Ende der Fußgängerzone: In ein paar Jahren sollen die Flaneure hier aber gefahrlos weiterschlendern können. Foto: M. Schlaf

Sendlinger Straße: Die ersten Schritte zur Fußgängerzone

München - Die Sendlinger Straße als Fußgängerzone - diese Lösung wird seit Jahren leidenschaftlich diskutiert. Die Stadt prüft nun eine Verkehrsberuhigung auf ganzer Länge – und stößt damit auf offene Ohren.

Die Sendlinger Straße – eine Fußgängerzone? Über diese Frage wird in München schon seit 20 Jahren leidenschaftlich gestritten. Mittlerweile aber haben sich die Fronten der Befürworter und Gegner aufgeweicht. Nachdem der Stadtrat erst unlängst beschlossen hat, dass der obere Abschnitt der Straße zwischen Färbergraben und Hackenstraße zur Fußgängerzone umfunktioniert werden soll, wird nun schon über eine Erweiterung des verkehrsberuhigten Bereichs auf die ganze Straße nachgedacht. Ob dies sinnvoll ist, will das Planungsreferat prüfen.

Die städtische Planungsbehörde stehe einer Umgestaltung der Straße aufgeschlossen gegenüber, sagt Sprecher Michael Hardi. Welche Ausgestaltung die beste sei, dies solle die Studie zur Entwicklung der Sendlinger Straße und des angrenzenden Hackenviertels zeigen. Die Untersuchung hatte der Stadtrat im Herbst in Auftrag gegeben. Zwei Lösungen gelten im Abschnitt zwischen der Hackenstraße und dem Sendlinger Tor als denkbar: zum einen eine reine Fußgängerzone, zum anderen das Konzept eines gemeinsam von Fußgängern und Autos genutzten Raums, wo Verkehrsschilder und Ampeln fehlen und stattdessen auf Rücksichtnahme gesetzt wird.

Offenbar verfolgt das Planungsreferat die Taktik der kleinen Schritte. Der erste ist die Schaffung der Fußgängerzone zwischen Färbergraben und Hackenstraße. Um die Anrainer des früheren Areals des Süddeutschen Verlags nicht zusätzlich mit Bauarbeiten zu belästigen, soll hier die Einrichtung der Fußgängerzone parallel zum Bau der Hofstatt erfolgen. Dann sieht man ohnehin, ob die Verlängerung der autofreien Zone von den Flaneuren angenommen wird. Falls ja, wäre dies ein Argument, auch den restlichen Abschnitt der Sendlinger Straße verkehrsberuhigt zu gestalten.

„Da hat sich was bewegt“, sagt Wolfgang Fischer, Chef von „City Partner“, der Vereinigung der Innenstadthändler. „Die Diskussion ist nicht mehr so dogmatisch.“ Nun wünschten sich auch Geschäftsleute „mehr Raum für die Flaneure“. Man wisse nämlich: „Je länger der Aufenthalt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass man was im Laden findet.“ Ob Fußgängerzone oder Mischnutzung – „wir sind da ganz offen“, versichert Fischer.

An den Grünen im Stadtrat wird die Verkehrsberuhigung kaum scheitern. Die fordern schon lange eine Fußgängerzone auf der ganzen Länge der Sendlinger Straße. Auch die SPD signalisiert nun Wohlwollen. „Wenn die Voraussetzungen stimmen, warum nicht?“, meint Fraktionschef Alexander Reissl, verweist aber darauf, dass dieser Abschnitt der Straße sehr komplex sei: Es gebe Wohnbevölkerung, die parken wolle. Auch zähle man viel mehr kleinere Geschäfte als im Abschnitt vor der Hofstatt. FDP-Fraktionschef Michael Mattar glaubt deshalb, dass hier eine verkehrliche Mischform mit Autos und Fußgängern die bessere Lösung sei.

Matthias Kristlbauer

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