Er gestand die Tat

Wohl aus Frust: 18-Jähriger sticht Haushälterin nieder

München - Ein Schüler aus Gauting hat vor Gericht gestanden, seine Haushälterin niedergestochen zu haben. Offenbar geschah die Tat aus Frust. 

Zitternd läuft Paulina K. (68) über den Flur des Landgerichts. Noch ein paar Schritte, dann hat sie die Tür erreicht. Aber sie öffnet sie nur unter schweren Qualen. Denn im Verhandlungssaal trifft sie auf den jungen Mann, der sie fast getötet hat: Armin S. (18, alle Namen geändert).

Ihn hatte Paulina K. schon als Bub gehütet, sie pflegte ein inniges Verhältnis zu dem Schüler. Als Haushälterin arbeitete sie in Gauting für seinen wohlhabenden Vater. Bis zum 11. November 2015 – dem Tag, als Armin S. die gutmütige Seniorin plötzlich attackiert hat. Mit einem Messer stach er ihr von hinten in den Rücken.

Geschah die Tat aus Frust?

Alles nur aus Frust? Die Tat hat Armin S. am Dienstag gestanden. Über die genauen Gründe war aber nichts zu erfahren, denn der Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil Armin S. zur Tatzeit noch minderjährig war. Fest steht aber: Er war am Morgen der Tat durch seine Führerscheinprüfung gefallen. Im Anschluss fuhr der Schüler zu seinem Vater, bei dem er lebte. Dort traf er auf Paulina K. „Ich wünsche dir viel Glück“, soll sie gesagt haben – im Glauben, die Prüfung stehe noch bevor. Deshalb soll Armin S. ausgerastet sein und sie niedergestochen haben, während die Haushälterin gerade das Zimmer saugte.

In Handschellen wird er gestern in den Gerichtssaal geführt. Der Schüler ist gertenschlank, trägt einen blauen Pullover und Jeans. Nach tz-Informationen trat Armin S. sehr verschüchtert im Prozess auf. Richterin Regina Holstein befragte ihn mehrere Stunden zu seinen persönlichen Verhältnissen und zur Tat. Verteidiger Reinhard Köppe vertritt den Schüler. Armin S. wird versuchter Mord vorgeworfen – seine Messerstiche hatten die Haushälterin lebensgefährlich verletzt. Mit letzter Kraft konnte sie noch selbst die Rettungskräfte anrufen, wurde notoperiert.

Bis heute leidet sie unter den Folgen der Attacke, ist schwer traumatisiert. Gegen Armin S. wird nach Jugendstrafrecht verhandelt. Er war nach der Tat in die S-Bahn gestiegen und zu seiner Mutter, die in der Au lebt, gefahren. Sie konnte ihn überreden, sich zu stellen. Jetzt drohen ihm mehrere Jahre Haft. Heute geht der Prozess weiter. Am Montag fällt das Urteil.

Andreas Thieme

Rubriklistenbild: © dpa

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