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Wieder fit: die 77-jährige Patientin mit Doktor Markus Kasel.

OP-Kunst macht Herzen wieder gesund

Weltweit seltener Eingriff geglückt: Ärzte retten 77-Jährige 

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München - Spezialisten des Deutschen Herzzentrums München haben eine 77-Jährige mit einem extrem schwierigen Eingriff gerettet. Er ist weltweit erst wenige Male gelungen.

Sie dachte schon, sie würde dieses Jahr nicht mehr überleben! Franziska Schubert (Name geändert, 77) war so schwach, dass sie nur noch wenige Schritte gehen konnte.

Die vor acht Jahren eingepflanzte, künstliche Herzklappe der Ex-Kindergärtnerin funktionierte nicht mehr. Doch eine OP am offenen Herzen war wegen ihres Gesundheitszustandes zu riskant. Spezialisten am Deutschen Herzzentrum München wagten deswegen jetzt einen schwierigen Eingriff, der weltweit erst wenige Male gelungen ist: Sie verankerten eine biologische Prothese per Katheter im Inneren der Herzklappe. Ohne offene Operation.

Die Prothese ist eigentlich für eine andere der vier Herzklappen vorgesehen: Die Aortenklappe. Doch bei Franziska Schubert war die Mitralklappe undicht geworden, hierfür ist die Katheter-Methode bislang nicht etabliert. Die Klappe blieb ständig offen, dass Herz konnte nicht mehr genügend sauerstoffreiches Blut in den Körper pumpen. 

„Bislang war der Einsatz einer künstlichen Mitralklappe nur durch eine wiederholte Operation möglich“, so Kardiologe Doktor Markus Kasel (51) vom Deutschen Herzzentrum. „Patienten, deren defekte Klappe wir aufgrund eines zu hohen OP-Risikos nicht mehr ersetzen konnten, hatten in der Regel nur noch eine sehr kurze Lebenserwartung.“ 

Auch Franziska Schubert hätte nach der Einschätzung des Spezialisten nur noch maximal ein Jahr überlebt. Dann der technisch schwierige Eingriff, bei dem die Ärzte das Herz der Patientin für eine halbe Minute still legen mussten. Insgesamt dauerte er 30 Minuten.

 Alles lief gut: Schon am Abend konnte Schubert wieder aufstehen. Drei Tage später durfte sie nach Hause. „Jetzt geht es mir wieder so blendend, dass ich die ganze Welt umarmen könnte“, sagt die Seniorin. Was sie in Zukunft so vorhat? Lange Spaziergänge machen, mit den Enkeln spielen und ihrem Hund herumtollen… 

Herzinfarkt: Neue Mittel in Sicht

Ein hochkarätiges internationales Forscherteam unter Münchner Führung hat eine wichtige Genveränderung entdeckt - und damit den Weg zur Entwicklung neuer Medikamente gegen Herzinfarkte geebnet.

„Sie könnten das Risiko vieler Patienten um bis zu 30 Prozent senken“, sagte Professor Heribert Schunkert in einem tz-Gespräch. Der Ärztliche Direktor des Deutschen Herzzentrums leitete die große Vergleichsstudie, bei der 129 Wissenschaftler aus 15 Ländern zusammenarbeiteten.

Die Ergebnisse sorgen derzeit in Fachkreisen weltweit für Aufsehen. Allein in Deutschland erleiden jedes Jahr etwa 300 000 Menschen einen Herzinfarkt - und ungefähr jeder sechste endet tödlich. 

Im Kampf gegen die Volkskrankheit setzen die Herzspezialisten auf eine Doppelstrategie: Zum einen verfeinern sie stetig die Akutversorgung der Patienten, beispielsweise in speziellen Brustschmerzambulanzen (englischer Fachbegriff: Chest Pain Units). 

Zum anderen bemühen sie sich auf verschiedenen Wegen um eine bessere Kontrolle der Risikofaktoren, etwa von Bluthochdruck oder erhöhten Bluttfettwerten. Bei letzteren sind die Herzspezialisten jetzt einen wichtigen Schritt vorangekommen: Sie stießen auf eine Genveränderung, die den Spiegel bestimmter Blutfette, der Triglyceride, massiv senkt. 

Triglyceride lagern sich unter anderem an den Gefäßwänden ab, machen diese spröde und schaffen die Grundlage für Gefäßverengungen bis hin zum Gefäßverschluss. Wenn dieser in den Herzkranzgefäßen entsteht, kommt es zum Infarkt. 

Wichtiger Hintergrund zu den Trigylceriden: „Ihre Bedeutung der Triglyceride bei der Entstehung von Herzinfarkten wurde bislang unterschätzt“, betonte Prof. Schunkert gegenüber der tz. „Sie sind neben dem schädlichen LDL-Cholesterin der zweite entscheidende Blutfettwert.“ 

Für die Verlgeichsstudie wurde das Genmaterial von 200 000 Teilnehmern weltweit mit Hilfe spezieller Computerprogramme ausgewertet. Dabei stellten die Experten fest, dass Menschen mit einem mutierten Gen namens ANGPTL4 einen deutlich niedrigeren Triglycerid-Spiegel aufweisen als andere. 

„Sie haben ein um 50 Prozent geringeres Herzinfarktrisiko“, berichtet Prof. Schunkert. Ziel sei es nun, neue Medikamente zu entwickeln, die den Effekt der Genmutation nachahmen. Das soll so gelingen: „Das Gen erzeugt Eiweiße, und diese Eiweiße erhöhen den Triglycerid-Spiegel. Im Labor müssen nun Antikörper hergestellt werden, die diese Eiweiße erkennen und neutralisieren“, erläutert Schunkert. 

Der Chef des Herzzentrums sieht gute Chancen, dass die neuen Medikamente binnen weniger Jahre zur Verfügung stehen könnten. 

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