Schwule Hochzeit am Standesamt

München - Bei dieser Hochzeit gibt es keine Braut in Weiß – um genau zu sein, gibt es nicht einmal eine Braut. Am Freitag haben in München zwei Bräutigame geheiratet, zum ersten Mal im Standesamt.

„Als Pionier fühlt man sich schon ein bisschen toller“, sagt Heiko Czichoschewski. Seit neun Jahren ist er mit Michael Titze zusammen, vor sieben Jahren sind sie in eine gemeinsame Wohnung gezogen. Angefangen hat alles auf Ibiza, als Urlaubsflirt. Der hat sich dann als große Liebe erwiesen. Hochzeitspläne habe es schon länger gegeben, erzählen die beiden 41-Jährigen. Noch bevor ein Termin feststand, wurde die Hochzeitsreise gebucht. „Im November geht’s ganz klassisch zu einer Mittelmeer-Kreuzfahrt“, sagt Czichoschewski.

Hätten die beiden sich schon früher zur Heirat entschlossen, wären sie nicht das erste Paar, das in München von einem Standesbeamten getraut wurde. Am 1. August sind die von der FDP angestoßenen Änderungen des bayrischen Lebenspartnerschaftsgesetzes in Kraft getreten. Zuvor gab es für gleichgeschlechtliche Paare nur die Möglichkeit, ihre Partnerschaft von einem Notar beurkunden zu lassen. „Es ist gut, dass wir die Planungen ein wenig haben schleifen lassen“, sagt Michael Titze – und sein Mann ergänzt: „Im Standesamt ist es natürlich viel schöner und offizieller als beim Notar.“

Insgesamt haben sich seit dem 1. August schon 14 Paare angemeldet, sagt Wilfried Blume-Beyerle, Leiter des Kreisverwaltungsreferats – zehn männliche und vier weibliche. 25 andere hätten sich kundig gemacht. Die gleichgeschlechtlichen Trauungen unterscheiden sich nicht sehr von anderen Trauungen. So auch am Freitag: Dem Anlass entsprechend schick gekleidete Verwandte und Freunde folgen Heiko Czichoschewski und Michael Titze in den Trausaal. Das Paar wirkt etwas nervös, aber sehr glücklich. Während der Ansprache des Standesbeamten und der Frage nach dem Ja-Wort halten sie sich an der Hand. Und wie er das Paar nach dem Ringtausch zum Kuss auffordern soll, darüber muss sich der Standesbeamte Peter Trunk keine Gedanken machen. Sofort fallen sich die Bräutigame in die Arme, besiegeln die „Begründung ihrer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft“ mit einem Kuss.

Heiko Czichoschewski sagt, er habe selbst überlegen müssen, wie die „Hochzeit“ wohl heißen würde. Und Wilfried Blume-Beyerle bestätigt Diskussionen im Vorfeld: „Es ging immer wieder um Begrifflichkeiten.“ Das „Heiratsbüro“ wurde um den Zusatz „Lebenspartnerschaften“ erweitert und was als Familienbuch bekannt ist, heißt in diesem Fall „Buch der Lebenspartnerschaft“. „Für uns ist es einfach eine Hochzeit, aber wie es heißt, ist doch nicht so wichtig“, sagt Michael Titze. „Wichtig ist, dass es anerkannt wird.“

Die Lebenspartnerschaft ist der Ehe nicht ganz gleichgestellt. Das kommt unter anderem daher, dass eine „Ehe“ per Definition nur zwischen Personen unterschiedlichen Geschlechts geschlossen werden kann. Dagegen werden Paare, die eine Lebenspartnerschaft eingegangen sind, sogar auf der Lohnsteuerkarte noch als ledig geführt. „Eine Gleichstellung auch in diesem Bereich wäre sicherlich schön“, sagt Heiko Czichoschewski. „Aber wir sind jetzt schon finanziell besser abgesichert, zum Beispiel beim gemeinsamen Wohnungskauf.“

Nicht nur in Formularen wurden Begrifflichkeiten angepasst, auch Worte des Dichters Wilhelm Busch musste der Standesbeamte Peter Trunk ein wenig modifizieren. Gerne wird auf Hochzeiten ein Gedicht Buschs zitiert, in dem die Freude darüber groß ist, dass das Paar nun offiziell vom Standesbeamten getraut wird. „O wie lieblich, o wie schicklich, sozusagen herzerquicklich, ist es doch für eine Gegend, wenn zwei Leute, die vermögend, außerdem mit sich zufrieden“ – die nächste Zeile „aber von Geschlecht verschieden“ hat Peter Trunk eben übersprungen.

Die Freude über die Heirat war beim Paar und seinen Freunden und Verwandten nichtsdestotrotz mindestens genauso groß wie von Busch beschrieben.

Saskia Müller

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