Vom Knast zum Hotel: Der Verein „Biss“ will das ehemalige Frauengefängnis am Neudeck in ein Ausbildungshotel für sozial benachteiligte Jugendliche umbauen.
+
Vom Knast zum Hotel: Der Verein „Biss“ will das ehemalige Frauengefängnis am Neudeck in ein Ausbildungshotel für sozial benachteiligte Jugendliche umbauen.

Seehofer macht sich für „Hotel Biss“ stark

München - Der Verein „Biss“ hat im Ringen um das ehemalige Frauengefängnis am Neudeck einflussreiche Unterstützung bekommen. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) macht sich dafür stark, dass das Sozialprojekt „Hotel Biss“ im ehemaligen Frauengefängnis am Neudeck verwirklicht wird.

Das bestätigte die Staatskanzlei auf Anfrage. Wie berichtet, will „Biss“ (Bürger in sozialen Schwierigkeiten) den Knast in ein Ausbildungshotel für benachteiligte junge Menschen umbauen. Die weiblichen Häftlinge waren im Juni in das neu gebaute Gefängnis neben Stadelheim verlegt worden.

Seehofer habe Staatskanzleichef Siegfried Schneider (CSU) gebeten, alle Möglichkeiten auszuloten, wie sich das Hotel realisieren lasse, heißt es aus der Staatskanzlei. Wie Schneider dabei vorgeht, dazu gab es keine Auskunft. Er habe sich aber am Rande der Kabinettssitzung vom Mittwoch kurz mit Finanzminister Georg Fahrenschon über das Projekt unterhalten, heißt es aus dessen Ministerium.

„Biss“-Chefin Hildegard Denninger hofft, dem Finanzministerium das denkmalgeschützte Gebäude direkt zum Verkehrswert abkaufen zu können. Sollte es zu einer Ausschreibung kommen, fürchtet sie, profitorientierten Investoren zu unterliegen.

Dem Parlament könnte bei der Vergabe jedoch eine größere Rolle zukommen als der Landesregierung. Auch wenn eine öffentliche Ausschreibung bei Immobiliengeschäften des Freistaats üblich und rechtlich vorgesehen ist, kann der Finanzausschuss einen anderen Weg wählen. So ist es im Haushaltsrecht formuliert und drauf pocht „Biss“ jetzt auch mit einem von der Münchner Kanzlei „CMS Hasche Sigle“ erstellten Gutachten.

Laut Gutachten kann sich der Landtag direkt für einen Interessenten entscheiden oder soziale Kriterien für eine Ausschreibung durchsetzen. In jedem Fall muss das Parlament den Verkauf mit einem Gesetz besiegeln.

Durch alle Fraktionen zieht sich Wohlwollen für das Hotel, an das elf altengerechte Wohnungen für betreutes Wohnen angeschlossen werden sollen. „Sie müssen jungen Menschen, die gestrauchelt sind, eine neue Chance geben“, sagt der Münchner FDP-Abgeordnete Otto Bertermann. Er möchte seine Parteikollegen im Finanzausschuss auf eine Vergabe an „Biss“ einschwören und auch den Koalitionspartner CSU überzeugen. Zuerst müssten aber alle Fakten auf dem Tisch liegen.

Auf die wartet auch der Ausschussvorsitzende Georg Winter (CSU). „Ich muss die Rechtslage kennen“. Er stehe dem Projekt aber positiv gegenüber. Was rechtlich möglich ist, will das Finanzministerium bis 15. Oktober mitteilen. Thomas Mütze (Grüne) sehe in einem Direktverkauf ein „Gerechtigkeitsproblem“. Er schlägt vor, die Vergabekriterien auf „Biss“ zuzuschneiden, aber auch andere Bewerber zuzulassen.

Florian Ritter (SPD) hätte gerne, dass Fahrenschons Immobilienhändler direkt mit „Biss“ verhandeln. Manfred Pointner (Freie Wähler) würde auf eine Auschreibung verzichten – wenn es nur einen Bewerber gibt. Laut Finanzministerium gibt es aber noch weitere Interessenten für Neudeck.

Kolja Kröger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Was wurde aus Meister Eders Werkstatt?
Was wurde aus Meister Eders Werkstatt?
Panne bei der Narkose: Auf OP-Tisch aufgewacht
Panne bei der Narkose: Auf OP-Tisch aufgewacht
„München Modell“: Mehr Münchner sollen günstig wohnen
„München Modell“: Mehr Münchner sollen günstig wohnen
Nicht rühren! Das perfekte Risotto
Nicht rühren! Das perfekte Risotto

Kommentare