Personalmangel und die Folgen: Senioren sind in Altenheimen oft sich selbst überlassen.
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Personalmangel und die Folgen: Senioren sind in Altenheimen oft sich selbst überlassen.

Aufnahmestopp in elf Heimen

Schockierend: Neuer Bericht deckt gravierende Qualitätsmängel in Münchner Altenheimen auf

  • vonNina Bautz
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Ein neuer Bericht der Heimaufsicht München offenbart gravierende Missstände in den Altenheimen der Stadt. 

Niemand weiß, wann sie kommt. Die Heimaufsicht der Stadt deckt alle zwei Jahre auf, wie schlimm die Missstände in Münchens Altenheimen wirklich sind. Unserer Zeitung liegt der neue Bericht exklusiv vor. Erschreckend: In 11 der 63 geprüften Heime besteht ein Aufnahmestopp, weil die Qualitätsdefizite gravierend sind und erst behoben werden müssen. 

Flüssigkeitsversorgung, Bewegung und Pflege beanstandet

Zwar hat sich 2017 und 2018 die Situation in den Bereichen mit den größten Mängeln – Pflege und Personal – im Vergleich zum letzten Bericht ein wenig verbessert. Für Angehörige sind die aktuellen Ergebnisse aber keineswegs beruhigend: Bei fast der Hälfte (44,5 Prozent) aller Prüfungen in der stationären Altenpflege hat die Heimaufsicht Verstöße gegen die Qualitätsanforderungen festgestellt (2015/2016: 59 Prozent). 114 Mal wurde der Bereich Pflege und Dokumentation beanstandet, vorneweg das Thema Ernährung/Flüssigkeitsversorgung, gefolgt von behandlungspflegerischen Maßnahmen und Mobilisierung/Bewegung.

Altenheime in München: Patienten liegen sich wund

 Weiterhin ein großes Problem bleibt der Personalmangel: Hier gab es 65 festgestellte Mängel. 21 Mal wurde die Fachkraftquote unterschritten (2015/2016: 33 Mal), 31 Mal wurde die Gerontofachkraftquote nicht eingehalten (2015/2106: 45 Mal). In einigen Heimen sind die Mängel derart gravierend, dass die Stadt einschreiten und Strafen androhen musste. Dabei ging es vorallem um die Wundversorgung und das Thema Wundliegen. 

Gewalt in Heimen gibt Anlass zur Sorge

Bei einem Heim waren die Umstände derart schlecht, dass die Heimaufsicht einen Aufnahmestopp verhängt hat. Zehn weitere Einrichtungen erklärten sich bereit, freiwillig niemanden mehr aufzunehmen, bis die Mängel beseitigt sind. Aktuell bereitet besonders das Thema Gewalt der Stadt Sorge. Auf den Fachtagen wurde klar: Kritische Situationen sowie Grenzüberschreitungen bis hin zur Anwendung von Gewalt in Heimen sind keine Einzelfälle – das sagen Mitarbeiter! Es bestehe „erheblicher Handlungsbedarf“.

Nina Bautz

Der Fachkräftemangel in der Altenpflege steigt weiter, bei häuslicher Intensivpflege mangelt es vor allem an Standards

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