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Informatiker Cay J. zeigt, wo es wehtut. Er glaubt, dass er von den operierenden Ärzten verpfuscht worden ist und fordert nun Schmerzensgeld – mindestens 100.000 Euro.

Prozess um Schmerzensgeld

Schulterbruch mit fatalen Folgen: Er verklagt eine Münchner Klinik

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Er war auf dem Weg zur Arbeit, als er mit dem Radl stürzte. In der Landsberger Straße zog sich Cay J. (48) einen Trümmerbruch zu. Die Operation ging schief, vier weitere folgten zur Korrektur. Jetzt verklagt der Informatiker das Klinikum in Pasing – und fordert mindestens einen sechsstelligen Betrag.

München - Cay J. (48) ist verzweifelt. „Ich kann meinen rechten Arm kaum anheben“, sagt er. Geschirr aus dem Oberschrank nehmen? Seinen Pullover selbst anziehen? Das alles ist für ihn kaum möglich. „Ich kann mir nicht mal selbst den Hintern abwischen“, sagt der Feldmochinger Fachinformatiker.

Lustig ist das für ihn nicht. Denn er wurde schon fünf Mal operiert – doch die Beweglichkeit seines rechten Armes und der Schulter werden nie mehr so sein wie früher. „Für den Rest meines Lebens bleibe ich wohl eingeschränkt“, sagt er. Schuld daran sollen Ärzte des Klinikums Pasing sein. Dort wurde der Fachinformatiker im Juni 2013 eingeliefert, als er auf dem Weg zur Arbeit schwer mit dem Radl gestürzt war: Auf der Landsberger Straße wich er einem anderen Radler aus und kam am Bordstein aus dem Tritt. „Ich krachte mit der Schulter auf den Asphalt und zog mir einen sechsfachen Bruch zu.“

Vier weitere Operationen folgten

Schwer verletzt kam er in die Klinik, wurde sofort operiert. Doch der Eingriff hatte Folgen: Noch vier weitere Male musste Cay J. operiert werden, weil es bei der ersten Operation Probleme gab. „Mir wurden zunächst Platten mit elf Schrauben eingesetzt. Später hieß es dann, die Platten wurden leider schief eingesetzt“, sagt der Fachinformatiker. Er reichte deshalb Klage am Landgericht ein. „Wir fordern mindestens einen sechsstelligen Betrag“, sagt sein Anwalt Christoph Mühl, der auf Arzthaftungsfälle und Medizinrecht spezialisiert ist.

Das Schmerzensgeld soll in diesem Fall auch deshalb so hoch sein, weil Cay J. lange nicht arbeiten konnte. „Ich wäre nicht mal sauer auf den Arzt, wenn er zugeben würde, dass er überfordert war oder gepfuscht hat“, sagt er. „Aber nicht zu seinem Fehler zu stehen, das verstehe ich nicht. Er muss ja nicht mal die Kosten dafür tragen.“

Nach vier Jahren noch immer Schmerzen

Mittlerweile ist der Feldmochinger in die Schweiz gezogen, hat dort einen neuen Job angetreten. Auch vier Jahre nach dem schweren Unfall ist er aber nicht schmerzfrei. „Ich muss den Rest meines Lebens zur Physiotherapie“, sagt er. Denn in seine Schulter wurde eine Prothese eingesetzt – zunächst aber die falsche.

Vor Gericht wurde dazu gestern ein Gutachter gehört. Denn strittig ist, ob die Prothese zu früh eingesetzt wurde. Gängige Modelle halten zwischen fünf und 15 Jahren. Doch war das bei Cay J. wirklich notwendig? Brisant an dem Fall ist, dass die Klinik behauptet, der Patient habe für den Eingriff unterschrieben. Cay J. kann sich daran aber nicht erinnern. „Ich war narkotisiert“, sagt er.

Der Arzt habe ihm dazu geraten, die verletzte Schulter „schnell zu versorgen“, als Patient habe er darauf vertraut. Außerdem wurde ihm angeblich keine Alternative genannt. Doch dass die OP solch krasse Folgen hat? „Das hätte ich nie erwartet.“ Ein Urteil steht noch aus.

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