

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Das Deutsche Museum hat eine teure Sanierung vor sich © Marcus Schlaf

Die Sanierung des Deutschen Museums bleibt offenbar Stückwerk. Inzwischen werden Kosten von 700 Millionen Euro gehandelt, mit denen sich aber nur ein kleiner Teil der Pläne realisieren lässt. Die Geduld der Politik schwindet.

Bei der Sanierung des Deutschen Museums tut sich ein Riesen-Finanzloch von hunderten Millionen Euro auf. Nach Angaben aus CSU-Kreisen wird inzwischen mit mindestens 700 Millionen Euro selbst für eine Rumpf-Sanierung kalkuliert. Das gehe aus einer ersten einigermaßen belastbaren Schätzung der Obersten Baubehörde und externen Fachleuten hervor, berichten Beteiligte. Die bisher als Grundlage genommene Schätzung von 400 Millionen Euro war grob falsch.

In der Politik, die mit erheblicher Mühe die bisherige Summe zu gleichen Teilen bei Bund und Land zusammengesammelt hatte, gibt es großen Unmut. Seit Dezember ist öffentlich bekannt, dass die 400 Millionen, 2008 von der Unternehmensberatung McKinsey ermittelt, bei weitem nicht reichen. Wie grob sich die Museums-Spitze blenden ließ, zeichnet sich jetzt ab. Selbst für 700 Millionen Euro ließe sich nur eine Grundsanierung im Sammlungsbau bezahlen, keine Verbesserung in Hof, Forum, Bibliothek, auch kein Cent für den Kongresssaal.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte diese Woche öffentlich orakelt, der Saal werde „auf viele Jahre leerstehen“ – eine besondere Ironie in der tobenden Konzertsaal-Debatte. Heute Vormittag macht sich der Wissenschaftsausschuss ein Bild der Lage und läuft zum Ortstermin in Deutschlands meistbesuchtem Museum auf. Die Stimmung wird gedrückt sein. „Wir sind verärgert und frustriert“, sagt ein maßgeblicher Abgeordneter. Auch bei Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) ist Groll über die (Fehl-)Planungen durchzuhören. Erst auf dringende Aufforderung seines Hauses, das die Rechtsaufsicht führt, hatte das 1925 eröffnete Museum vor kurzem ein professionelles Controlling dazugeholt. „Es ist dringend angezeigt, dass man zu Stuhle kommt mit dem, was machbar ist“, sagt Spaenle knapp, das müsse zügig gehen.

Weiter will er sich vor der Ausschusssitzung nicht äußern. In der CSU wird allerdings berichtet, dass sich der Unmut gerade auf Museums-Chef Wolfgang Heckl richtet. Auf ihn und seine Gremien ist Seehofer ohnehin sehr schlecht zu sprechen, weil er sich in der Konzertsaal-Debatte alleingelassen fühlt. Heckl solle sich heute jedes Wort sehr gut überlegen, heißt es. Unmittelbar abgelöst werden kann er von der Politik aber nicht.

Heckl hat im Dezember versprochen, für mehr Spenden zu werben; bisher waren 40 Millionen eingesammelt. Dass das Museum kurzfristig frische Staats-Millionen bekommt, gilt aber als unrealistisch. Ohnehin will die Staatsregierung derzeit Milliarden nach München lenken: Seehofer spricht von einer Milliarde für das Klinikum Großhadern, die zweite S-Bahn-Stammstrecke wird inzwischen auf drei Milliarden taxiert, die Gasteig-Sanierung dürfte auch 200 bis 300 Millionen kosten. Die Schmerzgrenze der Abgeordneten aus anderen Landesteilen ist in Sicht.

Christian Deutschländer

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