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Überraschung auf der Baustelle: Zollbeamte kontrollieren Arbeiter.

Gewerkschaft schlägt Alarm

Deshalb boomt die Schwarzarbeit auf dem Bau wieder

Der Münchner Zoll kontrolliert immer weniger Baustellen – der Schwarzarbeit seien dadurchTür und Tor geöffnet, kritisiert die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Sie fordert mehr Kontrollen, um Sünder stärker abzuschrecken.

Bei der Gewerkschaft ist man alarmiert. Nur 160 Baubetriebe habe die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Hauptzollamts München im vergangenen Jahr kontrolliert, sagt Karl Bauer, Regionalleiter der IG Bau. Das seien 63 Prozent weniger als 2015. Die Statistik stamme aus einer Auswertung des Bundesfinanzministeriums.

„Dieses Problem kritisieren wir schon seit Jahren“, sagt Bauer. „Es gibt deutlich zu wenige Beamte bei der FKS, um ausreichende Kontrollen durchzuführen.“ Um das gewünschte Maß auch nur annähernd erreichen zu können, seien mindestens 10 000 Beamte nötig, derzeit beschäftige die FKS nur 6300. „Wobei hier die Kollegen der Finanzkontrolle auch noch andere Aufgaben wahrzunehmen haben.“ Im Landkreis München gebe es aktuell mehr als 1100 Baubetriebe, eine angemessene Zahl von Kontrollen sei da kaum möglich.

Aufgedeckte Schadenssummen steigen deutlich

„Wir haben einen Rückgang zu verzeichnen“, bestätigt Thomas Meister vom Hauptzollamt München. Die FKS selbst unterscheide nicht zwischen Bau, Hotel- oder Gaststättengewerbe, doch seien die Kontrollen tatsächlich merklich weniger geworden. 2016 habe die FKS 6660 Personenbefragungen durchgeführt, 2015 seien es noch 7149 gewesen. 2016 seien 824 Arbeitgeber befragt worden, im Vorjahr 1148. Andersherum verhält es sich allerdings mit den aufgedeckten Schadenssummen. 2015 habe die Summe nur 12,5 Millionen Euro betragen, 2016 21 Millionen Euro – also fast doppelt so viel.

Die Kritik der IG Bau will Meister daher nicht widerstandslos akzeptieren. „Wenn ich mehr kontrolliere, bedeutet das nicht, dass ich auch mehr aufdecke.“ Die Verfahren seien komplexer geworden, die Firmen versuchten mit allen Mitteln, Schwarzarbeit zu verschleiern.

Für die Unternehmer ist Schwarzarbeit bares Geld. „Auf der einen Seite wird versucht, die Sozialabgaben einzusparen – die sind nun mal ein großer Teil des Lohnes“, sagt Meister. Dafür gibt es viele Möglichkeiten. „Der klassische Fall ist, dass jemand arbeitet, ohne angemeldet zu sein. Die andere Variante: Auf dem Papier ist man in Teilzeit angestellt, arbeitet aber Vollzeit.“ Ein weiteres Thema sei der Mindestlohn. Der werde gerne umgangen. „Zum Beispiel schreibt man, man habe acht Stunden gearbeitet – in Wirklichkeit waren es aber zehn oder elf.“ Über die Herkunft der Schwarzarbeiter habe er keine Aufzeichnungen, sagt Meister. Der Erfahrung nach gehe das Phänomen quer durch alle Nationalitäten.

Kontrollen sind zeitaufwendig

Kontrollieren kostet Zeit. „Ich war selbst jüngst bei einer Baustellenkontrolle in München“, sagt Meister. „Da haben wir 30 Arbeiter kontrolliert. Und jetzt kommt erst die Auswertung.“ Dass bedeute, dass man erst überprüfen müsse, ob die Angaben der Arbeiter schlüssig sind. „Wir gehen auch in die Firmen und prüfen die Unterlagen.“ Das gehe manchmal schnell, manchmal koste es viel Zeit. Kurzfristige Statistiken hält Meister deshalb für wenig aussagekräftig..

Der IG Bau geht es um mehr als den Einzelfall. Das Bestrafen von Sündern sei das eine, sagt Bauer. Die Gewerkschaft wolle, dass rein quantitativ mehr kontrolliert wird. „Damit die schwarzen Schafe gezeigt bekommen: Mit uns nicht!“ Aktuell hätten die schwarzen Schafe der Branche eher wenig zu befürchten.

Marian Meidel

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