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Wie im Krieg: Der Feuerball, den die Sprengung einer Fliegerbomber auslöste, erhellte 2012 den Nachthimmel.

„Stümperhafte Sprengung“

Schwabinger Fliegerbombe: Versicherung klagt gegen Stadt München

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München - Die spektakuläre Sprengung der Fliegerbombe von Schwabing beschäftigt noch vier Jahre später die Gerichte. Die Axa-Versicherung klagt gegen die Stadt München. Die Sprengung sei „stümperhaft durchgeführt“ worden.

Ein Feuerball über der Stadt – und danach brennende Geschäfte. Ganze Straßenzüge wurden im August 2012 verwüstet, die Anwohner aber längst entschädigt. Dennoch beschäftigt dieser Fall bis heute die Münchner Gerichte. Aktuell klagt die Axa Versicherung gegen die Stadt. Im Zivil-Prozess vor dem Landgericht geht es um rund 400 000 Euro, die Summe aus den Sachschäden und dem brandbedingten Betriebsausfall, die drei Geschäftsleute beklagt hatten.

Einer von ihnen ist Ronny Kleiner (43). Das Inferno hatte seine Boutique an der Feilitzschstraße völlig zerstört. Kleiner hatte die Bombenkatastrophe besonders hart getroffen. „Ich konnte meinen Laden danach fünf Monate nicht mehr öffnen“, sagt er. Immerhin: Die Versicherung hatte seinen Schaden beglichen. Doch jetzt will sie das Geld zurück – und zwar von der Landeshauptstadt. Es geht um die Frage: Wer trägt eigentlich die Schuld an den Schäden?

Laut Versicherung gab es fachliche Fehler bei der Sprengung, die angeblich sogar „stümperhaft“ durchgeführt wurde. Der Kampfmittelräumdienst hatte Stroh zur Ableitung der Druckwelle eingesetzt, das später Feuer gefangen hatte. Dadurch seien auch die Geschäfte in Brand geraten – um zwei an der Feilitzsch- und eines eines an der Haimhauser Straße straße geht es vor Gericht.

Feuerball über München: Bombe in Schwabing gesprengt

Die Stadt weist alle Vorwürfe von sich. Laut Verteidigung hätten auch Funken bei der Detonation das Feuer auslösen können. Die Firma, die die Sprengung durchgeführte, will sich nicht äußern, solange der Prozess noch läuft. Rechtlich könnte die Stadt nun zur Verantwortung gezogen werden, weil sie der Auftraggeber für die Sprengung war – offiziell fungiert die Firma als Verwaltungshelfer, ist auch im Auftrag des Innenministeriums tätig.

Der Schwabinger Einsatz sei „alternativlos“ gewesen, argumentieren die städtischen Anwälte. Der Bombenzünder konnte nicht entfernt werden und auch Wassersäcke hätten als Dämmung der Detonation nicht geholfen, sondern im Gegenteil durch den immensen Druck nur Grundwasser und U-Bahn-Schächte gefährdet. Die Versicherung argumentiert, dass auch Sandsäcke hätten eingesetzt werden müssen. Entscheidend wird die Meinung eines unabhängigen Gutachters sein, den Richter Frank Tholl nun womöglich noch vorladen wird. Denn die Beweislast im Zivilprozess liegt beim Kläger: Die Versicherung muss der Stadt ein konkretes Versagen nachweisen.

Ronny Kleiner verfolgt den Gerichtsstreit aus der Ferne. Seine Boutique lag in dem Haus, das direkt an die Explosionsstelle angrenzte. Mindestens 150 000 Euro Schaden hatte er nach dem Brand. Mit dem Geld der Versicherung konnte der Geschäftsmann seine Boutique wieder eröffnen, musste nach zwölf Monaten aber wieder schließen, weil er viele Stammkunden verloren hatte. „Ich hege keinen Groll“, sagt er. „Keiner kann etwas für den Brand.“ Das wird das Landgericht womöglich anders sehen. Richter Tholl setzt den Prozess am 8. Februar fort.

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