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Die Vortänzer der Schäfflergruppe: Alexander Meier (l.) und Christian Baumann geben den Takt vor.

Traditionsverein feiert 500-jähriges Bestehen

Jubiläum: Hoch das Bein beim Schäfflertanz

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Eigentlich wäre der Schäfflertanz erst wieder 2019 aufgeführt worden. Dieses Jahr machen die Schäffler eine Ausnahme: Sie feiern ihr 500-jähriges Bestehen. Ein Besuch bei der Tanzprobe.

München - Christian Baumann lächelt. Er steht konzentriert auf einem Bein, das andere winkelt er in der Luft ab. In der linken Hand ein weiß-blaues Fähnchen, in der rechten einen Bogen. Baumann, 51, ist zweiter Vortänzer und zweiter Vorsitzender beim Fachverein der Schäffler. Die Schäffler proben für ihren außerplanmäßigen Auftritt für Landesvater Horst Seehofer (CSU). Eigentlich wäre die nächste Saison erst wieder 2019 gewesen. Doch zum 500-jährigen Bestehen machen die Schäffler eine Ausnahme und tanzen vom 21. Februar an eine Woche lang an 25 Plätzen.

Wir gehen zurück ins Jahr 1517, das in München ein schlimmes Pestjahr gewesen sein soll. Ein Fassmacher, ein Schäffler, wollte die Leute mit einem Tanz aufheitern, geboren war der Schäfflertanz. So die Legende. Aber: Zahlen belegen, dass es in München im Jahr 1517 keine erhöhte Sterberate gab. Erstmals dokumentiert ist der Schäfflertanz im Jahr 1702. Trotzdem erzählt jede Tanzfigur eine Geschichte zur Pest.

Probe im Wirtshaus am Bavariapark

Donnerstagabend im Wirtshaus am Bavariapark: Ausgehend von einem Kreis nähern sich 20 Männer im Takt der Musik einander an. In der Mitte treffen sie sich und bilden eine kompakte Einheit. Oben thronen die Bögen. Baumann steht vorne rechts und gibt gemeinsam mit seinem Vortänzer-Kollegen Alexander Meier den Befehl, die sogenannte Laube wieder aufzulösen.

Die Musik-Kapelle kommt aus Dachau.

Baumann ist seit 1982 im Verein, sein Bruder brachte ihn dorthin. Sein Großvater war Schäffler und tanzte auch im Verein. Baumann fährt in München Bus. In einer normalen Saison opfert er seinen Jahresurlaub. „Es ist wichtig, dass man alte Bräuche erhält und weitergibt“, sagt Baumann, der auch bayerische Volkstänze lehrt.

Sechs Monate in einer regulären Tanzsaison

Vor einer regulären Tanzsaison üben die Schäffler von Oktober bis Dezember. Die Auftritte finden zwischen Januar und Fasching statt. „Wir trainieren im Freien, um den Körper daran zu gewöhnen“, sagt Baumann. Auch bei Regen, Schnee und Wind wollen sie „einen perfekten Tanz hinlegen.“

Insgesamt besteht der Schäfflertanz aus sieben Figuren: Schlange, Laube, Kreuz, vier kleine Kreise, Changieren und Reifenschwung. Dazwischen formieren sich die zwanzig Männer mit dem sogenannten Schleifschritt im Kreis.

Ein Jahr lang müssen Neulinge dabei sein, ehe sie aufgenommen werden. Der reguläre Schäfflertanz findet alle sieben Jahre statt. Warum das so ist, ist unklar. Es gibt mehrere Vermutungen. So gilt die Zahl sieben in der Mythologie als Glückszahl. Eine andere These ist, dass Herzog Wilhelm IV. den Schäfflern das Recht gab, ihren Tanz alle sieben Jahre aufzuführen.

Urgroßvater war schon bei den Schäfflern

„Wir eröffnen jede Saison auf dem Marienplatz“, erzählt Baumann. „Jedes Mal läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken, wenn ich die Massen sehe.“ Tänzerkollege und Reifenschwinger Stefan Schiedermeier, 44, fügt hinzu: „Wenn wir am Odeonsplatz vor der Theatinerkirche stehen, spüre ich, dass ich hier daheim bin.“ Auch er hat eine Schäffler-Geschichte: „Mein Urgroßvater hat 1914 und 1921 bei den Schäfflern getanzt.“

Christian Baumann bekommt Schnaps vom „Kasperl“ Christian Arbinger.

Damals Pest, heute Terrorgefahr: Wie ihre Vorfahren wollen Baumann und seine Gruppe in schwierigen Zeiten aufheitern. „Wir sind keine Heilsbringer, aber wir können den Leuten Mut geben“, sagt er. „Wir zeigen: Habt keine Angst, mia san do.“

Wann die Schäffler in München tanzen

21. Februar: 14 Uhr, Bayerische Staatskanzlei

23. Februar: 14 Uhr, Stachus; 15 Uhr, Rindermarkt; 15.45 Uhr, Viktualienmarkt

24. Februar: 14 Uhr, Sendlinger Tor; 15 Uhr, Münchner Freiheit

25. Februar: 12 Uhr, Marienplatz

26. Februar: 14 Uhr, Pariser Platz

27. Februar: 12 Uhr, Mariahilfplatz

28. Februar: 12 Uhr, PEP; 13.30 Uhr, Riem Arcaden

Die Uniform

Dazu gehört eine Schlegelkappe aus Samt mit weiß-blauer Feder. Die Jacke ist aus Loden, die Hose aus Mischgewebe. Die Strümpfe sind aus Wolle und reichen über die Knie. Haferlschuhe mit Barockschnallen sowie weiße Handschuhe runden das Gewand ab. Einzigartig sind die Pestschleife am Kragen, das Pestband am Bauch, der Lederschurz und die Schärpe (ebenfalls Leder) mit bayerischem Wappen und Zunftwappen. Eine Garnitur kostet 2500 Euro, bezahlt vom Verein. 

Die Leute

Aktuell gibt es rund 100 Vereinsmitglieder. Die 39 aktiven Tänzer sind zwischen 22 und 58 Jahre und von Beruf etwa Busfahrer, Lokführer oder Kfz-Mechatroniker. Wer mitmachen will, bewirbt sich und übt ein Jahr mit (Infos im Netz bei schaefflertanz.com). Passt es, ist der Bewerber dabei. Bedingung: männlich. 

Die Geschichte

Die Schäffler sollen erstmals 1517 getanzt haben. Historisch belegt ist das nicht. Die Legende besagt, dass in diesem Pestjahr ein Schäffler die Leute aufheitern wollte, statt mit ihnen zu jammern und klagen. In den Dokumenten findet man den Tanz erstmals 1702. Ebenso unklar ist, warum die Schäffler nur alle sieben Jahre tanzen. Einige Vermutungen: die Sieben als Glückszahl – oder die Erlaubnis Herzog Wilhelms IV., nur alle sieben Jahre aufzutreten. 

Die Figuren

Zum Tanz der Schäffler gehören sieben Figuren. Es beginnt mit der Schlange, dann folgen die Laube, das Kreuz, die Krone und vier Kreise. Nach dem Changieren kommt das Reifenschwingen, wobei ein Schäffler auf dem Fass eine Rede hält. Jede Figur hat eine exakte Schrittfolge – dazwischen geht es immer in die Grundformation. Die Schäffler halten Buchsbögen als Symbol der Hoffnung. Sie gehen im Schleifschritt, heben die Beine abwechselnd hoch.

Die Laube funktionierte bei der Probe einwandfrei.

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