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Klare Linien – unklare Zukunft: Die Schul-Turnhalle von Neu-Riem wird aus Sicheheitsgründen geschlossen.

Schul-Turnhalle wegen Einsturzgefahr gesperrt

München - Einmal mehr sorgt die Riemer Lehrer-Wirth-Schule für Schlagzeilen: 686 Schüler müssen für drei Wochen auf Sport verzichten.

Die Skandal-Schule in der Messestadt Riem steht erneut im Brennpunkt der Kritik: Diesmal muss die Doppel-Turnhalle der Lehrer-Wirth-Schule mindestens bis 20. März geschlossen bleiben.

Das Tragwerk des Daches ist so angegriffen, dass zusätzliche Stützen eingebaut werden müssen. Die endgültige Sanierung kann noch viele Monate auf sich warten lassen. Um die Stützen für die Dachauflage an der Wand sicher zu gründen, müsse das Fundament freigelegt werden, erläutert Christian Stadler, Chef des „Maßnahmeträgers München- Riem GmbH“: „Wir wissen nicht, ob wir bis nächsten Winter damit durch sind.“

Nach den ersten Schneefällen vor einigen Wochen war  der TÜV Tag für Tag auf die Risiko-Halle angesetzt worden. „Das Dach wurde auch ständig geräumt“, erläutert Jürgen Marek von Baureferat der Stadt. Schon im letzten Jahr war vorsorglich der Kies auf dem Dach gegen leichten Blähton ausgetauscht worden. Nun gibt es auch ohne Neuschnee keine Entwarnung: Schwerer Schnee, Eis und Tauwasser seien noch gefährlicher.

Die Eishallen-Katastrophe von Bad Reichenhall im Januar 2006 spukt noch immer in den Köpfen der Bauleute herum. Diese Sensibilisierung begegnet auch Jürgen Marek in Gesprächen immer wieder. Drei Wochen lang muss das Schulturnen in der der Zweifach-Halle ausfallen, bis die Behelfsstützen stehen. 686 Schüler sind davon betroffen. Die Schule an der Lehrer-Wirth-Straße, die vor gerade  einmal zehn Jahren erbaut wurde, bereitet schon seit geraumer Zeit Verdruss.

Es begann damit, dass sich ein Fenster aus der Verankerung löste und zu Boden krachte. Das Einfrieren von Türscharnieren erstaunte selbst die Fachleute. Eines Tages stand der Keller unter Wasser. Die hölzerne Fassade der gesamten Anlage von Neu-Riem verwitterte vorzeitig. Weil es an Fluchtwegen fehlte, mussten Lehrsäle gesperrt werden. „Die Schule ist baulich eingeschränkt“, sagt Stadtdirektor Josef Tress vom Schulreferat und seufzt.

Die Holzbauweise war vom Stadtrat nachdrücklich gewünscht worden. Da durfte sich das Baureferat nicht einmischen. Die Öko-Schule sollte zum Vorzeige-Objekt werden. Die Holzarchitektur im Allgemeinen könne durchaus haltbar und ansehnlich  sein, so ein Kritiker, der anonym bleiben will, aber man müsse es auch können. Eigentlich wäre eine Sanierung der Schule nötig. Die könne aber noch dauern, bedauert Tress. Ein gerichtliches Beweisverfahren, das bereits läuft, darf nicht durch Manipulationen an den eigentlichen Schadstellen durchkreuzt werden.

Marek: „Das wäre eine Vernichtung von Beweisen.“ Die Lehranstalt der Pleiten, Pech und Pannen könnte für Monate oder auch länger zu einer Reparatur-Schreinerei werden – dies auch zum Schaden des TV Riem-Dornach, der um seine Trainingsstätte fürchtet. Die Zweite Vorsitzende Ernestine Bornstein grollt: „Das ist schon sehr ärgerlich.“

ick/ege

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