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Die weiße Testperson kam rein, Boubacar Bah musste draußen bleiben.

Münchner Clubs

Nach Selbstversuch: Wieder Rassismus-Vorwürfe gegen Türsteher

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München - Wieder hat ein Afrikaner Münchner Discos auf Diskriminierung durch Türsteher getestet – und wirft ihnen jetzt Rassismus vor. Der Verband der Münchner Kulturveranstalter weist das zurück. Er bezichtigt den Ausländerbeirat, bei der Prävention nicht kooperativ zu sein.

45 Clubs, 28 Mal „Du kommst nicht rein“. Der aus dem Senegal stammende Boubacar Bah hat in Discos getestet, was er schon vorher erlebt hatte: Dunkelhäutige haben es in München schwer, am Türsteher vorbeizukommen. Der 29-Jährige nahm den Selbstversuch von Hamado Dipama im Jahr 2014 (wir berichteten) und die folgenden Gerichtsprozesse zum Anlass: „Wir wollten wissen, ob seither ein Bewusstseinswandel stattgefunden hat.“ Dipama, Mitglied des Münchner Ausländerbeirates, hatte sechs Clubs verklagt, weil sie ihm wegen seiner Hautfarbe den Eintritt verwehrt hätten. Drei Verfahren endeten mit Vergleichen, zwei Mal siegte, einmal verlor er.

Bah war für das Netzwerk Rassismus- und Diskriminierungsfreies Bayern unterwegs – einem Zusammenschluss von Organisationen, die sich gegen Rassismus engagieren. Mit einem ebenfalls dunkelhäutigen Freund, zwei weißen Vergleichspersonen und zwei Beobachtern war er am Mittwoch, 14. November, sowie am Freitag, 27. November, in der Kultfabrik, den Optimolwerken, aber auch an der Müller- und der Sonnenstraße sowie in der Nähe von Marienplatz und Stachus unterwegs. Welche Clubs genau er testete, will Bah in den kommenden Tagen bekanntgeben. „Dann, wenn wir wissen, wie wir mit den Ergebnissen umgehen.“

Von 20 Discos 14 mal abgewiesen

Diese Ergebnisse waren für ihn und seinen dunkelhäutigen Begleiter wie ein Schlag in die Magengrube: Beim ersten Test von 20 Discos wurden sie 14 Mal abgewiesen – die weißen Vergleichspersonen nur ein Mal. Beim zweiten Versuch in 25 Clubs wurden sie ebenfalls 14 Mal abgewiesen, die Weißen gar nicht. „Wir haben die unterschiedlichsten Ausreden gehört. Es hieß, es finde eine Privatparty statt oder wir stünden nicht auf der Gästeliste. Meistens meinten die Türsteher nur, sie müssten ihre Entscheidung nicht begründen“, erzählt Bah.

Für ihn steht fest, dass es an der Hautfarbe liegt. „Wir haben extra darauf geachtet, uns gut anzuziehen und keine schlechte Frisur zu haben“, sagt er. Die weißen Testpersonen hätten den gleichen Klamotten-Stil und das gleiche Alter gehabt. „Damit man hinterher nicht behaupten kann, es liege am Stil.“ Bah fühlt sich verletzt. „Von Deutschland hört man immer: Demokratie, Gleichberechtigung. Aber an diesen beiden Abenden wurde ich beleidigt für das, was ich bin.“ Auch die weißen Vergleichspersonen seien schockiert gewesen. Und überrascht. „Sie haben einen solchen Rassismus nicht für möglich gehalten.“

Die Veranstalter wollen jetzt vermitteln

Der Verband der Münchner Kulturveranstalter (VDMK), ein Zusammenschluss von Clubbetreibern, will nun das Gespräch mit dem Netzwerk suchen: „Wir bieten einen Workshop an, in dem sich Türsteher und Betroffene austauschen können“, sagt VDMK-Chef Alexander Wolfrum. Ihm sei bewusst, dass es Rassismus im Nachtleben gebe, „aber gegen einen Pauschalvorwurf wehren wir uns“.

Unklar sei, ob die getesteten Clubs überhaupt Mitglied im Verband seien. „Wir kümmern uns seit Jahren intensiv um das Thema Rassismus, unter anderem mit der Aktion ,Nachts sind alle Menschen bunt‘“, sagt Wolfrum. Türsteher würden anhand subjektiver Kriterien entscheiden. „Im Nadelstreifen-Anzug in den Techno-Club zu gehen, ist nun mal nicht sinnvoll. Das hat nichts mit der Hautfarbe zu tun.“ Wolfrum hatte auch dem Ausländerbeirat eine Zusammenarbeit bei der Rassismus-Prävention angeboten: „Leider wollen die nicht mit uns reden.“

Nükret Kivran vom Ausländerbeirat weist das zurück: „Ich finde es schade, dass Herr Wolfrum das so sieht.“ Zwar sei vor dem Hintergrund der Klage Dipamas gegen Münchner Clubs tatsächlich ein Projekt gescheitert, „aber wir wollen 2016 ein gemeinsames Projekt auf die Beine stellen“.

Ob Bah – wie Dipama – vor Gericht zieht, ist noch unklar. Er sagt: „Rassismus ist ein gesellschaftliches Problem. Statt die Augen davor zu verschließen, sollten Weiße zum Türsteher sagen: Wenn nicht alle reinkommen, bleiben wir auch draußen.“

Lesen Sie auch: Rassismus-Vorwurf gegen Club - der löscht den Facebook-Post

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