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„Nach diesem Votum ändert sich nichts:“ Die Pläne für eine Verlagerung des Schlachthofs sind vom Tisch.

Nach Bürgerentscheid

Ende der Schlachthof-Gerüchteküche

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Im Schlachthof kehrt wieder Ruhe ein. Mögliche Gedankenspiele einer Verlagerung an den Stadtrand sind nach dem Bürgerentscheid in Aschheim erst einmal vom Tisch. Die Stadt freut das.

Das Votum war eindeutig: 87 Prozent der Aschheimer lehnten am Sonntag die Ansiedlung eines Schlachthofs ab. Münchner Fleischereibetriebe hatten Interesse bekundet, dorthin umzusiedeln, sollte das Projekt befürwortet werden. Überraschend kam das negative Votum nicht. Auch in München war dieser Ausgang erwartet worden. Allein mit dem hohen Grad der Ablehnung hatte wohl niemand gerechnet.

Münchens Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD) kommentierte am Montag: „Damit sind nun endgültig die Gerüchte vom Tisch, die Metzger des Schlachthofs hätten vor, nach Aschheim abzuwandern.“ Das Kommunalreferat hatte die Rinder- und Schweineschlachtung vor 15 Jahren privatisiert. Das Areal gehört nach wie vor der Stadt. Wie unsere Zeitung berichtete, haben die Schlachtbetriebe Erbpachtverträge, die bis in die 2020er-Jahre, teils sogar bis in die 40er-Jahre laufen. Markwardt: „Kein einziger Schlachtbetrieb hat sich bisher an uns gewandt, um seinen Erbpachtvertrag vorzeitig zu kündigen. Ganz im Gegenteil: Einige Betriebe haben bereits wegen einer Verlängerung nachgefragt.“ Offensichtlich seien die Betriebe mit dem Standort an der Zenettistraße im Herzen Münchens sehr zufrieden, erklärte der Kommunalreferent.

Ungeachtet dessen hatten Großhändler wie die Münchner Schlachthof Betriebs GmbH Interesse gezeigt, an die Peripherie der Stadt umzuziehen. Firmenchef Ludwig Attenberger begründete dies unter anderem mit den Wohnbauplänen für das benachbarte Viehhofgelände, weshalb künftig mehr Beschwerden zu erwarten seien. Auch zum Wohle der Tiere wäre das Gelände in Aschheim mit naher Autobahnanschlussstelle vorteilhafter, da die Anlieferung der Tiere stressfreier ablaufen würde, sagte Attenberger. Der Unternehmer hatte zugleich erklärt: „Das Vertragsverhältnis mit der Landeshauptstadt wird stets positiv von beiden Seiten gelebt.“ Am Montag erklärte er: „Für uns Schlachtbetriebe ändert sich nach diesem Votum nichts. Wir haben langfristige Verträge und fühlen uns in München gut aufgehoben.“ Nur für den Fall, dass die Aschheimer sich für die Ansiedlung des Schlachthofs ausgesprochen hätten, wäre eine neue Situation entstanden. „Dann hätte man überlegen können.“

Für Andreas Gassner, alteingesessener Münchner Metzger und seit 20 Jahren am Viehhof beheimatet, war das Ergebnis des Bürgerentscheids in Aschheim keine Überraschung: „Ich habe das erwartet.“ Die Stimmung im Viertel und bei den Betrieben sei positiv – und das sei sie auch vor dem Bürgerentscheid gewesen. „Das Ganze war mehr ein Thema für die Medien“, so Gassner. Die Gedankenspiele Attenbergers über eine mögliche Verlagerung habe er aus dessen Sicht aber nachvollziehen können.

In München werden derzeit pro Woche etwa 1200 bis 1500 Rinder und 5000 bis 7000 Schweine geschlachtet. Bei dem Schlachthof-Projekt des nordrhein-westfälischen Investors Opus Munich Gmbh & Co. in Aschheim wären es wöchentlich ebenfalls maximal 7000 Schweine und 1500 Rinder an fünf Betriebstagen gewesen.

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