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Schulmangel bremst Wohnungsbau

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Kommunalreferent Axel Markwardt.  MS
Kommunalreferent Axel Markwardt.  MS

München - Überfüllte Schulen werden für die Stadt zum Problem bei der Planung von Neubaugebieten. Auf dem Gelände der Kultfabrik könnten deutlich mehr Wohnungen entstehen als derzeit geplant - wenn man nur eine Fläche für eine neue Schule finden würde.

Dem griechischen Staat ist das Geld ausgegangen. Und in Berg am Laim braucht die Stadt eine neue Schule. Auf den ersten Blick hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Auf den zweiten ist das anders. Denn die Stadt hat 2001 eine Fläche an der Hachinger-Bach-Straße an den griechischen Staat verkauft, der dort eine Schule bauen wollte. Auf Griechisch sollten hier Münchner unterrichtet werden, die griechische Wurzeln haben. Im August 2012 sollte die Schule eröffnet werden. Eigentlich. Noch heute liegt das Gelände brach. Dass sich daran etwas ändert, glauben viele Beobachter nicht mehr - und würden dort gerne eine öffentliche, deutsche Schule bauen.

„Wenn man den derzeitigen Zustand der griechischen Staatsfinanzen sieht, muss man sich schon fragen, wie dringend für sie derzeit wohl der Bau einer Schule in München ist“, sagt der CSU-Stadtrat Hans Podiuk. Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD) würde die Brachfläche lieber heute als morgen zurückkaufen. Die Stadt braucht dringend eine Schulfläche - und das Grundstück ist schon für eine Schule ausgewiesen.

Theoretisch könnte es also schnell gehen. Praktisch beharrt der griechische Staat auf seiner Absicht, dort 700 Schüler zu unterrichten. Auf Nachfrage heißt es aus dem griechischen Konsulat lediglich, man befinde sich derzeit in der „Behandlungsphase“. Wie zu hören ist, ist das Geld für die Münchner Schule jetzt fest im Staatshaushalt vorgesehen.

In Berg am Laim sind die Kapazitäten der Grundschulen ein Dauerproblem. Die bestehenden beiden Schulen werden aktuell erweitert. Folgen hat die Schulnot auch für die Planung von Neubaugebieten. Laut Kommunalreferat musste die Zahl der vorgesehenen Wohnungen auf dem „Rost“-Gelände, der heutigen Kultfabrik, auf 900 bis 1000 gedeckelt werden, weil nicht mehr Grundschul-Plätze nachgewiesen werden können. Das Kommunalreferat stellt einen Zusammenhang her: Wenn das Gelände an der Hachinger-Bach-Straße zurückgekauft würde, heißt es dort, könnte der Bedarf im Viertel gedeckt werden - ausdrücklich wird betont, dass auch die Begrenzung der Wohnungszahl auf dem „Rost“-Gelände damit fallen könnte.

Das bestätigt im Gespräch mit unserer Zeitung auch Johannes Ernst, der bei Steidle Architekten das Gelände entwickelt hat. „300 bis 400 Wohnungen mehr könnte man integrieren, ohne die bisherige Planung in Frage zu stellen oder das Gesamtkonzept umzuwerfen“, betont er.

Besonders optimistisch für die Verhandlungen mit den Hellenen ist man im Kommunalreferat aber offenbar nicht mehr. „Wenn die Vertragspartnerin an ihrer Haltung festhält“, sagt Markwardt, seien dem Kommunalreferat „die Hände gebunden“. Im Bezirksausschuss (BA) glaubt man ohnehin nicht mehr an eine Einigung. BA-Chef Robert Kulzer (SPD) hat zwei andere Grundstücke für einen Neubau vorgeschlagen: eines an der St.-Veit-Straße und eines an der St.-Michael-Straße. Die Standorte würden „derzeit geprüft“, heißt es seitens der Verwaltung.

Die hatte zuvor noch nie das Problem, dass geplante Wohnungen wegen fehlender Schulplätze nicht gebaut werden durften. In Zukunft könnte sie es öfter haben: Mit dem Bevölkerungsanstieg wachsen auch die Grundschüler-Zahlen. 2002 lagen sie bei unter 36 000, 2010 bereits bei 39 000. Tendenz: weiter steigend.

Felix Müller

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