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Wer in eine Kontrolle gerät, muss ein gültiges Fahrticket vorweisen können.

So leicht wird man zum Schwarzfahrer

Die fünf fiesesten MVV-Fallen

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München - Wer in München die öffentlichen Verkehrsmittel nutzt, braucht ein Fahrticket - ist klar. Doch selbst, wer eines hat oder gar nur als Fußgänger unterwegs ist, kann zum Schwarzfahrer werden. Das sind die fünf fiesesten MVV-Fallen.

Jeder, der mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, kennt diese Aufforderung: "Die Fahrscheine, bitte!" Als Schwarzfahrer rutscht da schon mal das Herz in die Hose, denn mittlerweile muss man für das Vergehen mit 60 Euro Strafe richtig tief in die Tasche greifen. Doch nicht nur, wer wissentlich ohne Fahrschein die Öffentlichen betritt, wird automatisch zum Schwarzfahrer. Das kann auch ganz schnell mal mit Ticket oder aber auch als Fußgänger passieren - ohne U-Bahn und Co. überhaupt benutzt zu haben. Wir zeigen, wie Sie (unwissentlich) zum Schwarzfahrer werden.

Jemanden am Bahnsteig abgeholt - ohne Ticket

Ein Freund kommt in die Stadt, und bevor er in den unendlichen Weiten der U-Bahnschächte verloren geht, holt man ihn lieber direkt am Bahnsteig ab. Ein sehr netter Gedanke. Aber Vorsicht: Wer ohne Ticket hinunter zum Bahnsteig geht, wird zum "Schwarzfahrer" - auch, wenn er die öffentlichen Verkehrsmittel gar nicht nutzt. "Sie benötigen ein Ticket, wenn Sie im Bahnhof den 'fahrscheinpflichtigen Bereich' betreten", erklärt MVG-Sprecher Matthias Korte. Dieser ist natürlich gekennzeichnet, zum Beispiel durch große Hinweisschilder über den Zugängen mit der Aufschrift „Eingang nur mit gültigem Fahrausweis“.

Korte erklärt weiter: "Sofern Sie lediglich jemanden am Bahnsteig abholen möchten, genügt ein Bahnsteigticket." Und das gibt es bereits für 40 Cent am Automaten, es gilt eine Stunde lang. Im Falle einer Kontrolle kann man sich also ausweisen. "Unsere Kontrolleure können ja nicht unterscheiden, ob jemand tatsächlich nur seine Freundin am Bahnsteig abgeholt hat oder dies lediglich als Ausrede benutzt und schwarzgefahren ist." Übrigens: Diese Regelung gilt nicht für Bus- und Tramhaltestellen. Erst, wer Tram oder Bus betritt, muss - natürlich umgehend - sein Ticket entwerten.

Fahrkarte falsch gestempelt

Wer ein Ticket besitzt, muss es an der dafür vorgesehenen Stelle entwerten. Ist der Fahrschein falsch gestempelt - zum Beispiel hinten statt vorne oder bei einer Streifenkarte Streifen zehn zuerst statt Streifen eins - wird er dadurch ungültig. Denn: Der Kontrolleur muss davon ausgehen, dass das Versehen keines war, sondern ein Trick, um ein Ticket absichtlich mehrmals zu verwenden. Merkur-Leser Friedhelm Dömges ist so aus Versehen zum Schwarzfahrer geworden.

Unterführung genutzt - und in bezahlpflichtigen Bereich geraten

Wer sich in den frühen Morgenstunden zu Fuß auf den Weg zur Arbeit macht und noch total verschlafen ist, kann schnell in die Situation kommen, zum Schwarzfahrer zu werden. Zum Beispiel in der Unterführung an der U-Bahnstation Sendlinger Tor. Dort nämlich gibt es einen Bereich, den nur Menschen mit gültigem Fahrausweis passieren dürfen - selbst dann, wenn man unterirdisch nur von der einen auf die andere Straßenseite möchte. Gekennzeichnet ist dieser Bereich zwar, doch ist es schon dem ein oder anderen passiert  - weil man zum Beispiel in Gedanken war - und schwupps: ist man im bezahlpflichtigen Bereich. Das lässt sich am Sendlinger Tor allerdings umgehen: "Öffentliche Durchgänge finden sich nur wenige Schritte entfernt rechts und links des fahrscheinpflichtigen Bereichs auf der jeweils anderen Seite der Treppenabgänge zur U1/U2 beziehungsweise  U3/U6", erklärt Korte.

Fahrkarten-Automat defekt

Auch in diese Situation sind schon zahlreiche Fahrgäste geraten: Man geht morgens zur Haltestelle, möchte eine Fahrkarte lösen - doch der Automat ist defekt. Was tun? Einfach in Tram, Bus, U- oder S-Bahn einsteigen und ohne Ticket losdüsen? Schließlich hätte man ja bezahlt, wäre der Automat gegangen und im Falle einer Kontrolle fühlt man sich im Recht. Ist man aber nicht! Denn meistens ist ganz in der Nähe ein weiterer, funktionierender Automat oder ein Kiosk, und auch in Tram und Bus befindet sich ein weiterer Fahrkartenautomat, an dem man sich im Fall der Fälle ein Ticket lösen könnte.

Tritt aber nun wirklich der schlimmste Fall ein und man kann wegen defekter Automaten kein Ticket lösen, gilt laut Korte folgende Ausnahmeregelung: "Der Fahrgast informiert den Busfahrer über den defekten Automaten, um klarzustellen, dass er beabsichtigt, ein Ticket zu kaufen." Schließlich meldet der Fahrer den Defekt über Funk an die Zentrale. "Der Fahrgast kann anschließend bis zur ersten Umsteigehaltestelle seiner beabsichtigten Fahrt mitfahren und muss hier einen Fahrausweis für die gesamte Fahrstrecke erwerben und entwerten."

Ticket nach dem Aussteigen weggeschmissen

Wer denkt: "Nach dem Verlassen des öffentlichen Verkehrsmittels kann ich mein Ticket ruhigen Gewissens noch am Bahnsteig wegschmeißen", liegt falsch. Denn das Ticket muss bis zum Verlassen des fahrscheinpflichtigen Bereichs aufbewahrt werden. Oftmals finden Kontrollen nämlich zum Beispiel auch am oberen Ende der Rolltreppe statt. Liegt das Ticket dann aber schon im Müll, gilt man offiziell als Schwarzfahrer. "Im Fall einer Kontrolle muss ein gültiger Fahrausweis vorgezeigt werden", so Korte. "Daher sollten Sie Ihren Fahrschein auf keinen Fall vorzeitig entsorgen."

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