Schrecksekunde im Schrebergarten

München - Die Deutsche Bahn hat Münchner Schrebergärtnern einen ordentlichen Schrecken eingejagt: Sie hatte die Grundtücke zum Verkauf ins Internet gestellt - und das ist nichts Ungewöhnliches.

Nur durch Zufall haben die Schrebergärtner der Gartenanlage am Gerhard-Winkler-Weg in Obermenzing kürzlich erfahren, dass ihre Anlage zum Verkauf steht. Der Schreck war groß - denn in der Ausschreibung wurden die vereinseigenen Gemeinschaftsgebäude ebenfalls mitangeboten.

Das Areal mit rund 120 Kleingärten gehört zur Bahn-Landwirtschaft, einer betrieblichen Sozialeinrichtung des Bundeseisenbahnvermögens, die bahneigenes Gelände als Kleingärten verpachtet. Das Grundstück an sich ist Eigentum der Bahn, die es nun im Internet zum Verkauf anbietet. Diese Praxis ist durchaus üblich, die Bahn hat in den vergangenen Jahren etliche Kleingartenanlagen veräußert. Für die Pächter ist das normalerweise nicht existenzbedrohend - der Bestand der Gärten ist durch das Bundeskleingartengesetz gesichert.

In der Obermenzinger Anlage stellte sich die Sache zunächst anders dar. Die Pächter, allen voran die Vorstände Hermann Freyer und Josef Auerbeck, stolperten über eine Passage in der Ausschreibung und befürchteten, dass mit dem Areal auch das Gemeinschaftseigentum des Vereins den Besitzer wechseln sollte. „Für die gemeinschaftlichen Anlagen samt Vereinshaus ist der Zeitwert maßgeblich“ steht in dem Angebot der DB Services Immobilien GmbH.

Seltsam nur: Das Vereinshaus mit Gaststätte, der Schuppen mit Werkstatt, der Carport und die Eisstockbahn mit Freisitz sind eigentlich Eigentum des Kleingartenvereins, weil sie von den Mitgliedern finanziert und teilweise selbst gebaut worden sind. Der Vorstand schrieb einen offenen Brief an die Bahn. „Die Angaben im Exposé, die den Kaufinteressenten glauben machen, er würde die Gebäude mitkaufen, sind daher irreführend“, so die Vorstände.

Daraufhin ging alles ganz schnell: zwei Tage später waren Freyer und Auerbeck zu einem Gespräch bei der DB Services Immobilien und konnten danach Entwarnung geben. „Die Lage hat sich entschärft“, sagt Freyer erleichtert. „Man hat uns die mündliche Zusage gegeben, dass die Gemeinschaftsanlagen nicht mitverkauft werden.“ Rein rechtlich wäre das wohl auch schwierig gewesen. Die Kleingärtner können sich nun in Ruhe wieder ihren Rosen und Tomaten widmen.

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