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Semesterticket kommt: Eine gute Entscheidung?

München - Münchens Studenten haben entschieden: Sie wollen ein Semesterticket. Es wird zwei Jahre auf Probe eingeführt. Ob das Ticket danach weiter subventioniert wird, ist noch unklar.

Sabine Nallinger, OB-Kandidatin der Grünen, begrüßt das Votum. 

Der Beschluss sieht vor, dass alle Studenten künftig pro Semester einen verpflichtenden Sockelbeitrag von 59 Euro bezahlen und dafür wochentags zwischen 18 und 6 Uhr sowie an Wochenenden den ganzen Tag das Gesamtnetz des Münchner Verkehrsverbunds (MVV) befahren können. Für einen freiwilligen Aufpreis von 141 Euro, insgesamt also 200 Euro, erhalten sie ein Ticket, das an allen Wochentagen rund um die Uhr gilt.

Münchens schönste U-Bahnhöfe

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Der Pflichtbeitrag galt 2009 als Grund für die Ablehnung durch die Studenten der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), die das Vorhaben damals scheitern ließen. Sie sind aufgrund der innerstädtischen Lage vieler Fakultäten weniger stark auf den MVV angewiesen. „Deshalb haben wir den Sockelbeitrag von 80 auf 59 Euro reduziert“, so der LMU-Ticketbeauftragte Johannes Trischler. Das habe die Zustimmung befeuert. Trischler gesteht aber auch: „Ich hätte nicht mit einer so breiten Zustimmung gerechnet.“

Das Studentenwerk, der MVV und die Stadt müssen den Beschluss nun in ein Vertragswerk gießen. Alle Beteiligten sehen aber den Starttermin zum kommenden Wintersemester als sicher an. Trischler will den „Rückenwind“ der Abstimmung nutzen, um auch „die zukünftige Preisgestaltung“ des Semestertickets zu thematisieren. Schließlich gelten die nun festgelegten Tarife nur für zwei Jahre.

Studie: 45 Prozent der Studenten werden Ticket nutzen

Aufgrund einer Marktforschungsstudie rechnen die Planer damit, dass mindestens 45 Prozent der Studenten das Aufpreisticket nutzen. Erst ab 70 Prozent ist es für den MVV kostenneutral. Für entgangene Einnahmen steht im Testzeitraum die Stadt gerade. Dafür hat der Stadtrat die Ausfallgarantien von bis zu 11,9 Millionen Euro einstimmig beschlossen. Die Studenten hoffen, dass die Nutzerquote sich schnell in Richtung 70 Prozent entwickelt.

Wie es weitergeht, wenn dies nicht gelingt und das Ticket auch nach dem Testlauf subventioniert werden müsste, ist noch unklar. Stefan Bschorer, der Asta-Vorsitzende der Technischen Universität (TUM), ist zuversichtlich: „Wenn das nach zwei Jahren nicht ganz erreicht ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Stadt das Projekt dann abbricht.“ Es gebe positive Signale seitens der Stadt, ergänzt Trischler. Beim MVV hingegen renne man gegen eine „gigantische Betonwand“.

Wirtschaftsreferent Dieter Reiter (SPD) hat allerdings wiederholt betont, nach zwei Jahren müsse eine „schwarze Null“ erreicht sein. Die grüne OB-Kandidatin Sabine Nallinger fordert unterdessen Geld von der Staatsregierung. „Rot-Grün ist für den Freistaat in die Bresche gesprungen. Er wäre nach dem Testlauf in der Pflicht“, sagte sie unserer Zeitung.

Tariferhöhungen werden nicht auf Semesterticket umgelegt

Die Studenten haben aber zumindest erreicht, dass während des Testlaufs Tariferhöhungen des MVV nicht auf das Semesterticket umgelegt werden. Danach könnte der Preis des Tickets deutlich steigen. Norbert Specht, Tarif-Bereichsleiter beim MVV, deutete an, dass seitens des MVV nicht mit Zuschüssen zu rechnen ist. Prognosen über den Probelauf hinaus nannte er „Kaffeesatzleserei“.

Beflügelt durch den Münchner Entscheid forderte der Ring Christdemokratischer Studenten (RCDS) die Einführung eines bayernweiten Semestertickets. Im Wirtschaftsministerium hieß es jedoch postwendend, dies sei „realistischerweise nicht umsetzbar“.

Von Angelo Rychel

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