Asiatischer Laubholzbockkäfer

Schleppt München Schädlinge ins Stadtgebiet ein?

München - Der Bund Naturschutz schlägt Alarm: Mit Holzpaletten, die überall in München liegen, könnte der Asiatische Laubholzbockkäfer eingeschleust werden. Sie werden von der Stadt selbst importiert – die im Kampf gegen den Schädling Privatleute Bäume fällen lässt...

Wie ernst nimmt das Rathaus die Probleme mit dem Laubholzbockkäfer? Auf der einen Seite fällt die Stadt in Riem und Waldperlach Dutzende von Bäumen, um eine weitere Ausbreitung des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) zu verhindern. Auf der anderen Seite geht man die Gefahr ein, den gefährlichen Baumschädling selbst ins Stadtgebiet einzuschleppen. Denn an vielen Baustellen in der Stadt stehen Granitlieferungen aus China mit Einwegpaletten herum, mit denen der Käfer gerne einreist. Der Bund Naturschutz sieht das mit Sorge

Holzpaletten aus China stapeln sich dort, wo in München gepflastert wird.

Am Josephsplatz, an der Kistlerhofstraße, am Ackermannbogen oder am Luise-Kiesselbach-Platz – überall in der Stadt stehen derzeit Granitlieferungen und daneben achtlos aufgeschichtete Versandpaletten. Es handelt sich um Pflaster- und Bordsteine für Straßen und Plätze, laut Etikett hergestellt in der chinesischen Provinz Shandong. Teilweise von der Stadt München selbst gekauft. Geliefert auf billigem Verpackungsholz aus Asien. Genau solche Lieferungen nutzt der Asiatische Laubholzbockkäfer bekanntermaßen gerne zur Einreise als blinder Passagier.

Denn China nutzt für seine Exporte häufig das Holz von Bäumen, die zuvor vom Käfer befallen wurden. Eigentlich müssen die Paletten, Kisten oder Kabeltrommeln aus Asien vor dem Verschiffen erhitzt oder begast worden sein, so der Bund Naturschutz. Doch einige schwarze Schafe hielten sich nicht daran. Und eine hundertprozentige Kontrolle könne es nicht geben. Zudem fielen Lieferungen, die per Spedition auf Straße oder Bahn aus ausländischen Häfen wie beispielsweise Rotterdam kommen, durchs deutsche Kontrollraster. So werden trotz der Auflage immer wieder mitgereiste Larven gefunden, oft in der Nähe von Häfen oder Containerbahnhöfen. Auf diese Weise fand der gefährliche Baumschädling höchstwahrscheinlich auch den Weg nach Basel, Weil am Rhein und Feldkirchen. Oder wie vor kurzem in den Donauhafen von Kelheim.

Bei der Stadt fühlt sich zunächst keines der Referate so recht zuständig für eine Anfrage nach der ALB-Prophylaxe. Schließlich schickt das Baureferat eine Antwort, die es 2014 schon einmal gegeben hat, auf eine Anfrage der Stadtrats-Grünen: Man gehe davon aus, dass mit dem Verpackungsholz alles in Ordnung sei. Die Paletten seien zertifiziert, also entsprechend behandelt. Die Betriebe würden diesbezüglich auch kontrolliert, zudem werde das Verpackungsmaterial bestimmter Risikowaren aus China bei der Einfuhr in die EU geprüft.

Doch als diese Antwort erstmals erteilt wurde, hatte der gefährliche Baumschädling die Grenzen der Stadt München noch nicht überschritten. Inzwischen hat man ihn längst in Riem und Waldperlach gefunden. „Selbst wenn Paletten aus China begast werden und auch bei uns kontrolliert werden – sicher ist niemand, dass jeder Käfer, jede Larve gefunden wird“, sagt Christian Hierneis, der Vorsitzende des Bundes Naturschutz in München. Trotz verschärfter Einfuhrbestimmungen sei die Gefahr der Einschleppung nicht gebannt. Das Verhalten der Stadt München kann er vor diesem Hintergrund nicht verstehen: Angesichts der Granitimporte, die samt Verpackungsholz überall in der Stadt liegen, müsse man stets befürchten, immer wieder neue Käfer zu bekommen.

Der vermeintlich billige Granit könnte die Stadt noch teuer zu stehen kommen, befürchtet Hierneis. Denn während das gefällte Holz befallener Bäume in Waldperlach sofort gehäckselt und verbrannt werden muss, sieht die Stadt bei den Holzpaletten der Granitlieferungen im Stadtgebiet keinen Handlungsbedarf.

Carmen Ick-Dietl

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