„In eine Krise geraten“: Die Residenzklinik am Odeonsplatz. Bis auf weiteres findet hier kein Operationsbetrieb mehr statt.

Schönheits-Klinik schließt nach Hygiene-Skandal

München - Tagelang durfte die private Residenzklinik am Odeonsplatz nur eingeschränkt operieren. Jetzt hob das Gesundheitsreferat der Stadt die Beschränkungen wieder auf. Doch die Operationssäle sind nun völlig verwaist. Das Haus ist „bis auf weiteres“ geschlossen.

Wie berichtet, hatten Kontrolleure des Referats für Gesundheit und Umwelt (RGU) Hygiene-Mängel in der Schönheitsklinik festgestellt. Ähnlich wie beim städtischen Klinikskandal lag die Reinigung und Sterilisation des medizinischen Geräts im Argen - so sehr, dass die Stadt das Unternehmen Ende Juli anzeigte und strenge Auflagen erließ: Die Schönheitschirurgen der Residenzklinik durften keine Eingriffe mehr unter Vollnarkose durchführen, die Aufbereitung kritischer Medizinprodukte wurde verboten, und selbst die Klinikwäsche durfte nicht mehr im eigenen Haus gewaschen werden. Den Klinik-Chefs gaben die Kontrolleure eine detaillierte Liste der Mängel, die abzustellen waren.

Das scheint gelungen: Eine Nachkontrolle am vergangenen Freitag habe ergeben, „dass alle Auflagen bezüglich Hygiene und Patientensicherheit erfüllt wurden“, so das Gesundheitsreferat. Was das OP-Besteck angehe, habe die Klinik selbst angekündigt, in nächster Zeit ausschließlich Einweg-Besteck einzusetzen. Das ist nun offensichtlich geliefert, und die Fachleute des RGU haben sich davon überzeugt, dass das Material für Operationen geeignet ist. Am Mittwochmorgen bekam die Klinik von der Behörde die Erlaubnis zum Weitermachen.

Doch die Kliniktüren bleiben zu. „Die Residenzklinik ist, trotz der positiven Ergebnisse und das grüne Licht durch das Gesundheitsamt, wegen Umstrukturierungsmaßnahmen bis auf weiteres leider geschlossen“, meldet das Unternehmen in roter Schrift auf seiner Internetseite. Und eine Tonbandansage teilt Anrufern mit: „Wie der Presse zu entnehmen war, ist die Residenzklinik in eine Krise geraten. Das gesamte Team arbeitet an einer Lösung.“

Wie lange das dauert, bleibt offen. Anfragen per E-Mail werden mit einer automatischen Abwesenheitsnotiz beantwortet. Patienten, die sich in der Klinik am Odeonsplatz regelmäßig im Abonnement das Gesicht mit Botox- oder Hyaluron-Injektionen glätten ließen, erfahren immerhin soviel: „Die Raten werden ab sofort nicht mehr abgebucht.“

Ganz aufgegeben scheint die Privatklinik aber noch nicht. Wenige Zeilen unter der roten Schließungs-Nachricht heißt es auf der Internet-Seite: „Wir machen Märchen wahr!“

Peter T. Schmidt

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