Schweizer Schläger: Eltern im Zeugenstand

München - Aus reinem Spaß am Prügeln sollen Mike, Ivan und Benjamin im Sommer 2009 in München wahllos Passanten niedergeprügelt haben.

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Weg mit den Handschellen!

Am Montag waren im Prozess vor dem Landgericht München Eltern, Mitschüler und Lehrer als Zeugen geladen. Der Prozesstag begann mit einer Verzögerung: Ein Jugendlicher war nicht rechtzeitig aus der Justizvollzugsanstalt Neuburg an der Donau beim Landgericht in München eingetroffen, wie eine Gerichtssprecherin am Vormittag sagte. Die Verhandlung der Jugendkammer unter Vorsitz von Richter Reinhold Baier startete mit mehrstündiger Verspätung. Die drei Jugendlichen sollen im vergangenen Sommer binnen zehn Minuten in der Münchner Innenstadt fünf Menschen zusammengeschlagen haben. Die Schlägertour der drei damals 16-Jährigen dauerte nur zehn Minuten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft. Wegen ihres jugendlichen Alters wird hinter verschlossenen Türen verhandelt. Bisher haben die drei vor Gericht zu den Vorwürfen geschwiegen.

Am Montag sollten die Eltern der drei Schüler in den Zeugenstand treten. Außerdem waren zwei Mitschüler und zwei Lehrer zu ihrer Aussage angereist. Auch eine Sachverständige und ein Polizeibeamter standen auf der Zeugenliste. Ob das Gericht wegen der Verspätung alle Zeugen wie geplant hören konnte, war bis zum Nachmittag unklar. Zwei andere Mitschüler, die nach der Tat kurzzeitig ebenfalls festgenommen worden waren, hatten Mitte März ihr Fernbleiben von der Zeugenaussage mit ihrer psychischen Belastung und Angstzuständen begründet. Derzeit überlege die Kammer, ob die beiden doch noch gehört werden sollen, sagte die Gerichtssprecherin. Dazu gäbe es zwei Möglichkeiten: Entweder könnte ein Münchner Richter die beiden in der Schweiz vernehmen, oder sie könnten in einer Videovernehmung gehört werden.

Die drei Angeklagten Mike, Ivan und Benjamin waren Ende Juni 2009 auf Klassenfahrt und hatten mit anderen Schülern in einem Park gefeiert. Die Gründe für die Gewaltorgie sind nicht ganz klar. Zuerst schlugen die Jugendlichen drei Männer in dem Mark zusammen, in dem sie gerade noch gefeiert hatten. Dann stiefelten sie einen Geschäftsmann nieder. Sein Gesicht wurde komplett zertrümmert, er kämpft bis heute mit den Folgen. Zuletzt prügelten sie auf einen Studenten ein. Für den Prozess sind nach Ostern noch zwei Prozesstage angesetzt. Schon jetzt gibt es bei Beobachtern Zweifel, ob das Verfahren bis dahin abgeschlossen werden kann. 

dpa

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