Er war Ehrenpräsident des Bayerischen Brauerbunds, Augustiner-Chef und ein bedeutender Mäzen: Ferdinand Schmid ist am Dienstag gestorben. Brauer und Freunde des Gerstensafts trauern.

"Er war die Seele von Augustiner"

Ferdinand Schmid gestorben

München - Er war Ehrenpräsident des Bayerischen Brauerbunds, Augustiner-Chef und ein bedeutender Mäzen: Ferdinand Schmid ist am Dienstag gestorben. Brauer und Freunde des Gerstensafts trauern.

Die Augustiner Buam sprechen nur vom „Herrn Direktor“. Ehrfurcht klingt mit, wenn der Augustiner Bua Gerhard Vierlinger von Ferdinand Schmid erzählt - dem Mann der von 1970 an die Geschicke der Brauerei lenkte, deren Bier die Augustiner Buam so schätzen, dass sie zur Verehrung des Gerstensaftes einen Verein gegründet haben. Schmid hatte den Augustiner Buam seinerzeit erlaubt, das markenrechtlich geschützte Augustiner-Wappen auf ihre Hosenträger zu sticken. „Er war unglaublich volksnah, wir haben ihn oft zusammen mit seiner Schwester im Augustiner am Platzl getroffen“, erinnert sich Vierlinger. Auch bei den traditionellen Augustiner-Wallfahrten - feuchtfröhlichen Wirtshaus-Touren der Buam - sei der Herr Direktor dabei gewesen. „Obwohl er schon über 80 war!“

Am Dienstag ist Ferdinand Schmid im Alter von 88 Jahren gestorben. Das teilte die Edith-Haberland-Wagner-Stiftung mit, der Schmid bis zu seinem Lebensende vorstand.

Der Himmel, in dem sich der gebürtige Berchtesgadener jetzt befindet, ist ihm nicht unbekannt - Schmid hatte bereits zu Lebzeiten einen Platz darin: Er hatte für die Restaurierung der Deckenfresken im Alten Peter (Dort findet am 27. November, 11 Uhr, das Requiem statt) viel Geld aus dem Vermögen der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung zur Verfügung gestellt - und wurde zum Dank an der Kirchendecke verewigt. Recht war ihm das nicht: „Er war ein zurückhaltender Mensch, der sich nicht in den Vordergrund gespielt hat“, erinnert sich der Ex-Spaten-Franziskaner-Chef Jobst Kayser-Eichberg.

Schmid begann seine Laufbahn 1957 als Geschäftsführer des Vereins der Münchener Brauereien. Später wechselte der Jurist zu Löwenbräu. 1970 trat er in die Geschäftsleitung von Augustiner ein, wo er bis 1991 als persönlich haftender Gesellschafter tätig war. Nach dem Tod des Augustiner-Besitzers Richard Wagner, der kein Testament hinterlassen hatte, entwickelte Schmid die Idee, eine wohltätige Stiftung einzurichten, der 51 Prozent von Augustiner gehören. Erbin Edith Haberland vertraute ihm blind - und die Stiftung wurde gegründet, die den Denkmalschutz, obdachlose Frauen in München sowie den Tierpark Hellabrunn fördert. Bis heute schützt die Verkettung von Stiftung und Brauerei Augustiner vor Investoren und garantiert so, dass sie eine Privatbrauerei bleibt.

„Der große Erfolg von Augustiner ist auf Ferdinand Schmid zurückzuführen“, sagt Peter Kreuzpaintner. Der Ex-Paulaner-Chef denkt dabei nicht nur an die Gründung der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung. Sondern auch an die aufwändigen Sanierungen der Augustiner-Gaststätten. Früher seien die Wirtshäuser der Brauerei heruntergekommene Boazn gewesen: „Er hat sie allesamt in Schmuckstücke verwandelt, eines nach dem anderen“, sagt Kreuzpaintner. Für das denkmalgeschützte Asam Schlössl in Thalkirchen habe Schmid sogar persönlich in Antiquitätenläden die Lampen ausgesucht.

Der Chef des Bayerischen Brauerbunds, Lothar Ebbertz, sagt: „Schmid war die Seele von Augustiner.“ Er habe sich nie für Trends und die Erschließung neuer Märkte interessiert. Stattdessen habe er auf den Heimatmarkt, die Wurzeln der Brauerei gesetzt. Als die Branche über die Einführung schlankerer Flaschen diskutierte, habe sich Schmid davon nicht beeinflussen lassen - und weiter in die bauchigen Flaschen abgefüllt. „Billiger kann ich nicht zu einem Individualgebinde kommen“, hatte Schmid seinerzeit gesagt. Statt Werbung zu schalten, setzte er auf gepflegte Wirtshäuser, gutes Bier - und einen Stil, der so altmodisch wie unverwechselbar ist.

Schmid wurde vielfach ausgezeichnet. Er bekam das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, die Medaille Münchnen leuchtet, den großen Tiroler Adler-Orden, um nur drei zu nennen.

In der Brauerei an der Landsberger Straße vermisst man aber nicht den Mann, der so viele Ehrungen eingeheimst hat. Sondern vor allem den Menschen Schmid. „Er war sehr geradlinig. Wenn er von etwas überzeugt war, hat er es durchgezogen“, sagt Augustiner-Geschäftsführer Werner Mayer. Oft sei Schmid mit den Bierfahrern am Stammtisch im Bräustüberl gesessen. „Sein Tod nimmt uns alle sehr mit.“

Bettina Stuhlweißenburg

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