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Schläger Serkan A. kämpft gegen Abschiebung

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Eine Videokamera dokumentierte im Dezember 2007, wie die Schläger Serkan A. und Spyridon L.  auf ihr am Boden liegendes Opfer eintraten.

München - Das Kreisverwaltungsreferat kennt kein Pardon: Serkan A., einer der beiden U-Bahn-Schläger vom Arabellapark, soll München nach seinem Zwangsaufenthalt hinter Gittern sofort verlassen. Der 24-Jährige zieht dagegen vor Gericht.

Es war eine Tat, die München erschütterte. Am Abend des 20. Dezember 2007 schlugen Serkan A. (damals 20) und Spyridon L. (17) den Rentner Bruno N. im Zwischengeschoss der U-Bahnstation Arabellapark zusammen. Der Grund: Bruno N. hatte die beiden auf das Rauchverbot in der U-Bahn hingewiesen. Die Tat - dokumentiert von einer Videokamera - löste hitzige politische Debatten aus. Später wurde Serkan zu zwölf Jahren verurteilt, Spyridon bekam achteinhalb Jahre Jugendstrafe.

Obwohl der 24-jährige Türke Serkan wegen versuchten Mordes noch viele Jahre im Knast sitzen muss, bereitet die Ausländerbehörde schon jetzt seine Ausweisung vor. „Wir wollen, dass seine Ausweisung rechtskräftig ist, wenn seine Haftentlassung ansteht“, sagt Claudia Vollmer, Leiterin der Münchner Ausländerbehörde. Doch Serkan A. klagte vorm Verwaltungsgericht gegen die Verfügung.

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Spyridon L. geht nach der Haft freiwillig nach Griechenland.

Serkan A. ließ sich gestern persönlich aus der Haft ins Gericht führen, wo seine Familie sowie seine Freundin samt der gemeinsamen Tochter ihn in Empfang nahmen. An Schuldeinsicht scheint es Serkan zu mangeln. „Eine Auseinandersetzung mit der Straftat ist nicht erkennbar“, zitierte der Vorsitzende Richter einen Bericht aus der Justizvollzugsanstalt Straubing. In diesem Knast für Schwerverbrecher fällt Serkan A. offenbar regelmäßig unangenehm auf, die Beamten beschreiben ihn als „unverschämt und unzuverlässig“. Wegen Verstößen gegen die Gefängnisordnung musste er mehrfach in Arrest, einmal sogar neun Tage lang.

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Serkan A. versucht seine Abschiebung juristisch zu verhindern.

In diesem Fall hatte er sich von anderen Gefangenen Schmerzpillen besorgt - das ist verboten. Dennoch fühlt sich Serkan A. im Recht. Schließlich habe er Schmerzen gehabt, erklärte er gestern. In dem Bericht der JVA-Leitung heißt es weiter: „Er versucht, andere übers Ohr zu hauen.“ Serkan A. brauste vor Gericht auf: „Schwachsinn!“ Die rechtlichen Lage für eine Ausweisung ist schwierig, wie das Gericht ausführte. Denn türkische Staatsbürger genießen ähnliche Privilegien wie EU-Bürger. Demnach wären einer Abschiebung enge juristische Grenzen gesetzt. Deshalb begründet die Stadt ihren Beschluss mit einem Tatbestand, der vor dem Gesetz als Abschiebegrund gilt: Serkan sei eine „erhebliche Gefahr für die Sicherheit und Ordnung“. Ein Urteil lag gestern noch nicht vor.

Bei Serkans Komplizen Spyridon L. (achteinhalb Jahre Jugendstrafe wegen versuchten Mordes) ist die Sache einfacher: Er geht nach seiner Haftentlassung freiwillig nach Griechenland. In diesem Fall könnte eine rechtliche Klausel greifen, nach der die Strafe halbiert würde. Er dürfte dann allerdings vorerst nicht wieder nach Deutschland zurückkehren. Seinen Abschied habe Spyridon der Behörde gegenüber akzeptiert, so Claudia Vollmer vom Ausländeramt. Er wird aus dem gefängnis direkt nach Griechenland gebracht.

Eberhard Unfried

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