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Auf der Landshuter Allee gilt seit Sommer Tempo 50. Mit der Geschwindigkeitsreduzierung will die Stadt die Stickstoffdioxid-Emissionen verringern.

Wird die Umweltzone ausgeweitet?

Schadstoff-Belastung in München: Die Luft bleibt dick

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München - Die Stickstoffdioxid-Grenzwerte sind in München auch 2015 wieder mehrfach überschritten worden. Die Deutsche Umwelthilfe prozessiert deswegen gegen den Freistaat. Die Stadt selbst hat einen neuen Luftreinhalteplan beschlossen. Der könnte weitere Geschwindigkeitsreduzierungen bedeuten – und die Ausweitung der Umweltzone.

Die Landshuter Allee ist mit etwa 130.000 Fahrzeugen täglich eine der meistbefahrenen innerstädtischen Straßen Europas – und eine mit der größten Schadstoffbelastung. Kinderärzte raten davon ab, dort mit dem Nachwuchs spazieren zu gehen, derart verpestet ist die Atemluft. Nur wenig besser ist die Situation am Stachus, wo ebenfalls eine Messanlage steht. 2004 verabschiedete die Stadt erstmals einen Luftreinhalteplan mit dem Ziel, die teils extremen Belastungen zu reduzieren. Es folgte die Einführung einer Umweltzone, ein Durchfahrtsverbot für Schwerlastverkehr sowie weitere kleinere Aktionen. Die Maßnahmen brachten Verbesserungen. So gelang es, die Feinstaubbelastung in München unter den Grenzwert zu drücken. Beim Stickstoffdioxid (NO2) dagegen tritt die Stadt auf der Stelle, die Werte haben sich trotz der ergriffenen Maßnahmen kaum verbessert.

An der Messstation Landshuter Allee wurde im vergangenen Jahr der Jahresmittelgrenzwert um mehr als das Doppelte überschritten, wenig besser waren die Werte am Stachus. Das bayerische Umweltministerium geht davon aus, dass eine Einhaltung des NO2-Immissionsgrenzwertes erst nach 2030 möglich ist, am Stachus ab dem Jahr 2025. Um heute die Grenzwerte einzuhalten, müsste die Verkehrsmenge an der Landshuter Allee um 84 Prozent reduziert werden. Seit Jahren prozessiert deshalb die Deutsche Umwelthilfe gegen den Freistaat, der die Grenzwerteinhaltung gegenüber der Stadt durchsetzen müsste, dies aber nicht tut. Die Deutsche Umwelthilfe fordert von Stadt und Freistaat, endlich Maßnahmen zur Einhaltung der Grenzwerte zu ergreifen.

Tatsächlich hat der Stadtrat im vergangenen Jahr ein neues Paket an Vorschlägen gebilligt, mit denen sich die Luftqualität verbessern ließe. Festgehalten sind diese Maßnahmen in der sechsten Fortschreibung des Luftreinhalteplans, die seit Dezember gilt.

Angedacht ist zum Beispiel die Verschärfung der Anforderungen zur Einfahrt in die Umweltzone durch die Einführung einer neuen Plakette und die Erweiterung der Umweltzone auf das Gebiet innerhalb des A 99-Autobahnrings. Diese Maßnahme würde sich vor allem gegen Diesel-Fahrzeuge richten, denn diese sind hauptsächlich für die hohen Stickstoffdioxid-Werte verantwortlich. In der Landshuter Allee werden 75 Prozent der lokalen NO2-Emissionen des Kfz-Verkehrs durch Diesel-Pkw verursacht.

Bei den Behörden rechnete man noch vor Jahren damit, dass sich die Werte verbessern würden, denn die Europäische Union verschärfte nach und nach die Abgasgrenzwerte für Pkw. Inzwischen erfüllen die neuen Diesel die Euro-6-Norm. Der Haken: Die Motoren sind nur auf dem Papier emissionsarm. Nach einer Studie des „International Council on Clean Transportation“ liegen die realen durchschnittlichen Stickoxid-Emissionen der untersuchten Diesel-Pkw siebenfach über dem Euro-6-Grenzwert. Die Münchner Umweltreferentin Stephanie Jacobs (parteilos) sieht deshalb die Automobilindustrie in der Pflicht. „Wir brauchen eine strikte Einhaltung der Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen. Die Automobilindustrie muss endlich ihre Fahrzeuge im Echtbetrieb sauber machen.“ Für Jacobs ist vor allem die Elektromobilität ein Schlüssel zur Emissions-Reduzierung. Die Stadt will demnächst ein millionenschweres Förderprogramm auflegen.

Zur Reduzierung der Schadstoff-Emissionen in München erwägt die Stadt auch weitere Geschwindigkeitsreduzierungen auf den Hauptstraßen, so wie auf der Landshuter Allee. Dort gilt seit Sommer Tempo 50. Man erhofft sich dadurch eine Verflüssigung des Verkehrs und damit weniger Abgase. Ob die Maßnahme tatsächlich etwas gebracht hat, ist fraglich. Denn beim Stickstoffdioxid registrierte die Messanlage sogar geringfügig mehr Überschreitungen als noch 2014.

Das bayerische Umweltministerium hält sich mit einem Urteil zurück. „Um den Effekt des Tempolimits erkennen zu können, ist eine detailliertere Auswertung der Messdaten erforderlich, die auch die Meteorologie, vor allem die Windrichtung, berücksichtigt“, so eine Sprecherin. „Dies wird noch etwas Zeit benötigen.“ Welche der Maßnahmen des neuen Luftreinhalteplans erfolgversprechend sind, wird das Landesamt für Umwelt heuer in einem Gutachten klären lassen.

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