Schweinegrippe: Sicherheit herabgestuft

München - Der Gesundheitsminister will die Meldepflicht der Ärzte für Schweingrippe einschränken. Dabei nehmen die bestätigten Fälle in München deutlich zu. Die Stadt schafft jetzt schon Fakten.

Die Schweinegrippe überrennt München. 1898 laborbestätigte Fälle meldete das Landesgesundheitsamt am Freitag. Allein im Laufe dieser Woche sind 798 dazugekommen. Jetzt wollen die Münchner Behörden die Sicherheitsvorkehrungen herabstufen, wie dem Münchner Merkur aus dem Gesundheitsamt erfuhr. Genau wie der neue Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), der wohl noch im November die Meldepflicht für Ärzte einschränken will.

Offenbar hat sich die Aufregung um den neuen Grippeerreger bei den Behörden gelegt. Röslers Ministerverordnung sieht nach Informationen des Münchner Merkur vor, dass Ärzte in Zukunft nur noch Todesopfer der Schweinegrippe an die Gesundheitsämter melden sollen. Sie müssen dann nicht mehr die Namen von Erkrankten oder von Verdachtsfällen an die Gesundheitsämter weitergeben. Labore sollen nach wie vor positive Testergebnisse an die Ämter weiterleiten.

Bisher hatten die Gesundheitsämter die Erkrankten angerufen oder angeschrieben und sie aufgefordert, daheimzubleiben. Das sei nicht mehr nötig, um die Bevölkerung zu schützen, sagt eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI). Zum einen könnten sich die Menschen impfen lassen. Zum anderen ließen sich weitere Ansteckungen nicht verhindern, in dem einzelne Erkrankte abgesondert werden. Dafür sei die neue Grippe schon zu stark verbreitet.

Das RKI hat dem Gesundheitsministerium in Berlin schon Mitte Oktober nahegelegt, die Meldepflicht für Ärzte auf Todesfälle zu begrenzen. Mittlerweile ist diese Empfehlungen in den Entwurf für eine Änderungsverordnung des Ministers gegossen worden. „Die Meldepflicht soll dem epidemischen Geschehen angepasst werden“, heißt es aus Berlin. Bis Mittwoch müssen die Länder ihre Meinung zu der Verordnung abgeben. Noch im November könnte sie in Kraft treten.

Die Stadt München schafft schon vorher Fakten. Im Gesundheitsamt hat man bereits davor kapituliert, alle Neuerkrankungen anzuschreiben. „500 Briefe am Tag einzutüten, das war nicht mehr zu machen“, sagt ein Mitarbeiter. Nach den Herbstferien sollen die städtischen Schulen wahrscheinlich von der Pflicht befreit werden, das Gesundheitsamt über neue Fälle zu informieren. Die Referate wollen sich in der kommenden Woche darüber abstimmen.

Angesichts der Welle von Neuinfektionen, die jetzt über München hereinbricht, kommen die Berliner Vorgänge den hiesigen Behörden sehr gelegen. Über eine interne Mitteilung des Landesgesundheitsamts in Erlangen haben die Münchner Behörden von der Empfehlung des RKI erfahren. „Das hieß für uns, dass das RKI die Erkrankung als weniger gefährlich einschätzt“, heißt es im Gesundheitsamt.

Kolja Kröger

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