Seehofer: Amerikahaus muss ausziehen

München - Nach monatelangen Streitereien spricht Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ein Machtwort: Das Amerikahaus muss das Gebäude am Karolinenplatz für die Acatech räumen. Ersatz gibt es wohl gegenüber, in den Räumen der Lotterieverwaltung.

Der Streit sorgt seit Monaten für schlechte Laune im bayerischen Kabinett, inzwischen muss sich mit Markus Söder schon der zweite Finanzminister damit herumschlagen. Jetzt hat Ministerpräsident Horst Seehofer endgültig die Nase voll: Am Freitagnachmittag befasste sich der Koalitionsausschuss von CSU und FDP noch einmal mit der Zukunft des Amerikahauses (wir berichteten). Gestern verkündete Horst Seehofer nun das Ergebnis: „Wenn Acatech da rein will, wird das gemacht.“

Seit mehr als einem Jahr sucht die Staatsregierung inzwischen eine repräsentative Heimat für die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, die derzeit noch in der Residenz angesiedelt ist. Die Idee, das Bayerisch-Amerikanische Zentrum – kurz: Amerikahaus – umzusiedeln, stammte von Söders Vorgänger Georg Fahrenschon, der allerdings nicht mit dem breiten Aufschrei gerechnet hatte. Monatelang wurde nach Alternativen gesucht – auch im Vordergebäude der Staatlichen Lotterieverwaltung, die gleich auf der anderen Straßenseite liegt.

Nun wird also doch der ursprüngliche Plan umgesetzt. Dieser Lösung „neigt es sich sehr stark zu“, sagte Seehofer gestern. Für das Amerikahaus bietet sich ein Umzug in das Vorderhaus der Lotto-Zentrale schräg gegenüber am Karolinenplatz an. Etliche Mitarbeiter der staatlichen Lotterieverwaltung müssten dann ausziehen – wohin und ob innerhalb Münchens, ist noch offen.

Seehofer versprach, dass der Saal des Amerikahauses weiterhin für Veranstaltungen genutzt werden könne, auch die Bezeichnung soll bleiben. Er will zudem garantieren, dass das Amerikahaus – falls dies die Acatech wünscht – vor dem Einzug generalsaniert wird. „Wenn die Sanierung nötig ist, wird auch das gemacht.“ So lange könne die Akademie an ihrer provisorischen Unterkunft in der Residenz bleiben. Seehofer bekräftigte, dass es für ihn oberste Priorität habe, einen Abzug von Acatech „nach Berlin oder Hamburg“ zu verhindern. Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) soll nun die Details regeln.

Am Karolinenplatz schlug die Nachricht gestern ein wie eine Bombe – und die Begeisterung hielt sich in Grenzen. „Das ist neu für mich“, sagte Erwin Horak, Präsident der Lotterieverwaltung. Ihn habe zuletzt keiner informiert. „Alles was ich bislang weiß, entnehme ich dem ,Merkur‘.“ Horak sagte, er bedauere es, wenn seinen Argumenten keine Rechnung getragen werde. „Aber wir müssen jetzt erst einmal die Details der Entscheidung abwarten.“ Im repräsentativen Vorderteil der Lotterieverwaltung arbeiten 70 bis 80 Mitarbeiter, für die nun neue Arbeitsplätze gesucht werden müssen. Bei den Angestellten (nur zehn Prozent der Beschäftigten der Lotterieverwaltung sind Beamte) stößt das auf entschiedenen Widerstand. „Die Mitarbeiter werden sich wehren. Wir lassen uns das nicht einfach gefallen“, kündigte der Personalratsvorsitzende Yusuf Güngörmüs an.

Auch auf der anderen Straßenseite reagierte man entsetzt auf die Nachricht. „Das muss ich jetzt erst einmal verdauen“, sagte Raimund Lammersdorf, Direktor des Bayerisch-Amerikanischen Zentrums, der ebenfalls vergeblich auf Informationen gewartet hatte. „Mit dieser Regelung müssten wir unser Programm auf 20 Prozent reduzieren.“ Es sei ausgeschlossen, im Saal Veranstaltungen mit mehreren hundert Schulkindern durchzuführen und gleichzeitig einen Akademiebetrieb aufrecht zu halten. „Das passt einfach nicht zusammen.“ Lammersdorf glaubt immer noch, dass die Lösung genau anders herum optimal gewesen wäre: Die Acatech in der Lotterieverwaltung – und bei Veranstaltungen zu Gast im Saal des Amerikahauses. Doch dieser Vorschlag ist nun offenbar endgültig vom Tisch.

Christian Deutschländer und Mike Schier

Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

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