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Holperpiste: So grausig wie hier sieht es zum Glück nur selten aus. Nur 4,4 Prozent von Münchens Hauptstraßen haben die Note 4,5 oder schlechter. Bei den Nebenstraßen sind es immerhin acht Prozent.

Kampf den Schlaglöchern

Schulnoten für Straßen: Ab wann saniert wird

München - Die Stadt steckt Millionen in die Sanierung maroder Straßen. Jahr für Jahr wird an rund 600 Stellen gewerkelt. Es geht zu wie in der Schule: Münchens Straßen bekommen Noten.

Münchens Verkehrswegenetz umfasst eine Fläche von rund 32 Millionen Quadratmetern. Wer sich unter dieser Zahl etwas vorstellen kann, möge jetzt die Hand heben. Allen anderen könnte ein Vergleich helfen: Allein die Straßen - ohne Rad- und Gehwege sowie Fußgängerzonen - sind 2320 Kilometer lang. Das entspricht der Luftlinie von Berlin nach Island oder der Länge des Great Barrier Reefs, das mit bloßem Auge vom Weltraum aus zu sehen ist. München-London ist dagegen ein Katzensprung von läppischen 900 Kilometern.

Ein Großteil dieser Verkehrsflächen wurde im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg und während des Stadtausbaus in den 60er- und 70er-Jahren errichtet. Viele Straßen haben mehr als 40 Jahre auf dem Asphalt-Buckel und sind entsprechend pflegebedürftig.

Tonnenschwere Lastwagen reißen Wunden in den Asphalt. Wasser sickert durch winzige Risse in tiefere Schichten. Gefriert es, dehnt sich das Eis aus und sprengt die Straße von innen. Die Folgen sind Abplatzungen und Schlaglöcher, die den gesamten Straßenkörper zerstören können. Jetzt, im Winter, gefrieren die Wege, im Frühjahr sprießen dann die Buckel aus den Pisten.

Die Löcher zu stopfen und den Asphalt zu heilen ist eine teure Sisyphusarbeit. Jahr für Jahr gibt die Stadt rund 14 Millionen Euro dafür aus. Diese Summe hat der Stadtrat erst kürzlich erneut bestätigt. Knapp 80 Prozent des Geldes fließen in den Erhalt der Hauptstraßen - hier ist der Verkehr am dichtesten und das Tempo am höchsten. Für die Nebenstraßen bleiben knapp drei Millionen übrig.

Die Konzentration auf die Hauptstraßen spiegelt sich in deren vergleichsweise gutem Zustand wider. Laut den aktuellen Daten des Baureferats sind immerhin 17 Prozent von ihnen in „sehr gutem“ Zustand. Lediglich elf Prozent der Nebenstraßen bekamen die Top-Bewertung.

Die Stadt vergibt Noten von eins bis fünf an ihre Straßen, wobei die Fünf für „dringender Handlungsbedarf“ steht. Diese schlechte Bewertung bekamen zuletzt nur 4,4 Prozent der Hauptstraßen. Bei den Nebenstraßen sind doppelt so viele (acht Prozent) „sehr schlecht“.

Für die Klassifizierung gelten deutschlandweit die Kriterien der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen. In München werden alle Hauptstraßen messtechnisch erfasst. Ein vom Baureferat beauftragtes Ingenieurbüro fährt mit einem Messfahrzeug die Straßen ab. Mit Schallwellen und Kameras wird dabei der Zustand begutachtet. Dichte und Höhe der Asphaltdecke, Risse und Schadstellen werden dokumentiert und ausgewertet. Die Nebenstraßen werden von Mitarbeitern der Stadt zu Fuß abgegangen. Je schlechter die Note, desto höher klettert die Straße auf der Prioritäten-Liste der Reparatur-Trupps. Wenn der Schwellenwert 3,5 erreicht wird, ist es Zeit, sich zu kümmern.

Eine Durchschnittsnote für alle Münchner Wege kann das Baureferat nicht nennen. Allgemein sei das Hauptstraßennetz „stabil gut“. Die zeitweise Verschlechterung des Zustandes der Nebenstraßen konnte „nicht nur gestoppt, sondern insgesamt verbessert werden“, teilt Referats-Sprecherin Dagmar Rümenapf mit. Jedes Jahr zählt die Stadt rund 600 größere Unterhaltsmaßnahmen. Darüber hinaus sorgt eine „schnelle Einsatztruppe“ für die Behebung von kleineren Schadstellen. Für den Eingreiftrupp stehen etwa 50 Mitarbeiter bereit. Größere Arbeiten vergibt die Stadt fast immer an private Firmen.

Von Thomas Schmidt

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