Mit dem Kinderwagen wird die alte Schwingtür am Ostbahnhof zu einer echten Herausforderung. foto: Klaus Haag

Haidhausen

Schwingendes Ärgernis am Ostbahnhof

München - Der Haupteingang zum Münchner Ostbahnhof ist „gefährlich“ und eine „Zumutung für Passanten mit Gepäck oder mit Kinderwagen“ – da ist sich der Bezirksausschuss Haidhausen einig. Leidtragende seien auch die Rollstuhlfahrer rund um den Vorplatz.

Wie fühlt es sich an, wenn einem die Nase vor der Tür zugeschlagen wird? Das erfahren Passanten am Ostbahnhof regelmäßig, wenn sie den Weg über den Haupteingang auf der Haidhauser Seite nehmen, um zur Bahn oder zu den Geschäften unter der Erde zu gelangen.

Am Haupteingang gibt es nämlich keine automatische Schiebetür. In vielen Münchner Geschäften seien diese längst Standard, hört man Passanten immer wieder schimpfen. Stattdessen müsse man sich mit alten Schwingtüren abkämpfen, die zuklappen, sobald man sich durch die Engstelle am Haupteingang gedrängt hat. An einer Stelle ist die Scheibe sogar zerbrochen. Sicherheit und Komfort sehen in München anders aus.

Betroffen sind an der Engstelle aber nicht nur Menschen mit Rollkoffern oder viel Handgepäck. Vor allem Rollstuhlfahrer seien hier die Leidtragenden, kritisieren die Lokalpolitiker vom Bezirksausschuss (BA) in Haidhausen. Auch ältere Menschen mit Gehhilfe oder Mütter und Väter mit Kinderwagen hätten an diesem Eingang das Nachsehen. Dennoch müssten sie seit Jahren mit den alten Schwingtüren am Ostbahnhof vorlieb nehmen.

Um die Reparatur der maroden Türen will sich die Bahn kümmern. Das geht aus einem Schreiben an den Bezirksausschuss Au-Haidhausen hervor, das in der BA-Sitzung am Mittwoch Thema war. Die von den Lokalpolitikern seit längerem geforderten Automatik-Türen seien allerdings besonders störanfällig, argumentierte die DB Station & Service AG in dem Brief zuletzt. Nach deren Angaben passieren den Ostbahnhof täglich rund 124 000 Menschen. Die Türen müssten also entsprechend robust sein. Die alten Türen seien für diesen Zweck geeignet, heißt es im Brief der Bahn. Ob ein Teil künftig dennoch mit Automatik funktionieren könnte, sei noch zu überlegen.

Die Politiker im Stadtteil verstehen das als Absage. Sie wollen sich mit der Stellungnahme der Deutschen Bahn und der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, auf die sie nach eigener Aussage sehr lange gewartet haben, nicht zufrieden geben. Für viele Menschen sei der Haupteingang mit den Glastüren geradezu „gefährlich“ und „ein Grund für Unfälle“, betont Bezirksausschuss-Mitglied Barbara Schuster von der SPD. Und: Barrierefrei, wie von der Bahn behauptet, sei der Ostbahnhof an vielen Stellen in der Praxis leider nicht.

Die Schwachstellen am Ostbahnhof haben die Lokalpolitiker schnell benannt: Für Rollstuhlfahrer endet der Weg hinter der umstrittenen Schwingtüre spätestens an der Rolltreppe. Einen Lift, der parallel zu den Treppen bis hinunter zu den Geschäften unter der Erde führt, gibt es an der Stelle nicht. Stattdessen müssen die Rollstuhlfahrer einen beschwerlichen Umweg in Kauf nehmen: Zum Zwischengeschoss oder bis zur U-Bahn gelangen sie nur über einen Lift am Orleansplatz, in Höhe der Belfortstraße. Dieser ist knapp 30 Meter vom Haupteingang entfernt. Hinweise auf den ausgelagerten Lift für Rollstuhlfahrer gibt es keine. Wer nicht ortskundig ist, muss ihn erst einmal finden.

Problematisch ist aus Sicht vieler Lokalpolitiker aber auch der Bahnhofsvorplatz: Dort ist der Weg zwischen Busbahnhof, Taxen und den vielen Fußgängern aufgrund der vielen Fahrbahnteiler und Businseln nicht ungefährlich, finden sie. Aus Sicht der Deutschen Bahn ist „der barrierefreie Anschluss“ des Quartiers Haidhausen durch den Aufzug am Orleansplatz dagegen „gut gelöst“, wie das Unternehmen auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt.

Ein weiterer barrierefreier Zugang von der Haidhauser Seite des Ostbahnhofs sei „im Zusammenhang mit der zweiten S-Bahn-Stammstrecke“ geplant. Gestern teilte das Unternehmen zudem mit: Die Schwingtüren würden mittelfristig ersetzt. „Dabei könnten entweder Schiebetüren oder automatisch sich öffnende Schwingtüren zum Einsatz kommen“, sagte ein Bahn-Sprecher.

Anne Hund

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