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Otto G. († 97) hatte seinen Sohn Oliver (25) erst mit 74 Jahren gezeugt.

Es geht um viel Geld

Sein Vater (†97) verschenkte das Erbe: Nun klagt Oliver B.

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München - Oliver B.'s Vater erreichte ein gesegnetes Alter. Doch kurz vor seinem Tod verschenkte er das ganze Erbe. Nun klagt der Sohn vor Gericht.

Arm in Arm, ein Lächeln im Gesicht: So sieht man Oliver B. (25) mit seinem Vater Otto G. († 97). Ein Foto aus glücklichen Zeiten. Denn jahrelang war der pensionierte Zahnarzt dement, bis er im Januar 2013 schließlich starb. Für seinen Sohn doppelt traurig: Denn kurz vor seinem Ableben hatte Otto G. sein Erbe auf bemerkenswerte Art verteilt: Je 50 000 Euro spendete er an acht Hilfsorganisationen – sein Sohn ging überraschend leer aus.

„Ich war baff“, sagt Oliver B. „Dass er so viel Geld besitzt, wusste ich gar nicht.“ Er vermutet, dass die Krankheit des Vaters zu einer Kurzschlusshandlung geführt hat. „Was er tat, stand im Gegensatz dazu, was er jahrelang versprochen hat. Er hat wohl vergessen, dass ich sein Erbe bin.“ Stattdessen freuten sich die Hilfsorganisationen über den Geldsegen. „Einigen leuchtete der gesundheitliche Zustand meines Vaters ein“, sagt Oliver. Ohne Diskussion hätten sie die je 50 000 Euro zurückerstattet. Das Geld glaubt Oliver, steht gesetzlich nur ihm zu. Denn Otto G.s Frau war 2007 verstorben. Oliver hatte er in einer Affäre mit seiner Haushälterin Monika gezeugt.

Gericht muss entscheiden: War Otto G. geschäftsfähig?

Anwalt Elko Mehring (li.) mit Steffen Erzgraber und Stefan Insam vom Bayerischen Blindenbund.

Allerdings: Nicht alle Organisationen sehen das genauso. Zwei wehren sich – unter anderem der Bayerische Sehbehinderten- und Blindenbund. Gegen ihn klagt Oliver B. jetzt vor dem Landgericht. Entscheidend dabei: War Otto G. trotz Demenz noch geschäftstüchtig oder nicht? „Das versuchen wir nun posthum herauszufinden“, sagte Richterin Klein. Sie hörte zunächst eine Psychologin an, die im selben Haus wie Otto G. wohnte und ihn fast täglich sah. „Er war völlig chaotisch in der Haushaltsführung. Ich hatte nicht das Gefühl, dass er noch imstande war, alleine zu leben.“ Deshalb pflegte ihn Olivers Mutter Monika B. – bis zu Otto G.s Tod. „Es war dramatisch“, sagt sie. „Er war inkontinent und wusste nicht mehr, ob Abend oder Morgen ist. Ich habe ihn gefüttert. Die meiste Zeit war er apathisch und konnte gar nicht sprechen.“

Einer Mitarbeiterin des Blindenbundes soll Otto G. die Spende aber telefonisch bestätigt haben. „Er sagte mir, er will sein Vermögen verteilen“, beteuerte sie vor Gericht. Monika B. glaubt das nicht: „Dazu war er nicht mehr in der Lage.“ Das Telefon mit Wählscheibe stand zwar neben dem Bett des Senioren. „Er konnte den Hörer aber nicht mehr anheben.“

Oliver B. macht die ganze Sache traurig. „Das ist einfach schlechter Stil. Mir blieb nur die Klage.“ Der Prozess um das Erbe dauert noch an.

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