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Tunnel-Gegner in Haidhausen

„Wir werden uns mit Händen und Füßen wehren!“

München - Kaum ist bekannt, dass die Finanzierung für die zweite Stammstrecke steht, machen die Gegner des Vorhabens erneut mobil.

„Wir werden uns mit Händen und Füßen wehren“, droht Christian Horn, Vorsitzender der Interessensgemeinschaft der Gewerbetreibenden Haidhausens. „Wir sind richtig sauer, vor allem auf Herrn Zeil!“ Denn der bayerische Wirtschaftsminister habe vor der Wahl versprochen, die zweite Stammstrecke komme nicht.

„Für uns ist das eine Katastrophe, da gehen Existenzen drauf“, klagt Horn, der sich noch an den U-Bahn-Bau im Zuge der Olympischen Sommerspiele 1972 erinnert: „Mein Vater musste sein Kaufhaus Horn am Orleansplatz damals verkaufen, weil der Umsatz so gelitten hat.“ Auch der Tunnelbau für die zweite Stammstrecke würde zahlreiche Baustellen vor den Haidhauser Geschäften bedeuten. „Da kommt doch keiner mehr zum Einkaufen, die Kunden finden doch noch nicht mal einen Parkplatz!“

Horn, Inhaber der Immobilenverwaltung Horn am Haidhauser Orleansplatz, plant Demonstrationen gegen den Bau der zweiten Stammstrecke. Viele Gegenmaßnahmen seien denkbar, „wir können uns auch ein Bürgerbegehren vorstellen.“

Bei der Vorsitzenden der Bürgerinitiative Haidhausen, Ingeborg Michelfeit, schrillen die Alarmglocken noch nicht ganz so laut: „Der Konjunktiv in der Berichterstattung zur zweiten Stammstrecke lässt mich hoffen, dass es gar nicht so weit kommt – und die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Michelfeit stützt ihre Zuversicht darauf, dass es noch keine Planfeststellung und keine Baugenehmigung gebe. Sollte ihre Hoffnung enttäuscht werden, „wäre das aber der absolute Gau“. Die Beeinträchtigung durch die Bauarbeiten und die lange Dauer der Bauzeit seien für die Bewohner des Viertels nicht hinnehmbar.

Zudem, sagt Michelfeit, bringe der zweite Tunnel – wenn überhaupt – erst sehr spät Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr: „Es wird sich zehn Jahre lang gar nichts tun.“ Um einen besseren Service und eine größere Betriebsstabilität des Verkehrsnetzes zu erreichen, seien andere Maßnahmen nötig. So fordert Michelfeit zum Beispiel eine Optimierung der Knotenbahnhöfe und Ausweichgleise auf den einspurigen Strecken der S1, S2 und S7. Außerdem 30 neue Züge, die Einführung eines Zehn-Minuten-Takts auf allen Linien der S-Bahn und mehr Direktverbindungen zu Zielen außerhalb der City.

Dass ihre Initiative ein Bürgerbegehren auf den Weg bringt, sei unter Vorbehalt denkbar: „Das muss gut überlegt und vorbereitet sein.“ Sollte von anderer Seite ein Bürgerentscheid herbeigeführt werden, „würden wir den unterstützen“.

Bettina Stuhlweissenburg

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